Emden bereitet sich vor Im Katastrophen-Fall gibt es Hilfe bei neun „Schutzleuchttürmen“
Auch wenn ein flächendeckender Stromausfall unwahrscheinlich ist, will die Stadt Emden optimal für den Notfall gewappnet sein. Wir haben einen der neun „Katastrophenschutz-Leuchttürme“ besucht.
Emden - Die deutsche Stromversorgung gehört laut der Bundesregierung zu den sichersten in Europa. Derzeit aber ist die Sorge vor einem Blackout - also einem flächendeckenden Stromausfall - größer als sonst. Die Stadt Emden will für den Notfall gewappnet sein und auch ihre Bevölkerung entsprechend vorbereiten. Deswegen informiert sie die Menschen seit kurzem verstärkt über ihre sogenannten Katastrophenschutz-Leuchttürme im Stadtgebiet. Diese sind in den sieben Häusern der Freiwilligen Ortsfeuerwehren, der Feuerwehrtechnischen Zentrale an der Brückstraße sowie der Nordseehalle eingerichtet.
„Leuchttürme kennt hier in der Region ja jeder. An diesen orientiert man sich. Wir spinnen das Ganze noch weiter: Bei unseren Leuchttürmen kann man Hilfe bekommen“, sagt Bernd Lenz, Emder Feuerwehrchef und Leiter des Fachdienstes Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz bei der Stadt, bei einem Gespräch im Haus der Freiwilligen Feuerwehr in Larrelt. Er beschreibt das Szenario so: Sollte flächendeckend der Strom ausfallen und das vielleicht auch etwas länger, halten das Handy- und Internetnetz vielleicht noch zwei Stunden. Etwas länger dauert es, bis beispielsweise das Abwasser nicht mehr abfließt. Das Licht ist aus und Elektrogeräte wie Herd, Heizung oder Kühlschrank funktionieren nicht. Das Trinkwasser dürfte aber normal weiter aus der Leitung kommen, erklärt er. Die Stadtwerke seien mit leistungsstarken Notstrom-Aggregaten ausgestattet, die den Druck in der Leitung konstant halten.
Kommunikation, Wärme, Essen
„Dann kommt es immer darauf an, wann der Ausfall passiert“, sagt Bernd Lenz. Im Sommer am helllichten Tag etwa würden es die Leute vielleicht nur entspannt zur Kenntnis nehmen. „Im Winter aber ist das was ganz anderes.“ Im Ernstfall können die Menschen dann zu einem der „Leuchttürme“ in ihrer Nähe fahren oder gehen. Dort bekommen sie Informationen zur aktuellen Lage. Sie können mit anderen kommunizieren über analoge Funkgeräte, die auch ohne Strom und digitales Netz funktionieren. So könnten Emder weiter die Polizei, den Rettungsdienst oder die Feuerwehr alarmieren.
Beim „Leuchtturm“ würde man warmes Essen bekommen. Im Haus der Feuerwehr Stadtmitte könnten große Mengen gekocht werden, die dann mit den passenden Fahrzeugen an die anderen „Leuchttürme“ verteilt werden. Lebensmittel könnten rund um die Uhr von den Einsatzkräften unter anderem vom Multi-Markt in Emden geholt werden, erklärt Lenz. Auch können sich die Menschen vor Ort aufwärmen und klönen. „Je nachdem, wie viele Menschen in solchen Fällen kommen, würden wir die Feuerwehrfahrzeuge rausfahren, Tische und Stühle aufbauen. Vielleicht eine Spielecke für Kinder“, so Lenz.
Alterskameraden wollen mit anpacken
Das Feuerwehrhaus in Larrelt hat eine Fläche von etwa 400 Quadratmetern. Die meisten anderen sind ähnlich groß, in Twixlum ist es etwas kleiner, in der Stadtmitte deutlich größer. Hinzu kommt die riesige Fläche der Nordseehalle. Wie viele Menschen insgesamt gleichzeitig in den „Leuchttürmen“ unterkommen könnten, kann der Experte nicht sagen. Welchen „Leuchtturm“ sich die Leute aussuchen, sei ihnen völlig selbst überlassen. Es sei auch nicht abzuschätzen, wie viele Menschen wie lange das Angebot nutzen würden. Auch das sei dann abhängig von der Jahreszeit und auch der Länge des Stromausfalls. Rund 240 aktive Einsatzkräfte zählen die Freiwilligen Feuerwehren in Emden. Hinzu kommen bis zu 70 Alterskameraden, von denen schon jetzt viele die Bereitschaft signalisiert hätten, im Notfall in einem „Leuchtturm“ mit anzupacken.
