Berlin Boris Johnson: Scholz wollte schnellen Sieg der Russen
Seit Beginn des Ukraine-Krieges gibt es immer wieder Kritik an der deutschen Haltung. Der britische Ex-Premier Boris Johnson befeuert das mit weiteren Aussagen.
Der britische Ex-Premierminister Boris Johnson hat schwere Vorwürfe gegen Deutschland, Italien und Frankreich erhoben. Er äußerte sich zum Ukraine-Krieg gegenüber dem portugiesischen Ableger des US-Senders CNN.
Johnson sprach in dem Interview über die Zeit kurz vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Statt einen langwierigen, aber eventuell erfolgreichen Krieg für die Ukraine zu wählen, habe die deutsche Regierung einen Sieg der Russen vorgezogen. Johnson sagte: „Die deutsche Ansicht war, dass, wenn es passieren würde, es ein Desaster wäre – und dann wäre es besser, wenn es schnell vorbei ist und die Ukraine schnell fällt.“ Gründe für die Haltung der Bundesregierung seien vor allem wirtschaftliche gewesen, behauptete Johnson. Er sagte, dass er diese Haltung zwar nicht unterstützt habe, aber verstehen konnte, wieso die Deutschen so reagiert hätten.
Auch gegen die französische und die italienische Regierung erhob Johnson Vorwürfe. So habe Frankreichs Regierungschef Emmanuel Macron bis zum tatsächlichen Angriff den Krieg in der Ukraine geleugnet. Der italienische Premierminister Mario Draghi habe sogar gesagt, die Position der Briten nicht unterstützen zu können, weil Italien stark abhängig von russischen Kraftstoffen sei.
Die Äußerungen von Johnson sorgten auch in Berlin für Aufsehen. Regierungssprecher Steffen Hebestreit trat der Behauptung mit den Worten entgegen: „Wir wissen, dass der sehr unterhaltsame frühere Premier immer ein eigenes Verhältnis zur Wahrheit hat - das ist auch in diesem Fall nicht anders.“ Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Bundesregierung insgesamt hätten sich für substanzielle Waffenlieferungen an die Ukraine entschieden, von daher „sprechen die Fakten gegen diese Unterstellung“.