Schlechte Nachrichten für Autofahrer  Leeraner Stadtring bleibt mindestens bis Weihnachten dicht

Katja Mielcarek
|
Von Katja Mielcarek
| 01.12.2022 17:48 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf der Stadtring-Brücke müssen nur noch Restarbeiten gemacht werden. Trotzdem dauerte es mindestens noch drei Wochen, bis die Straße wieder freigegeben wird. Foto: Wolters
Auf der Stadtring-Brücke müssen nur noch Restarbeiten gemacht werden. Trotzdem dauerte es mindestens noch drei Wochen, bis die Straße wieder freigegeben wird. Foto: Wolters
Artikel teilen:

Eigentlich sollte der Leeraner Stadtring Ende November nach mehr als einjähriger Sperrung wieder freigegeben werden. Daraus wird nichts. Und es gibt noch mehr schlechte Nachrichten.

Leer - Ein gutes Jahr ist der Stadtring jetzt zwischen Spierkreuzung und Strohhut gesperrt. Seitdem gab es zahlreiche Ankündigungen, wann er wieder freigegeben wird, allesamt wurden gerissen. So auch die jüngste, nach der noch im November wieder freie Fahrt herrschen sollte. Jetzt hofft die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, am Tag vor Weihnachten die Sperrung aufheben zu können. Daraus werde aber nur etwas, „wenn alles, aber wirklich alles optimal läuft“, sagte Frank Buchholz, Leiter des Geschäftsbereichs Aurich, am Mittwochabend den Mitgliedern des Ausschusses für Energie, Klima, Umwelt und Verkehr (EKUV).

Was und warum

Darum geht es: Bis zur Freigabe des Stadtrings dauert es noch, aber sie ist zumindest in Sicht. Allerdings wird er die Stadt noch sehr viel länger beschäftigen.

Vor allem interessant für: alle Verkehrsteilnehmer in Leer und die Anwohner der Umleitungsstrecke

Deshalb berichten wir: Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat den zuständigen Fachausschuss über die Situation am Stadtring informiert.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Neben kleineren Arbeiten auf der Brücke müssten 65 Umleitungsschilder und 15 Plantafeln aufgestellt werden. Das höre sich lapidar an, allerdings müsse jeweils die Statik überpüft und womöglich ein Fundament gelegt werden. Die Umleitung führt über die Heisfelder Straße, die Eisinghausener Straße, den Seggeweg, die Feldstraße und die Hauptstraße.

Linienbusse dürfen weiterfahren

Er hatte noch eine schlechte Nachricht für die Leeraner im Gepäck: Der Abschnitt des Stadtrings werde für Fahrzeuge mit einem tatsächlichen Gewicht von acht Tonnen gesperrt. Ausnahme seien Linienbusse, die man zulassen werde. Bei Gespannen gilt diese Grenze für das Zugfahrzeug und den Anhänger jeweils einzeln. Zur Einordnung: Ein Reisebus kommt leer auf gut 13 Tonnen, ein mittleres Feuerwehr-Löschfahrzeug liegt in der Regel bei mindestens neun Tonnen. Auch Müllfahrzeuge reißen die acht Tonnen deutlich.

Mit dem gesperrten Stadtring leben die Leeraner jetzt schon seit mehr als einem Jahr. Foto: Ortgies/Archiv
Mit dem gesperrten Stadtring leben die Leeraner jetzt schon seit mehr als einem Jahr. Foto: Ortgies/Archiv

Die Schäden in der Brücke über die Bahnanlagen seien so gravierend, dass keine andere Möglichkeit als diese drastische Gewichtsbeschränkung bliebe, so Buchholz: „Zwischenzeitlich waren wir nicht einmal sicher, ob wir das Bauwerk überhaupt wieder für den Verkehr freigeben können.“ Zum Vergleich: Die Ledabrücke ist Fahrzeuge, die schwerer als 12,5 Tonnen sind, gesperrt, die Befahrung der Südringbrücke ist nur bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 30 Tonnen erlaubt.

Schäden von außen nicht erkennbar

Im Oktober, als der Abschnitt zwischen Spierkreuzung und Strohhut gesperrt wurde, sei zunächst nur eine Erneuerung der Asphaltdecke geplant gewesen, so Buchholz. Die Schäden in der Brücke seien von außen gar nicht zu sehen gewesen. Aufmerksam sei man dadurch geworden, dass nach der Wegnahme der alten Asphaltschicht die notwendige Abdichtung zu fehlen schien. Dadurch konnten Chloride, die beispielsweise im Streusalz enthalten sind, den Stahl angreifen. „Wir haben einen massiven Stahlverlust in der Bewehrung“, so Buchholz. Die Bewehrung ist eine Art Gitter in einem Betonteil, die seine Tragfähigkeit erhöht.

Mittelfristig muss die Brücke neu gebaut werden, aber das werde noch zehn Jahre oder mehr dauern. Es sei davon auszugehen, dass die neue Brücke höher sein müsse, als die jetzige. Die Bahn verlange mittlerweile einen größeren Abstand zu ihren Anlagen. Das wiederum habe Auswirkungen auf die Rampen auf die Brücke.

Ganz Deutschland hat ein Brückenproblem

Die Aussicht auf zehn Jahre, in denen die schweren Fahrzeuge über Straßen geführt werden, die gar nicht für eine solche Belastung ausgelegt sind, macht Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) Sorgen. Außerdem verfestige sich außerhalb von Leer der Eindruck, dass man dort an allen Ecken und Enden mit Staus konfrontiert werde. Darunter hätten unter anderem der Einzelhandel und die Gastronomie zu leiden. Er wollte von Buchholz wissen, ob es eine Möglichkeit gebe, den Prozess zu beschleunigen. Buchholz versicherte, dass die Stadtring-Brücke in die Gruppe der Brücken in Niedersachsen eingestuft werde, die eine besonders hohe Priorität haben. Etwa 50 davon gebe es. Weitere etwa 200 gebe es mit einer etwas niedrigeren Dringlichkeit.

„Wir haben ein Brückenproblem in ganz Deutschland – nicht nur in Leer.“ Das liege vor allem daran, dass sowohl die Menge des Verkehrs, als auch die Menge und Masse der transportierten Güter als auch das Gewicht der einzelnen Fahrzeuge seit dem Bau der Brücken massiv gestiegen sei. Die Stadtringbrücke über die Bahn stammt aus dem Jahr 1955.

Ähnliche Artikel