Integration  Borkum und Ukraine im Tanz vereint

| | 29.11.2022 14:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mitmachen leicht gemacht: Bei den Borkumer und Ukrainern gab es beim Tanzen keine Berührungsängste. Foto: Apfeld
Mitmachen leicht gemacht: Bei den Borkumer und Ukrainern gab es beim Tanzen keine Berührungsängste. Foto: Apfeld
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Ein Tanzabend der Trachtengruppe des Vereins Borkumer Jungens kam bei den ukrainischen Geflüchteten auf der Insel gut an. Auch das Interesse an Deutschunterricht ist unter ihnen groß.

Borkum - Aktuell, lässt Philipp Koenen, Sprecher des Landkreises Leer, auf Anfrage wissen, sind auf Borkum 194 Geflüchtete in der Jugendherberge untergebracht. Zur Erinnerung: Mitte Oktober waren die ersten rund 80 Flüchtlinge aus der Ukraine mit der Fähre auf die Insel gebracht worden. Laut Vertrag steht die Jugendherberge dem Landkreis befristet bis Ende März 2023 für die Unterbringung zur Verfügung. Die Maximalkapazität war seinerzeit in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit „bis zu 500 Menschen“ angegeben worden.

Mitmachen leicht gemacht: Bei den Borkumern und Ukrainern gab es beim Tanzen keine Berührungsängste. Foto: Apfeld
Mitmachen leicht gemacht: Bei den Borkumern und Ukrainern gab es beim Tanzen keine Berührungsängste. Foto: Apfeld

Bezüglich der ukrainischen Kinder im Kita-Alter, erklärt Koenen, finde ein Austausch zwischen dem Regionalen Landesamt für Schule und Bildung in Hannover, der Stadt Borkum und dem Landkreis Leer statt. Eine Betreuung dieser Kinder solle in den Räumlichkeiten der Jugendherberge erfolgen. „Aufgrund der zunächst niedrigen Anzahl der Kinder im entsprechenden Alter wurde noch keine ,angeleitete‘ Betreuung eingerichtet, sondern beispielsweise mit Kooperation der Borkumer Kindertagesstätte Spielmaterial zur Verfügung gestellt“, erläutert der Landkreis-Sprecher. Die Entwicklung werde durch die Beteiligten weiter beobachtet und gegebenenfalls würden geeignete Maßnahmen ergriffen. „Die Koordination vor Ort übernimmt die Stadt Borkum, die für das Thema Kindertagesstätte auf der Insel zuständig ist.“

Online-Unterricht wird berücksichtigt

In Bezug auf die Schulen, ergänzt Philipp Koenen, habe es Gespräche zwischen dem Regionalen Landesamt für Schule und Bildung, allen drei Schulen auf Borkum und dem Landkreis Leer gegeben. „Alle Schülerinnen und Schüler sind in Niedersachsen grundsätzlich schulpflichtig. Die Teilnahme am Online-Unterricht aus der Ukraine wird im Rahmen der Schulpflichtprüfung berücksichtigt. Der Unterricht an den allgemeinbildenden Schulen wird vom Umfang her auch den Bedürfnissen der Kinder angepasst.“ Schülerinnen und Schüler für die Berufsbildenden Schulen Borkum würden betreut, sodass in Kürze Praktikumsbetriebe gefunden und eine Beschulung durchgeführt werden könnten.

Und wie sieht es mit Jobs aus? Koenen: „Im Landkreis Leer gibt es bei den ukrainischen Geflüchteten bislang 58 sozialversicherungspflichtige Arbeitsaufnahmen (bereits aufgenommen beziehungsweise Aufnahme erfolgt in naher Zukunft).“ Thomas Wenzel, Vorsitzender der Ortshandwerkerschaft Borkum, ergänzt, es habe auf der Insel ein Gespräch mit dem Zentrum für Arbeit stattgefunden – und er eine Liste mit 15, 20 Flüchtlingen erhalten, die schon im Handwerk tätig waren. Gleichwohl gehe es auf Borkum wohl primär um Probearbeiten und Praktika, so Wenzel, etwa im Hinblick auf die zeitlich begrenzte Unterbringung in der Jugendherberge. Zudem hoffe man natürlich, dass „der Wahnsinn schnellstmöglich endet“. Gemeint ist der Krieg in der Ukraine.

Mitmachtänze sind keine Hürden

Ferner, berichtet Landkreis-Sprecher Philipp Koenen, habe die Volkshochschule Leer in der Jugendherberge auf Borkum mit Deutschunterricht begonnen. „Der niederschwellige Kurs, mit einem Umfang von zwölf Unterrichtseinheiten in der Woche, wird ehrenamtlich von zwei Sprachmittlerinnen durchgeführt und durch die VHS didaktisch begleitet. Das Lehrmaterial wird gestellt.“ Das Interesse sei groß. Und nicht nur daran.

Mitmachen leicht gemacht: Bei den Borkumer und Ukrainern gab es beim Tanzen keine Berührungsängste. Foto: Apfeld
Mitmachen leicht gemacht: Bei den Borkumer und Ukrainern gab es beim Tanzen keine Berührungsängste. Foto: Apfeld

Das Publikum auf andere Gedanken bringen und zeigen, „was wir hier so machen“: So in etwa lautete die Idee hinter einem Tanzabend, den die Trachtengruppe des Vereins Borkumer Jungens 1830 kürzlich für rund 50 ukrainische Geflüchtete veranstaltet hat. Zuerst, berichtet Mitinitiator Ernie Neeland, habe man Tänze aus dem „Up de Walvis“-Programm gezeigt. Dann war Mitmachen angesagt – und schnell standen Neeland und Co. nicht mehr alleine auf der Bühne.

„Wir haben mehrere Mitmachtänze. Bei den schwierigeren Mitmachtänzen guckst du einmal zu und dann kannst du es. Die noch leichteren macht man einfach mit.“ Es sei eine gute Gelegenheit gewesen, sich kennenzulernen, sich näherzukommen, so Neeland, und den Geflüchteten zu zeigen, „wir sind auch mit euch zusammen auf dieser Insel“. Man habe die Gäste zudem eingeladen, nach der Tanzpause im Januar mal zu einem Übungsabend der Trachtengruppe zu kommen.

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