Rückzug von Edeka in Aurich  Händler im Caro fürchten, dass ihnen die Kunden verloren gehen

Gabriele Boschbach
|
Von Gabriele Boschbach
| 05.12.2022 13:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Caro ist erst vor wenigen Jahren grundlegend saniert worden. Fotos: Ortgies
Der Caro ist erst vor wenigen Jahren grundlegend saniert worden. Fotos: Ortgies
Artikel teilen:

Die Ankündigung von Edeka, den Caro zu verlassen, weckt bei anderen Mietern Ängste. Die Suche nach einem Nachfolger scheint schwierig zu sein.

Aurich - Dienstagnachmittag Ende November im Caro. Das Auricher Einkaufszentrum ist gut besucht. In etlichen Läden ist so viel los, dass die Verkäuferinnen zu dritt hinter den Kassen stehen. Jetzt brummt das Geschäft. Viele erledigen Weihnachtseinkäufe. Doch was wird im Januar sein? Viele Händler befürchten, dass dann Katerstimmung einsetzt. Und das liegt nicht nur daran, dass die Bescherung vorbei ist. Weil der Edeka-Markt im Caro Ende des Jahres seine Türen schließt, sind viele verstimmt. Das hat eine Umfrage dieser Redaktion ergeben. Die Verärgerung hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen bricht für die Verkäufer ganz privat eine Möglichkeit weg, sich in der Pause oder vor Dienstbeginn mit Snacks oder Getränken zu versorgen. Zum anderen grassiert die Furcht, dass durch den Weggang von Edeka die Kunden-Frequenz sinkt.

Was und warum

Darum geht es: Bei Edeka im Caro gehen die Lichter aus.

Vor allem interessant für: Besucher des Einkaufszentrums am Fischteichweg

Deshalb berichten wir: In Aurich kursierten viele Gerüchte über die Motive für das Ende von Edeka. Die Redaktion hat deshalb vor Ort nachgefragt.

Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de

„Sehr viele Mitarbeiter des Landkreises, der Stadt sowie der umliegenden Behörden und Gerichte steuern mittags den Supermarkt an. Der ein oder andere flaniert dann vielleicht auch noch durch die anderen Stores. Das wird doch im nächsten Jahr ausbleiben“, befürchtet Lea Krämer. Die junge Frau arbeitet bei Zigaretten Niemeyer. Der in Bremen ansässige Händler für Tabakwaren und Presseartikel hatte sich während der Umbauphase vor fünf, sechs Jahren aus dem Center zurückgezogen, war dann aber zurückgekehrt. Man glaube an das Konzept, hieß es damals. Je mehr Mieter es in den 30 Ladenlokalen gebe, desto besser für den Umsatz des Einzelnen, lautete die Argumentation.

Der Caro verfügt über 30 Ladenlokale. Etwas mehr als 20 sind derzeit belegt.
Der Caro verfügt über 30 Ladenlokale. Etwas mehr als 20 sind derzeit belegt.

Es gab Gerüchte über eine Schließung

Jetzt geht ein sogenannter Ankermieter, also einer, der ein wichtiges Sortiment anbietet und viele Kunden anzieht. „Das ist sehr, sehr schade“, sagt Ralph Gievert, der im Caro eine Apotheke betreibt. Ein Lebensmittelanbieter gehöre einfach in ein Center dieser Größenordnung. Noch deutlicher formuliert es Sabine Akkermann. Die Mitarbeiterin der Buchhandelskette Thalia sagt im Gespräch mit dieser Zeitung: „In der Innenstadt muss es einfach einen Supermarkt geben.“ Dass Anfang Dezember ein Combi XL-Markt am Pferdemarkt eröffnet habe, sei keine Alternative: „Der Fußweg dahin ist für eine Mittagspause zu weit.“ Sie selbst wohne in der Innenstadt und habe immer im Edeka-Markt eingekauft. Gerüchte einer möglichen Schließung habe es bereits im April gegeben. Offiziell sei die Schließung erst Mitte November bei einer Edeka-Mitarbeiter-Versammlung mitgeteilt worden. TB Investments, der Betreiber des Centers, habe die anderen Mieter nicht darüber in Kenntnis gesetzt.

Heller, transparenter, moderner – der Caro ist optisch ein Anziehungspunkt.
Heller, transparenter, moderner – der Caro ist optisch ein Anziehungspunkt.

Die Thalia-Buchhandlung ist seit Oktober 2019 wieder mit einer Filiale im Caro vertreten – nach fast dreijähriger Abstinenz. Das Unternehmen war bis Anfang 2017 zunächst in ein Ladenlokal in der Fußgängerzone gezogen und hatte sich dann wieder Richtung Fischteichweg orientiert, und zwar wegen der negativen Entwicklung in der Innenstadt. So hatte der Thalia-Vertriebsdirektor den Umzug damals begründet. Die Schmuck-Boutique Bijou Brigitte ist seit der Eröffnung im Jahr 1983 im Einkaufszentrum vertreten. Das Personal dort bedauert die Entwicklung an der Lebensmittelfront ebenfalls. Von dem Ladenlokal aus kann man sehr gut die Kundenströme beobachten, die sich insbesondere mittags in den Markt drängen. „Es gab im Caro immer einen Lebensmittelmarkt“, sagt eine Verkäuferin von Bijou Brigitte, die namentlich nicht genannt werden will. Sie spielt darauf an, dass am Anfang unter anderem Real und Walmart dort einen Supermarkt betrieben haben. Das Lebensmittelsortiment war sehr umfangreich und auf zwei Etagen verfügbar. Seinerzeit hatte der Caro, der früher Carolinenhof hieß, eine sehr hohe Strahlkraft. Das Einkaufscenter war 1983 die erste Shopping-Mall in Ostfriesland und hat dadurch eine hohe Frequenz generiert.

Edeka-Markt war eine Ausnahme

Etliche Verkäuferinnen, mit denen die Redaktion gesprochen hat, zogen in Zweifel, dass die Umsätze bei Edeka während der Corona-Pandemie stark eingebrochen seien. Das war offiziell von dem Unternehmen als Grund für die Schließung genannt worden. Der Edeka-Markt ist einer der wenigen in Niedersachsen, die als sogenannter Regiebetrieb geführt werden, das heißt, dass er direkt von der Firmenzentrale in Minden betrieben wird. Die meisten Edeka-Märkte stehen unter der Leitung von selbstständigen Kaufleuten.

Was tritt an die Stelle von Edeka? Eine wiederholte offizielle Anfrage dieser Redaktion bei TB Investments blieb unbeantwortet. Ralph Gievert sagte allerdings im Gespräch mit dieser Zeitung, dass ein Vertreter des niederländischen Konzerns kürzlich bei einer Sitzung der Caro-Werbegemeinschaft gesagt habe, man suche nach einem angemessenen Ersatz und sei auch in Verhandlungen mit Interessenten. Es sei allerdings noch nichts spruchreif.

Ähnliche Artikel