Hannover Sebastian Lechner (41): Wird der neue starke Mann der CDU Niedersachsen der nächste Ministerpräsident?
Die CDU in Niedersachsen befindet sich nach der Wahlschlappe von Bernd Althusmann im Umbruch. Jetzt ist die Stunde von Sebastian Lechner. Ein Porträt.
Eine Sache hat CDU-Mann Sebastian Lechner mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil von der SPD gemeinsam: Der neue Oppositionsführer im niedersächsischen Landtag ist ebenso wie der Regierungschef großer Fußballfan und Anhänger von Hannover 96.
Ansonsten aber gibt es nicht viele Gemeinsamkeiten. Während Weil die Landtagswahl gegen die CDU klar gewonnen und damit nun Chancen hat, zum Regierungschef mit der längsten Amtszeit in der Landesgeschichte zu werden, ist Lechner gerade dabei, seine neue Rolle als Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion zu finden.
Attacke jedenfalls kann Lechner und reagiert in seiner ersten Rede als Fraktionschef auf die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten nach dessen Vereidigung direkt mal dreist: „Herr Ministerpräsident, das war keine Regierungserklärung, das war ein Antrag auf Altersteilzeit. Dieser ermöglicht Ihnen einen gleitenden Übergang in den Ruhestand. Schade um Niedersachsen.“
Dabei hat Lechner vor seiner eigenen politischen Haustür gerade selbst genug zu tun. Als Generalsekretär der Landespartei hat der 41-Jährige die Wahlschlappe der Christdemokraten bei der Landtagswahl am 9. Oktober schließlich zu einem guten Stück mitzuverantworten. Andere waren am Wahlabend schnell mit ihren Rücktritten. Ex-Fraktionschef Dirk Toepffer zum Beispiel und auch der von den Wählern abgewatschte Spitzenkandidat Bernd Althusmann. Der Noch-Vorsitzende der Landespartei steht für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung.
Lechner indes ist keiner, der sich wegduckt, und übernimmt den Fraktionsvorsitz. Er habe „mit Sicherheit nicht alles richtig gemacht“, aber er sei bereit, auch weiterhin Verantwortung zu übernehmen, gibt der gebürtige Hannoveraner sich selbstbewusst und greift schon nach der nächsten Machtposition: Dem Vorsitz der CDU Niedersachsen, den Lechner voraussichtlich im Januar übernehmen wird.
Und dann? Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl in fünf Jahren und bei einem Wahlsieg der nächste Ministerpräsident von Niedersachsen? Lechner schließt das nicht aus, sondern antwortet diplomatisch: „Das ist noch sehr weit weg.“ Stimmt. Aber Lichtjahre sind es auch nicht. Also? „Das soll dann die Person machen, die die besten Chancen hat“, legt Lechner sich nicht fest. Kein Höhenflug also.
Vor einem solchen bewahren den neuen starken Mann der CDU Niedersachsen nach eigenen Worten ohnehin seine Frau Wiebke und seine drei Kinder im Alter von fünf, acht und zehn Jahren. „Morgens ist meine Kinderzeit“, sagt der Familienvater, dessen Frau halbtags in der niedersächsischen Landesverwaltung arbeitet und das Einfamilienhaus in einem Neubaugebiet in Neustadt am Rübenberge in der Region Hannover morgens schon früh verlässt.
Diplom-Volkswirt Lechner – sein Vater war bei der Commerzbank, seine Mutter Hausfrau – kümmert sich also morgens um die Kinder und später am Tag dann mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit um die Politik in Niedersachsen.
Hartnäckig war Lechner übrigens auch bei seiner Frau. Die beiden liefen sich während des Studiums in Göttingen über den Weg. „Sie fand mich damals schrecklich“, erinnert er sich an die erste Reaktion der ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiterin. „Aber ich bin stoisch einfach immer wieder in ihr Büro gelatscht.“ Heute sind die beiden seit zwölf Jahren verheiratet.
Ob der Hobby-Jäger und Ex-Kampfsportler bei der nächsten Landtagswahl als Spitzenkandidat angreifen und das Ministerpräsidentenamt ins Visier nehmen will, ist also offen. Fest steht aber, dass Lechner sich die Butter nicht vom Brot nehmen lässt.
„Ihre Koalition ist eine Kampfansage an die Leistungsträger in Niedersachsen. Sie wollen zurück in die rot-grüne Vergangenheit. Wir werden Sie jeden Tag aufs Neue daran erinnern, dass diese Art von Politik für unser Land nicht reicht“, poltert Lechner vom Rednerpult im Landtag in Richtung Ministerpräsident.
Erholung und Ruhe findet der „Technikfreak“, wie er sich selbst nennt, derweil in der Natur, bei Frau und Kindern, und wenn er seinen Jungs beim Fußball zuschaut. Ein Tag in der Woche, meist sonntags, sei für die Familie reserviert, betont Lechner. „Dann koche ich für alle. Das macht mir große Freude.“