32 Kameraden wollen gehen Krummhörner Feuerwehr droht mit Massenaustritt
Der Feuerwehr Krummhörn-Nord dauert die Planung ihres neuen Gerätehauses zu lange. Sie droht mit einem Massenaustritt – und stellt gleichzeitig ein Ultimatum.
Krummhörn - Bis zum 30. November hat die Gemeinde noch Zeit. Wenn sie bis dahin keinen detaillierten Plan für den Bau eines neuen Gerätehauses vorlegt, wollen 32 Mitglieder aus der Feuerwehr Krummhörn-Nord austreten, wie aus einer Unterschriftenliste hervorgeht. Damit drohten die Kameraden am Donnerstagabend im Feuerwehrschutz-Ausschuss des Rates. Wie Gemeindebrandmeister Jan-Jürgen Lüpkes auf Nachfrage bestätigt, bilden sie die Mehrheit in der insgesamt 58-köpfigen Einsatzabteilung.
Was und warum
Darum geht es: Die Feuerwehr Krummhörn-Nord ist mit den langsam drehenden Mühlen der Behörden unzufrieden und droht Konsequenzen an.
Vor allem interessant für: Bewohner der Krummhörn, die auf die Feuerwehr angewiesen sind – speziell die Greetsieler, Pilsumer und Manslagter, für die die Gruppe Nord vorrangig zuständig ist
Deshalb berichten wir: Der Krummhörner Feuerschutz-Ausschuss hat am Donnerstag in Pewsum getagt. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Ihr Redner Bernd Oltmanns, der die Einwohnerfragestunde unter Protest des Ausschussvorsitzenden Roelf Odens (CDU) nutzte, um ein zuvor verteiltes Schreiben zu verlesen, wies auf die laut ihm viel zu lange Planungszeit hin. Schon im Jahr 2011 hätten Rat und Verwaltung der damaligen Ortsfeuerwehr Manslagt-Pilsum einen Neubau in Pilsum in Aussicht gestellt. 2017 dann habe die Gemeinde aber überraschend die Fusion der Wehr mit Greetsiel durch eine Firma überprüfen lassen, was die Feuerwehrmitglieder erst acht Monate später erfuhren.
Feuerwehr beruft sich auf früheren Bürgermeister
Unsere Zeitung berichtete damals, dass der Krummhörner Verwaltung der mit 1,2 Millionen Euro veranschlagte Neubau für Manslagt-Pilsum zu teuer wurde. Angesichts des demografischen Wandels sei es fraglich, ob die Ortswehr zehn Jahre später noch die notwendige Mindeststärke aufweise, hieß es zur Begründung. Gleichzeitig wurde auf das Gerätehaus Greetsiel verwiesen, wo ebenfalls aus- beziehungsweise umgebaut werden müsse, hieß es.
Als die Fusion dann zum 1. Januar 2018 kam und die Pläne für eine neue Brandwache in Pilsum vom Tisch waren, habe der damalige Bürgermeister Frank Baumann (SPD) laut dem Schreiben zumindest zugesichert, „alles Nötige zu ermöglichen“, damit der Ersatzbau für die beiden alten Gerätehäuser von Pilsum und Greetsiel kommt – und zwar „so schnell wie möglich“. Auch alle Ratsmitglieder hätten ihre „größtmögliche Unterstützung für den Neubau zugesichert“.
Krisensitzung in Greetsiel
Dann seien aber wieder Jahre verstrichen, bis jetzt dem Gemeindekommando der Feuerwehr am 8 November berichtet worden sei, dass nur ein Bauantrag für die Feuerwehr-Ost (Eilsum und Grimersum) gestellt wurde – nicht aber, wie im Rat beschlossen, für die Truppe Nord. Die Verfasser des Schreibens bezeichnen das als „erneuten, harten Nackenschlag“ für die Einsatztruppe, aber auch für die Bevölkerung, zumal man als Stützpunktfeuerwehr in der ganzen Krummhörn tätig sei.
Das Ultimatum soll nun am Abend des 30. November im Feuerwehrhaus Greetsiel enden. Dann bekommt die Gemeindeverwaltung zwischen 18 und 20 Uhr die Gelegenheit, ein „schlüssiges Konzept“ zur „zeitnahen“ Bauplanung vorzustellen. Sollte dies nicht erfolgen, werde die Mehrheit der Feuerwehr-Mitglieder austreten – „trotz großer Bedenken gegenüber den Risiken für die Bevölkerung der Gemeinde Krummhörn“.
Looden kann den Groll nachvollziehen
Nachdem Oltmanns das Schreiben verlesen hatte, verließen er und Dutzende weitere Einsatzkräfte die Aula der IGS in Pewsum. Die Bitte einiger Ausschussmitglieder, sich noch die Reaktion der Gemeinde darauf anzuhören, ignorierten sie. Weitere Feuerwehr-Mitglieder, die offenbar nicht zu dieser Gruppe dazugehörten, blieben indes.
Die Verwaltung äußerte sich während der Sitzung nicht mehr zu dem Vorfall. Dafür sagte Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) im Anschluss auf Nachfrage, dass sie mit solch einer Aktion nicht gerechnet habe, aber den Groll nachvollziehen könne. Sie erinnerte jedoch zusammen mit dem Ratsvorsitzenden Odens daran, dass der im vergangenen Jahr beschlossene Feuerwehr-Bedarfsplan weiter umgesetzt werde.
Regenwasser macht Planung komplizierter
Während der Bauplanung hätten sich Auflagen verändert, die mit der Regenrückhaltung zu tun haben. Für diese müsse man nun unerwartet mehr Platz zur Verfügung stellen und Umweltprognosen für die kommenden zehn Jahre einholen. Bislang seien es fünf gewesen. Dass nun erst einmal nur für Ost der Bauantrag gestellt wurde, habe damit zu tun, dass die rechtlichen Hürden dort nicht so groß seien.
Auch wenn Looden nach der Sitzung immer wieder Verständnis für die Einsatzgruppe Nord zeigte, machte sie jedoch auch klar, dass man das Verfahren nicht beschleunigen kann und Vorhaben der öffentlichen Hand nun einmal grundsätzlich komplizierter seien als in der Privatwirtschaft – Druck hin oder her. Reden wolle man aber dennoch. Looden hofft darauf, die „Wogen glätten“ zu können.
Die Gemeinde Krummhörn steht, wie auch viele andere Kommunen, vor einem Dilemma. Einerseits steigen die Anforderungen an die Ausstattung der Wehren und die Kosten für jede geplante Investitionen. Andererseits führt der demografische Wandel dazu, dass die Bevölkerung immer älter wird. Bewohner im einsatzfähigen Alter arbeiten gleichzeitig immer häufiger auswärts, was die Alarmierung am Tag schwierig macht.
Was das bedeuten kann, wurde vor einem Jahr im Feuerschutz-Ausschuss an einem konkreten Beispiel vom 13. Oktober 2021 klar. Damals rückte zu einem Brand in Freepsum nur ein einziger Feuerwehrmann von der Gruppe Canum-Freepsum aus. Seit diesem Jahr bildet diese daher nun zusammen mit der Gruppe Pewsum-Woltzeten die Feuerwehr Krummhörn-Mitte, um die Kräfte zu bündeln. Bereits im Jahr 2018 fusionierten die Feuerwehren Groothusen-Hamswehrum und Upleward zu Krummhörn-West sowie Loquard-Rysum und Campen zur Gruppe Süd. Die Feuerwehr Eilsum-Grimersum heißt seit 2018 Krummhörn-Ost. Nur Visquard bleibt weiter als einzelne Ortsgruppe bestehen.