Erneuerbare Energien  Gemeinde Hinte will sich für Fotovoltaik-Ausbau rüsten

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 23.11.2022 19:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit Solarenergie lässt sich langfristig Geld einsparen. Man muss jedoch einige Dinge beachten. Symbolfoto: Pixabay
Mit Solarenergie lässt sich langfristig Geld einsparen. Man muss jedoch einige Dinge beachten. Symbolfoto: Pixabay
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Eine Expertin hat in Hinte über Möglichkeiten beim Fotovoltaik-Ausbau gesprochen – auch für Privatleute. Die Politik traf indes eine grundlegende Entscheidung.

Hinte - In Neubaugebieten in Hinte sind Fotovoltaik-Anlagen Pflicht. Das wurde zuletzt beschlossen. Nun machte die Politik den nächsten Schritt, der die Gemeinde auf die angestrebte Energiewende vorbereiten soll. So stimmten am Dienstagabend alle Mitglieder des Ausschusses für nachhaltige Gemeindeentwicklung dafür, dass nun nach besonders geeigneten Flächen für freistehende Anlagen gesucht werden soll. Sind diese gefunden und ausgewiesen, sollen die Anlagen nur noch dort aufgestellt werden können, um „Wildwuchs“ zu verhindern. 19.000 Euro werden für die dafür notwendige Änderung des Flächennutzungsplans veranschlagt, sagte Norbert Dubbels, Leiter des Geschäftsbereichs Gemeindeentwicklung.

Was und warum

Darum geht es: Die Gemeinde Hinte will einen Wildwuchs von Solaranlagen verhindern. Sie ließ sich aber auch gemeinsam mit der Politik über die technischen Möglichkeiten informieren.

Vor allem interessant für: Zukünftige Besitzer von Solaranlagen, die sich unsicher sind, was sie an Einnahmen und Kosten erwartet

Deshalb berichten wir: Das Thema wurde im Ausschuss für nachhaltige Gemeindeentwicklung behandelt.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Gleichzeitig wurde im Ausschuss aber auch über die Möglichkeiten informiert, die die Fotovoltaik-Technik unter den richtigen Voraussetzungen bieten kann – sowohl der Gemeinde und ihren Bürgern als auch darüber hinaus. Diese Aufgabe übernahm die Energieberaterin Britta Petersohn aus Emden.

Niedersachsen will 65 Gigawatt aus Solarenergie

Laut der Diplom-Ingenieurin verbraucht ein typischer Haushalt zwischen 2000 und 6000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Allerdings braucht man alleine schon zweieinhalb Solarmodule mit einer Größe von 1,7-mal einem Meter, um unter den günstigsten Bedingungen einen einzigen Kilowatt Leistung zu erzeugen. 800 bis 1100 kWh sind damit aufs Jahr gerechnet möglich. Deutschlandweit werden laut Petersohn derzeit 60 Gigawatt, also 60 Millionen Kilowatt, mit Solartechnik erzeugt. Alleine in Niedersachsen sollen es einmal 65 Gigawatt werden, was die Dimension des Ausbauziels deutlich macht.

Britta Petersohn stellte ihre Rechnungen den Ausschussmitgliedern vor. Foto: Hillebrand
Britta Petersohn stellte ihre Rechnungen den Ausschussmitgliedern vor. Foto: Hillebrand

So muss auch die Gemeinde Hinte 0,47 Prozent ihrer Flächen für Fotovoltaik ausweisen, was laut Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) aber „leicht zu erfüllen“ sei, alleine schon dank der zur Verfügung stehenden Gewerbeflächen. Zum Vergleich: Laut ihm hat die Stadt Aurich neun Prozent potenzielle Flächen für den Solarstrom.

Anlage kann 30 Jahre halten

Aber nicht nur große Investoren sollen in Hinte dabei helfen, dieses Ausbauziel zu erreichen. Auch Privatleute können ihren Teil dazu beitragen, mehr Strom durch erneuerbare Energien zu erzeugen. Dabei müsse man allerdings wissen, was man genau erreichen will, so Petersohn.

Üblich sei es, dass man ein Drittel des Stroms für den Eigenbedarf nutze und den Rest ins Netz einspeise und daran verdiene. Schaffe man sich dafür eine passende Zahl an Modulen an (in ihrem ersten Rechenbeispiel sind es 24 Quadratmeter) und geht von einem Jahresverbrauch in Höhe von 3000 kWh aus, kann man rund 470 Euro Energiekosten pro Jahr einsparen. Die Investition hätte man damit nach rund zwölf Jahren wieder raus. Die Lebenszeit der Module liege je nach Bauart zwischen etwa 15 und 30 Jahren.

Achtung bei Direktvermarktung

Schaffe man sich zusätzlich einen Speicher an, könne dadurch 60 Prozent selbst verbraucht und der Rest eingespeist werden und man erhalte am Ende 635 Euro. Allerdings müsse man dann auch fast doppelt so viel in die Ausrüstung investieren und die Abzahlung dauere 18 Jahre, während der Speicher in der Regel schon nach zehn Jahren den Geist aufgebe. Stromspeicherung lohnt sich laut ihr also zumindest im Falle von Privathaushalten nicht – außer gegebenenfalls, wenn man ein Elektroauto habe.

Bei 60 Quadratmetern Solarfläche und einem Eigenstromanteil von 17 Prozent (ohne Speicherung) wären es hingegen 1257 Euro im Jahr und abbezahlen könne man die Anlage in zehn bis elf Jahren. Dieses Beispiel lohnt sich laut der Ingenieurin wieder. Allerdings müsse man gerade bei größeren Anlagen bei der Steuererklärung aufpassen, denn man spreche hier von geldwerten Vorteilen.

Oftmals eine emotionale Kaufentscheidung

Als Hausbesitzer mit Vermietern oder Nachbarn, denen man den Strom anbietet, sehe es wiederum etwas anders aus, denn in diesen Fällen zähle man auch rechtlich als gewerblicher Stromanbieter wie beispielsweise die Stadtwerke. Seine Mieter könne man daher auch nicht dazu zwingen, „Kunde“ zu werden. Außerdem müsse man ihnen die Abrechnungen jedes Jahr genau aufschlüsseln, was buchhalterisch kompliziert sei. Da biete es sich womöglich an, Warmmieten inklusive aller Nebenkosten auszuhandeln, empfiehlt sie.

Schließlich macht es laut Petersohn auch noch in manchen Fällen Sinn, etwas weniger Strom einzuspeisen, als man könnte. So gebe es bei bis zu zehn Kilowatt Leistung 8,2 Cent Einspeisevergütung pro Kilowattstunde, wenn man nur einen Teil der Energie abgebe. Bei Volleinspeisung seien es 13 Cent. Bei größeren Anlagen von bis zu 40 Kilowatt Leistung werden nur noch 7,1 beziehungsweise 10,9 Cent ausgezahlt. Nach 20 Jahren Laufzeit falle die Einspeisevergütung schließlich weg. Dann aber könne man den Strom weiterhin selbst verbrauchen und in die Direktvermarktung gehen.

Nicht immer schafften sich Leute laut ihr aber Solaranlagen an, nur um Strom zu sparen. Oftmals handle es sich auch um eine emotionale Entscheidung mit dem Hintergedanken, unabhängiger zu werden oder etwas für die Umwelt zu tun. In Zukunft könnten laut Petersohn spezielle Beschichtungen für Glas eine immer größer werdende Rolle spielen, die die jetzigen Anlagen ersetzen. Daran werde aber noch geforscht.

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