Gastronomie  Emder Kult-Raucherkneipe Maxx hat einen neuen Besitzer

| | 05.12.2022 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mit gutem Gewissen übergibt Carola Weddermann, Leiterin des Maxx seit mehr als 20 Jahren, die Kultkneipe an Alexander Hasberg. Foto: Hanssen
Mit gutem Gewissen übergibt Carola Weddermann, Leiterin des Maxx seit mehr als 20 Jahren, die Kultkneipe an Alexander Hasberg. Foto: Hanssen
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Ab Januar schließt die Kultkneipe für den Umbau. Der neue Besitzer aus Jever bringt ein frisches Konzept mit - und kündigt schon die ersten Party-Termine an.

Emden - Die Stadt Emden ist bekannt für ihre Kneipen-Szene. Manch einer ist schon im „Gaststätten-Bermuda-Dreieck“ zwischen Kulisse, Bier-Kontor, Maxx und der Bottega versackt. Insbesondere in der Vorweihnachtszeit findet man im Gaststätten-Dreieck oft nur noch einen Stehplatz. Eine Kultkneipe wird sich ab Januar grundlegend ändern: Das Maxx hat einen neuen Besitzer. Alexander Hasberg ist seit rund 30 Jahren in der Gastronomie aktiv und hat vor acht Jahren gemeinsam mit seiner Frau Rebecca in Jever das Restaurant mit Bar „La Vie | Le Petit“ (in etwa: das Leben und das Kleine) eröffnet.

So sieht das „La Vie“ in Jever aus. Foto: Privat
So sieht das „La Vie“ in Jever aus. Foto: Privat

Das Konzept, das dort gut angenommen werde, wolle er nun auch in Emden umsetzen. Konkret bedeutet das: Das Maxx, das in Zukunft ebenfalls „La Vie | Le Petit“ heißen soll, schließt ab Januar für den Umbau. Alle Möbel kommen raus. In einen der Hinterräume wird die Küche eingebaut. Denn: Das neue „La Vie“, das im März eröffnen soll, wird zu einer Mischung aus Restaurant, Sportsbar und Livemusik-Location. Auf der Speisekarte werden unter anderem Steaks, Burger, Spare-Ribs, Tapas, Tacos und Burritos angeboten. Das Essen soll man sich auch nach Hause bestellen können. Neben den normalen alkoholischen Getränken soll es auch Cocktails geben. Ab 10 Uhr am Vormittag kann man dort auch Kaffee trinken und Snacks zu sich nehmen. Rauchen wird im Innenbereich nicht mehr erlaubt sein. Auf der Außen-Terrasse, die über Eck um den Laden verläuft und noch neue Möbel bekommt, wird das Rauchen möglich sein, sagt Alexander Hasberg.

Überzeugungsarbeit bei den Stammgästen

Dass das neue Konzept nicht allen passen wird, ist ihm klar. „Man kann nicht alle halten“, sagt der Unternehmer. Einen der Stammtische gibt es in der Kneipe, die vor 2000 noch die Gaststätte Friesenhof war, seit 1984, sagt Carola Weddermann. Ihr gehörte das Maxx. Einigen Stammgäste habe sie den Betreiber- und damit Konzeptwechsel schon „schmackhaft gemacht“, sagt sie. Sie gibt ihre Kneipe mit gutem Bauchgefühl ab, sagt sie. Geplant war der Verkauf eigentlich nicht. Alexander Hasberg aber hatte sie mit seinem Konzept überzeugt. „Wir haben immer gesagt, wenn wir einen vernünftigen Käufer finden, dann verkaufen wir auch“, sagt sie. Viele hätten schon angefragt, seien aber eher „konzeptlos um die Ecke gekommen“, sagt ihr Sohn Sascha Weddermann.

