Experimente in der Innenstadt Stadt Emden präsentiert neuen Fahrplan für Verkehrsversuche
In der Emder Innenstadt haben Fahrradfahrer auf der Neutorstraße vorerst weiter Vorfahrt. Im nächsten Jahr werden die umstrittenen Verkehrsexperimente auf eine weitere Straße ausgeweitet.
Emden - Wie geht es weiter mit dem Verkehrsexperiment in der Emder Innenstadt? Nach längerem öffentlichen Schweigen gab die Stadtverwaltung in Person von Stadtbaurätin Irina Krantz und dem Leiter der Stadtplanung, David Malzahn, am Donnerstag erstmals wieder ausführlich Auskunft zu ihren neuen Plänen.
Im Mittelpunkt steht zunächst weiter die Neutorstraße, die die Fußgängerzone im Zentrum in der Vergangenheit als Hauptachse für den beidseitigen Verkehr durchtrennte. Die jetzige Regelung mit nur einer erlaubten Fahrtrichtung (Nord nach Süd) und einem weitreichenden Vorrang für Fahrradfahrer bleibt bis ins nächste Jahr bestehen. Nach dem Neujahrsempfang im Januar ist eine Bürgerbeteiligung geplant. Im Anschluss wiederum soll nach einem Vorschlag der Verwaltung der Rat festlegen, welche Regeln voraussichtlich bis Mitte 2025 gelten. Erst dann soll es eine dauerhafte Lösung geben.
Neutorstraße wird kernsaniert oder umgebaut
Parallel sollen Fördermittel für eine Komplettsanierung oder einen Umbau der Neutorstraße beantragt werden und Tests auf der Straße Am Delft starten. Sperrungen oder neue Regelungen an der für den Durchgangsverkehr bedeutsamen Delftstrecke werden allerdings erst kommen, sobald der Trog wieder geöffnet werden kann.
Die Sanierung dieser wichtigen Südumgehung der Innenstadt und Verbindung für den Schwerlastverkehr zum Hafen wurde im Zeitplan mehrfach zurückgeworfen. Die Stadtbaurätin rechnet nach eigenen Angaben derzeit damit, dass „bis Ende dieses Jahres“ nun „eine technische Lösung“ für die immer neuen Probleme gefunden ist, so dass die Verkehrsexperimente in der Innenstadt im nächsten Jahr an den Delft ausgeweitet werden können.
Widerstand und hohe Wellen
Weil das Thema Verkehrssteuerung in Emden seit Jahrzehnten als politisch heikel gilt und in den vergangenen Monaten in den sozialen Medien immer wieder hohe Wellen und Widerstand hervorgerufen hatte, tastet sich die Verwaltung um Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) mittlerweile für jeden Schritt nur mühsam voran. Immer wieder betonten Irina Krantz und David Malzahn in Abwesenheit von Kruithoff und vor der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses des Emder Rates am Donnerstag, dass man „ergebnisoffen“ diskutieren müsse.
Aus ihrer Sicht gebe es aber schon jetzt „eine deutlich positive Entwicklung“, findet Stadtbaurätin Krantz. Regelmäßige Überprüfungen zeigten, dass sich zuletzt weniger Rückstaus gebildet hätten, dass weniger Unfälle bei der Polizei gemeldet und die Sitzmöbel vor den Geschäften an der Neutorstraße gut angenommen würden, sagten sie und der Stadtplaner.
Bereits seit dem Sommer 2021 wird in unterschiedlichen Versuchsaufbauten ausprobiert, wie der Autoverkehr im Stadtzentrum gebremst, umgeleitet oder ganz gestoppt werden kann. Die Experimente rufen vor allem bei Bewohnern entlang von Ausweichstrecken wie der Friedrich-Ebert-Straße Protest hervor. Die bisherigen Kosten beziffert die Stadt mit insgesamt rund 68.000 Euro.