Alle sieben Feuerwehrhäuser, die Zentrale und die Nordseehalle sind mit Notstrom-Aggregaten ausgestattet, die mit Diesel betrieben werden. Die Stadt habe „zwei leistungsstarke Partner“, die sie im Notfall mit mehr Treibstoff versorgen, erklärt der Fachdienstleiter. Ewig könnten die Aggregate aber wohl auch nicht laufen. Zum Vergleich: Das Emder Krankenhaus könnte laut Lenz unter Volllast etwa zwei Tage mit seinem sehr leistungsstarken Notstrom-Aggregat auskommen. Je länger ein Blackout andauern würde, desto schwieriger wäre die Versorgung.
Füreinander da sein: die Gemeinschaft stärken
Insgesamt arbeitet die Stadtverwaltung daran, dass die Bürgerinnen und Bürger besser für Krisen gewappnet sind. Dazu gehört auch, die Signale der Warn-Sirenen zu verstehen und zu wissen, wie man im Ernstfall handelt, so Lenz. „Das ist eine der größten Baustellen.“ Die Stadt habe so viel in die Sirenen-Anlagen investiert. Diese könnten aber nur ihren Zweck erfüllen, wenn die Leute auch richtig geschult seien. Langfristig soll die Aufklärungskampagne für den Katastrophenfall laufen, um das zu ändern, betont auch Carina Hinrichs, Leiterin des Vorstandsbüros der Verwaltung. Sie ist eine der Hauptverantwortlichen für die Kampagne. Am Samstag soll es in der Innenstadt wieder einen Infostand geben.
Ganz wichtig sei es für die Kampagne auch, nicht nur die Selbstverantwortung und Krisenresistenz der Bürger zu stärken, sondern auch die Gemeinschaft, betont Bernd Lenz. Dass man sich insbesondere im Ernstfall in der Nachbarschaft hilft, also etwa einen Nachbarn warnt, der eine Sirene vielleicht nicht gehört hat. Oder jemanden zu einem „Leuchtturm“ zu begleiten, der selbst nicht mehr mobil ist. Bernd Lenz prägt noch heute die Erinnerung an den größten Nachkriegs-Stromausfall Deutschlands 2005 im Münsterland, seiner alten Heimat. Wegen eines Schnee-Chaos, das reihenweise Strommasten einknicken ließ, waren rund 250.000 Menschen über Tage ohne Strom. Bei seiner Schwester, die den einzigen Gasherd in der Straße hatte, seien die Nachbarn zum Essen gekommen, erinnert sich Lenz. „Die Gemeinschaft ist so toll zusammengewachsen.“ Nach dem Ereignis hatte er sich in Emden dafür eingesetzt, dass die Notstrom-Aggregate in die Feuerwehrhäuser kommen und die „Leuchttürme“ eingerichtet werden.
Blackout: Auch weiterhin sehr unwahrscheinlich
Was eine drohende Gasmangel-Lage angehe, sei er mittlerweile deutlich entspannter als noch vor ein paar Monaten. Die Gas-Speicher seien gut gefüllt. „Aber ein Blackout begleitet uns noch“, sagt Bernd Lenz. Ein solcher Stromausfall entsteht, wenn das Stromnetz aus dem Gleichgewicht gerät, heißt es von der Bundesregierung: In das Netz muss immer genauso viel Strom eingespeist werden, wie entnommen wird. Wenn mehr Strom aus dem Netz entnommen wird als ankommt, greifen zunächst Sicherheitsmechanismen, die das Netz stabilisieren.
Kommt es aber zu unerwarteten und starken Schwankungen, beispielsweise durch einen punktuellen und zu hohen Stromverbrauch, kann das Netz zusammenbrechen. Beispielsweise, wenn viele Haushalte Heizlüfter oder Elektroheizungen nutzen, um in der aktuellen Situation Gas zu sparen. Der Strom fällt aus. Das passiert immer mal wieder. Zuletzt im vergangenen Jahr auch in mehreren Emder Stadtteilen. Das hielt etwa zwei Stunden an. Großflächige lang anhaltende Stromausfälle – sogenannte Blackouts – hat es in Deutschland bisher nicht gegeben, so die Regierung. Diese bleiben auch weiterhin sehr unwahrscheinlich.