Wilhelma Onneken (von links) und Carola Weddermann haben seit Anbeginn im Maxx zusammen gearbeitet. Jetzt ist für beide die Zeit für etwas Neues gekommen. Alexander Hasberg hat ein klares Konzept für die Kultkneipe. Foto: Hanssen
Wilhelma Onneken (von links) und Carola Weddermann haben seit Anbeginn im Maxx zusammen gearbeitet. Jetzt ist für beide die Zeit für etwas Neues gekommen. Alexander Hasberg hat ein klares Konzept für die Kultkneipe. Foto: Hanssen

Jetzt möchte sie sich neu orientieren und in der Gastronomie beim Live-Musik-Center (LMC) in Hinte einsteigen. Das wird von Sascha Weddermann betrieben. An diesem Wochenende soll eine Personalversammlung der Maxx-Belegschaft stattfinden, sagt sie. Dann will sich der neue Chef vorstellen. Wie viele von den vorigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bleiben, wisse sie noch nicht. Sie geht von „halb halb“ aus. Klar ist: Ihre beste Freundin und langjährige Mitarbeiterin Wilhelma Onneken möchte ebenfalls etwas Neues ausprobieren. Alexander Hasberg hatte sich bewusst für das Maxx entschieden. „Wenn ich einen weiteren Laden eröffne, dann passt nur dieser hier“, sagt er. Früher habe er schon in Emden gewohnt und sich hier ein Netzwerk aufgebaut. Deswegen war in Ostfriesland die Seehafenstadt als perfekter Ort schon klar.

Bier-Geschäft allein reicht oft nicht mehr aus

Damit die Emderinnen und Emder das „La Vie“ schon vor offizieller Eröffnung kennenlernen können, möchte Alexander Hasberg zum traditionellen Pappnasenball im Februar eine Baustellen-Party veranstalten. Mit DJ und ein bisschen Dekoration im ansonsten leer geräumten Laden soll die „Wir möchten euch kennenlernen“-Sause starten. „Danach machen wir wieder zu, es wird tapeziert, der Boden und die Möbel kommen rein“, sagt er. Im März soll es dann die Eröffnungsfeier geben, zu der „alle kommen können, die wollen“, sagt er. Einige Events hat er dann schon im Blick: etwa zu Himmelfahrt oder der Konzertreihe „Summer in the City“ an der Westerems-Tonne.

2018 war der Pappnasenball im "Kneipen-Dreieck" wie immer gut besucht. Im Hintergrund sieht man die Kultkneipe "Maxx". Foto: Hillebrand/Archiv
2018 war der Pappnasenball im "Kneipen-Dreieck" wie immer gut besucht. Im Hintergrund sieht man die Kultkneipe "Maxx". Foto: Hillebrand/Archiv

Karl-Heinz Wittwer spricht auf Nachfrage positiv von dem neuen Konzept. „Ich glaube nicht, dass es nicht läuft“, sagt der 1. Vorsitzende des Kreisverbands des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Emden. „Im Restaurantbereich ist der Bedarf noch da“, sagt er. Es seien in Emden einige Hotels dazu gekommen, die keine Gastronomie hätten. Die Gäste würden also auswärts essen gehen wollen. In der Eckkneipe, in der das Maxx untergebracht ist, habe es sonst auch immer eine Küche gegeben, etwa als es noch der Friesenhof war, sagt er. Er stimmt Alexander Hasberg zu, dass ein reines „Glas-Bier-Geschäft“ nicht mehr funktioniert. Die meisten Unternehmer setzten auf „Mischgastronomie“.

Paulo (von rechts) und Lavi Alves haben das Konzept der vorigen Tapas-Bar verändert. Jetzt gibt es dort Waffeln und Crêpes. Hier sind sie mit Mitarbeiterin Marciane Lopes im neu gestalteten Geschäft abgebildet. Foto: Hanssen
Paulo (von rechts) und Lavi Alves haben das Konzept der vorigen Tapas-Bar verändert. Jetzt gibt es dort Waffeln und Crêpes. Hier sind sie mit Mitarbeiterin Marciane Lopes im neu gestalteten Geschäft abgebildet. Foto: Hanssen

Ein paar Häuser vom Maxx entfernt hat sich ebenfalls schon etwas verändert. Dort, wo Paulo und Lavi Alves etwa zwei Jahre lang bei ihrem Geschäft „Recanto 3“ unter anderem portugiesische Tapas angeboten haben, gibt es jetzt Waffeln und Crêpes unterschiedlicher Machart. Nach einigen Wochen Umbau hat das „Rialto Café und Co“ vor ein paar Tagen wieder eröffnet. Zwar seien die Tapas gut angekommen, sagt Paulo Alves im Gespräch. Doch die Kosten für die Lebensmittel, die aus Bremen kommen, seien aufgrund der gestiegenen Spritpreise einfach zu hoch geworden. Mit dem neuen Konzept wolle man nun auch stärker Familien und junge Menschen ansprechen.

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