Sperrung und Gewichtsbegrenzung So reagieren Handel und Wirtschaft auf die Stadtring-Probleme in Leer
Der Leeraner Stadtring bleibt vorerst gesperrt. Bei einer Öffnung wird er wie andere Brücken in der Stadt gewichtsbeschränkt bleiben. Das hat vielfältige Auswirkungen auf Unternehmen.
Leer - Der Stadtring bleibt dicht. Und selbst dann, wenn er mal geöffnet wird, wird eine Gewichtsbeschränkung von acht Tonnen bleiben. Das teilte Frank Buchholz, Leiter der Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr vor Kurzem mit.
Was und warum
Darum geht es: Noch ist der Stadtring gesperrt. Doch, wenn er geöffnet wird, wird er eine Gewichtsbeschränkung bekommen. Das gilt auch für andere Brücken in der Stadt. Eine Belastung für Handel und Wirtschaft?
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Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, wie Handel und Wirtschaft mit der Situation umgehen. Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Die Stadtringbrücke zwischen Spierkreuzung und Heisfelder Straße wird neben der Ledabrücke (12,5 Tonnen) und der Südringbrücke (30 Tonnen) die dritte wichtige Brücke mit Gewichtsbeschränkung in Leer sein. Das ruft gemischte Reaktionen hervor.
Handel sieht wenig Beeinträchtigungen
Man könnte nun vermuten, dass die ausgedehnte Sperrung und das generelle Verkehrschaos in der Ledastadt für den Handel eine Hiobsbotschaft darstellt. Gerade im aktuell laufenden Weihnachtsgeschäft. Dem ist allerdings nicht so. „Das Weihnachtsgeschäft läuft besser als wir befürchtet hatten. Die Situation entspannt sich etwas durch Maßnahmen wie den Energiepreisdeckel. Im Moment sind wir zuversichtlich, wenn wir auf das restliche Weihnachtsgeschäft gucken“, sagt Jan-Wilhelm Dörries von der Werbegemeinschaft.
Diese Zuversicht teilen auch die Schausteller, die derzeit den Leeraner Weihnachtsmarkt bestücken. „Es läuft gut. Im Schnitt ist es wieder wie 2019“, freut sich Dennis Eden, Sprecher des Vereins reisender Schausteller Ostfriesland. Das liege vor allem am Wetter in den letzten Tagen. „Wir haben Sonne und es ist kalt, richtig winterlich“, freut er sich. Das würde auch die Kunden auf den Weihnachtsmarkt locken.
Innenstadt bleibt erreichbar
Das unterstreicht auch Werbegemeinschaftssprecher Carsten Mohr: „Leer ist weiterhin erreichbar. Man braucht nur etwas länger.“ Dass das die Besucher aber kaum abhalte, merke er an den Parkplätzen, die immer gut ausgelastet seien. „Zum Feierabend sind die Straßen zwar voller, das war aber auch so, als es noch keine Sperrung gab“, sagt er.
Dennoch sei die derzeitige Situation nicht wünschenswert. „Es wurden zu viele Baustellen auf einmal angestoßen. So entspannt wie der Handel reagieren diejenigen, die für Waren oder Dienstleistungen auf die Straßen angewiesen sind, allerdings nicht. „Uns bricht nach und nach der Anschluss über die Straße weg. Das ist eine Katastrophe“, sagt Jochen Möller, Vorsitzender der Hafenwirtschaftsvereinigung Leer.
Belastung für Hafenanrainer
Die LKW müssten sich nun andere Wege suchen und es bleibe nur der Weg durch die Innenstadt oder über die Schleuse. „Die Zeiten sind schwer zu kalkulieren und wir reden von steigenden Transaktionskosten“, sagt er. Heißt: Es wird für die Unternehmen teurer und keiner weiß genau, wann georderte Ware ankommt. „Wir sind ein Seehafen und auf die Infrastruktur angewiesen. Die Zuwegung zum Hafen ist aktuell nicht attraktiv“, betont er.
Wenn man bei den Hafenanrainern wie etwa Hammerlit – ein Produzent für Logistikgeräte – direkt nachfragt, teilen diese die Bedenken der Hafenvereinigung. Rainer Franzen, Leiter der Logistik bei Hammerlit in Leer, sagte vor Kurzem, es sei nun schon „sehr unangenehm durch den Stadtverkehr zu fahren“. Das könne jetzt durch geballteren Lastenverkehr noch verstärkt werden, fürchtet er. Ob der Stadtring gesperrt oder gewichtsbeschränkt sei, ändere an der Lage nichts. „Unsere Zulieferer haben Probleme an uns heranzukommen. Sie stehen entweder im Stau oder vor der Südringbrücke“, sagt er nun. Oft müssten sie dann durch die Stadt, was für die Fahrer aufgrund der engen Verhältnisse unangenehm sei. Tatsächlich bedauere man bei Hammerlit rückblickend, nicht „auf die grüne Wiese“ abgewandert zu sein, so der Logistik-Leiter. „Wir haben aber gerade erst erweitert und investiert am Standort Leer.“
Per Schiene in den Hafen
Der Hafen ist jedoch nicht ausschließlich per LKW zu erreichen. Auch die Schiene spielt hier eine Rolle. „Natürlich ist es grundsätzlich gerade sehr lohnenswert, auf die Hafenbahn zu setzen. Nach unseren Einschätzungen hat die Verkehrssituation in Leer bislang wenig Einfluss auf den Umschlag unserer Hafenbahn gehabt“, sagt Stadtwerkesprecher Edgar Behrendt.
Nach aktuellem Stand werde es in etwa so sein, dass die Bahn den Vorjahresumschlag von rund 80.000 Tonnen auch in diesem Jahr wieder erreichen werde. „Das ist in Anbetracht der Gesamtsituation sicherlich positiv zu bewerten“, so Behrendt. Auch bei den Güterarten habe sich nichts geändert. Die Ladungen, die entweder angeliefert oder abtransportiert werden, bestehen hauptsächlich aus Schüttgütern, Splitten, Kiesen, Düngemitteln und Altmetallen.
Nachteile für Fahrschüler
Doch die Sperrungen und Gewichtsbegrenzungen haben auch Auswirkungen auf Fahrschüler. „Gewisse Stadtteile können wir aktuell nicht nutzen. Das ist für die Fahrschüler schon ein Nachteil. Aber die Zeit reicht einfach nicht, um die Umwege zu fahren“, sagt Sven Wahl, Fahrlehrer in Leer. So müssten einige Schüler zwei bis drei Fahrten mehr machen, als sonst.
Große Probleme gebe es auch für LKW-Fahrschüler. „Über den Südring dürfen wir nicht mit Anhänger. Da wäre der Stadtring gut. Aber, wenn der für LKW gesperrt wird, müssen wir weit außen rum“, sagt er. Auch hier ziehen sich Fahrstunden so in die Länge. Hinzu kämen die Staus, die auf den Strecken entstehen. „Wenn ich von Heisfelde zu der Fahrschule in Loga will, brauche ich eigentlich so sieben Minuten. Aktuell sind es gerne mal 30, da der ganze Verkehr durch den Logaer Weg läuft“, sagt er. Sein Fazit ist deshalb klar: „Die gesamte Verkehrspolitik ist erschreckend und viel hängt am Stadtring.“
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