Bauherrn werden prämiert  Emden führt die „Grüne Hausnummer“ fürs Energiesparen ein

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 07.12.2022 09:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Beispiel für eine grüne Hausnummer. Foto: Wikipedia
Beispiel für eine grüne Hausnummer. Foto: Wikipedia
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Hauseigentümer, deren Gebäude besonders energieeffizient gebaut oder saniert wurden, können eine Plakette erhalten. In der Emder Politik überwiegt aber Skepsis.

Emden - Hauseigentümer in Emden, die ihre Gebäude besonders energieeffizient gebaut oder saniert haben, können sich künftig auszeichnen lassen. Die Stadt will sich der Initiative „Grüne Hausnummer“ der Klimaschutz und Energieagentur Niedersachsen anschließen, bei der jährlich vorbildliche Wohnhäuser prämiert werden. Das hat der Ratsausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt einstimmig beschlossen, obwohl mehrere Politiker Zweifel an der Wirksamkeit dieser Kampagne haben.

Was und warum

Darum geht es: um eine Auszeichnung für besonders energiesparendes Bauen in Emden

Vor allem interessant für: Hauseigentümer in Emden und Leute, die sich für den sparsamen Umgang mit Energie interessieren

Deshalb berichten wir: Die Stadt Emden will sich an der Initiative „Grüne Hausnummer“ des Landes Niedersachsen beteiligen. Das wurde in einem Ratsausschuss bekannt. Die Redaktion hat die Sitzung verfolgt.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Die Klimaschutz- und Energieagentur, eine Einrichtung des Landes, hat die Messlatte hoch gelegt. Denn die gläserne Plakette mit der „Grünen Hausnummer“ erhalten nur Bauherren, deren Neubauten mindestens als Effizienzhaus 40 fertiggestellt wurden. Für Sanierungen gelten andere Kriterien. Bestandsgebäude müssen demnach einen KfW-Effizienzhausstandard erfüllen oder mit KfW-Einzelmaßnahmen saniert worden sein.

Ostfriesland ist „noch etwas unterrepräsentiert“

Im Ausschuss unterstrich Jann Gerdes, Klimaschutzmanager der Stadt, die Vorbildfunktion der „Grünen Hausnummer“. Damit sollten gute Projekte bekannt gemacht werden. Ostfriesland sei bei dieser im Herbst 2015 gestarteten Initiative „noch etwas unterrepräsentiert“ so Gerdes. In der Region beteiligt sich bislang nur der Landkreis Aurich daran.

Laut Gerdes nehmen mittlerweile 24 Regionen in Niedersachsen teil. Im ganzen Land hängen mehr als 1500 gläserne Schilder mit der „Grünen Hausnummer“. Im Landkreis Aurich sind in den vergangenen beiden Jahren 21 Wohnhäuser prämiert worden.

Emder Bauherren melden Interesse an

Auch in Emden gibt es offenbar Interesse von Bauherren an der „Grünen Hausnummer“. „Wir sind schon direkt darauf angesprochen worden“, sagte Stadtbaurätin Irina Krantz. Mit der Kampagne komme man auch den Zielen im Baugebiet Conrebbersweg-West stark entgegen. In diesem geplanten Viertel sollen Bauherren komplett ohne fossile Wärmetechnik auskommen.

Sprecher mehrerer Fraktionen und Gruppen im Fachausschuss des Rates begrüßten die Initiative zwar grundsätzlich, äußerten sich zugleich aber auch skeptisch mit Blick auf die Effekte. Grünen-Ratsmitglied Christian Nützel wies darauf hin, dass sich ein Effizienzhaus kaum jemand leisten könne. „Nur die Betuchten werden belohnt“, bemängelte er. Wichtiger als die Plakette sei es, „das Handeln des Bürgers in den Fokus zu nehmen“. Die Initiative für die „Grüne Hausnummer“ sei zwar gut, verfehle am Ende aber möglicherweise ihr Ziel, so Nützel.

Politiker: Es ist zu teuer

Ähnlich äußerte sich SPD-Fraktionsvize Harald Hemken. Er schloss aus, den Standard KfW 40 bei Neubauten angesichts der aktuellen Baupreise derzeit umsetzen zu können. Das gelte auch für die Sanierung von Bestandswohnungen, zumal die öffentlichen Förderungen zu gering seien.

In seiner Eigenschaft als Vorstand der Emder Wohnungsbau-Genossenschaft Selbsthilfe rechnete Hemken vor, dass eine energetische Sanierung der 1200 Wohnungen im Bestand der Genossenschaft angesichts der aktuellen Baukosten sowie des Mangels an Materialien und freien Kapazitäten der Handwerksbetriebe derzeit unmöglich sei.

Der zuständige Fachbereichsleiter der Stadt, Rainer Kinzel, bot Hemken in Sachen Selbsthilfe Unterstützung bei der Suche nach Lösungen für Pilotprojekte an. Er warb zugleich für die „Grüne Hausnummer“. Kinzel betonte, dass der Klimaschutz für die Stadt „einen hohen Stellenwert“ habe. Er verwies unter anderem auf die energetischen Beratungen und Sanierungsprogramme in den Stadtteilen Port Arthur/Transvaal, Borssum und in der Innenstadt.

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