Ehrenamt in Emden  Wie der Feuerschiffsverein Dutzende neue Mitglieder gewann

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 06.12.2022 09:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Emder Wahrzeichen „Deutsche Bucht/Amrumbank“. Archivfoto: Ortgies
Das Emder Wahrzeichen „Deutsche Bucht/Amrumbank“. Archivfoto: Ortgies
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Viele Vereine beklagen, dass Leute fehlen. Der Trägerverein des Emder Museumsfeuerschiffs wächst gegen den Trend und mitten in der Pandemie von rund 120 auf mehr 200 Mitglieder. Wie machen die das?

Emden - Jetzt, wo das Ziel tatsächlich erreicht wurde, gibt Heinz-Günter Buß seinen Bluff gerne zu: Ehrlich gesagt sei er ja „selber nicht so richtig überzeugt“ gewesen, dass es tatsächlich klappen könnte, sagt er grinsend. Buß ist Vorsitzender des Vereins „Museums-Feuerschiff ,Amrumbank/ Deutsche Bucht’“. Und was er meint, ist eine für viele - inklusive offenbar ihm selbst – etwas tollkühn klingende Ankündigung im Januar 2020. Damals hatte er auf der Jahreshauptversammlung die Losung ausgegeben, man solle jede Menge neue Mitglieder werben. Konkret: Aus seinerzeit weniger als 120 Mitgliedschaften sollten bis Jahresende 2022, also in knapp drei Jahren, 200 werden. Jetzt steht fest: Es hat funktioniert – aller Skepsis und allen Widrigkeiten, wie die einer Pandemie, zum Trotz.

Was und warum

Darum geht es: das Ehrenamt und Vereinsmitgliedschaften als Säule der Gesellschaft.

Vor allem interessant für: Vereinsvorstände

Deshalb berichten wir: der Trägerverein des Emder Museumsfeuerschiffs „Deutsche Bucht/Amrumbank“ hat die Redaktion eingeladen. An Bord des Schiffes wurde das 200. Mitglied vom Vorstand begrüßt.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Ende November begrüßte Buß an Bord des kernsanierten und leuchtend roten Wahrzeichens im Emder Ratsdelft die Mitglieder 199, 200 und 201: Bernhard Harms, Friedhelm Jakobs und Yasin Turan. „Das ist nicht selbstverständlich, lobt der Vorsitzende das Engagement der drei und ein bisschen auch sich selbst und seinen Verein. Denn tatsächlich beklagen viele Vereine zunehmende Probleme mit Überalterung und Mitgliederschwund.

Es winkt ein Essensgutschein

Dass sie beim Museumsfeuerschiff das Ruder herumgerissen haben und neben nennenswert vielen neuen auch etliche jüngere Mitglieder gewinnen konnten, erklärt Heinz-Günther Buß einerseits damit, dass sich alle gemeinsam auf dieses klare, messbare Ziel konzentriert hätten. Andererseits durfte die Werbung auch ein bisschen was kosten. Jedem Mitglied, dem es gelang, ein neues Mitglied dazu zu holen, winkte ein Essensgutschein für das Restaurant an Bord des Feuerschiffs.

Der Vorsitzende des Feuerschiffvereins, Heinz-Günther Buß (von links), begrüßt die neuen Mitglieder Bernhard Harms, Friedhelm Jakobs und Yasin Turan an Deck des Wahrzeichens. Foto: privat
Der Vorsitzende des Feuerschiffvereins, Heinz-Günther Buß (von links), begrüßt die neuen Mitglieder Bernhard Harms, Friedhelm Jakobs und Yasin Turan an Deck des Wahrzeichens. Foto: privat

Bernhard Harms, Friedhelm Jakobs und Yasin Turan hatten das Glück und bekamen zudem ein Begrüßungsgeschenk. Für Harms und Turan ist es ebenfalls ein Gutschein für das schwimmende Restaurant. Jakob, als offiziell 200. Mitglied, darf sich über einen Tagesfahrtgutschein freuen. Ihn hatte Buß höchstpersönlich zum Vereinseintritt bewegt. Wie Jakobs berichtet, kennen die beiden sich aus einem weiteren gemeinsamen Ehrenamt. Beide sind Teil einer Gruppe, die in den Sommermonaten regelmäßig mittwochs im Van-Ameren-Bad mit anpackt, Gehwege pflastert oder andere Reparaturen leistet. „Wir sind alles Typen, die gerne etwas machen“, sagt Friedhelm Jakobs.

„Man muss die Leute begeistern“

Auch deswegen habe er nicht lange überlegen müssen, als Buß ihn gefragt habe, ob er Mitglied in einem weiteren Verein werden wolle. „Ich habe es ihm zuliebe gemacht“, so der 58-Jährige, dessen Fähigkeiten als Schlosser und Schweißer an Bord des Schiffes besonders gefragt sein dürften.

Gefragt nach dem Rezept für ein funktionierendes Ehrenamt und für eine erfolgreiche Mitgliedergewinnung, sagt Jakobs: „Man muss die Leute begeistern und auf sie zugehen.“ Beim Museumsfeuerschiff scheint es gut zu klappen. Es bereite ihm eine große Freude, sich zu engagieren, so das neue Mitglied.

So erfolgreich der erste Anlauf des Vorstands auch war, mit neuen Zielen möchte Buß weder sich noch den Verein derzeit überfordern. Nach dem Kraftakt der Sanierung, den Wirren der Pandemie und den Anstrengungen der Mitgliedersuche wolle man sich jetzt ein bisschen ausruhen und genießen, sagt er. „Alles Weitere besprechen wir dann in der nächsten Jahreshauptversammlung“, sagt er.

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