Sandwich-Schmiede in Wiesmoor  „Strandstulle“ in schwerer See – Gespräche nach Insolvenzantrag

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 09.12.2022 09:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Für die „Strandstulle“-Filiale in Wiesmoor wird ein neuer Betreiber gesucht. Foto: Schönig
Für die „Strandstulle“-Filiale in Wiesmoor wird ein neuer Betreiber gesucht. Foto: Schönig
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Seit Kurzem werden neue Betreiber für die „Strandstulle“-Filiale in Wiesmoor gesucht. Doch es wird auch ein neues Modell für die Dachmarke gesucht, denn die ist pleite.

Wiesmoor/Norden - Wenn man so will, ist die „Strandstulle“ so etwas wie die ostfriesische Antwort auf den Sandwich-Marktriesen Subway. Wo sich beim US-Konzern Kunden ihr „Sub“ aus verschiedenen Brot-Sorten, Salat, Füllungen und Saucen selbst kombinieren und zusammenstellen können, können Kunden dies auch beim kleinen hiesigen Unternehmen, nur dass die gefüllten Brote „Stulle“ heißen. Ein knappes Dutzend Imbisse firmieren unter der Marke „Strandstulle“ im Nordwesten. Einer davon war seit 2019 an der Hauptstraße in Wiesmoor ein beliebter Anlaufpunkt für Hungrige. Nachdem es zuletzt schon einmal zu einem Betreiberwechsel gekommen war, ist der Imbiss derzeit geschlossen. Seit Mitte November wird über Facebook, wie auch über eBay-Kleinanzeigen ein neuer Betreiber für die „Sandwich-Manufaktur“ gesucht. „Unsere Strandstulle Wiesmoor wird dein neues Glück“, heißt es da.

Die Standorte selbst sind wirtschaftlich unabhängig – 2016 eröffnete der erste auf Norderney. Danach „kamen auch das Festland und weitere Inseln auf den Stullengeschmack“, heißt es vom Unternehmen und es eröffneten Schnellrestaurants der Marke in Norden, auf Borkum, in Papenburg, Westerstede, Bad Zwischenahn, Horumersiel, Wilhelmshaven, Meppen, Ahaus und Rheine. Die Dachgesellschaft „Strandstulle UG“ mit Sitz in Norden ist allerdings finanziell in schwere See geraten, Geschäftsführer Fabian Klug hat am 30. November den Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Aurich gestellt. Auch wenn das Unternehmen auf Instagram sogar bereits Expansionspläne öffentlich gemacht und Betreiber für zahlreiche weitere Standorte im Nordwesten gesucht hat, unter anderem Emden und Rhauderfehn. Zur vorläufigen Insolvenzverwalterin wurde die Rechtsanwältin Jennifer Metzler bestellt, die zur Kanzlei des Bremer Insolvenzverwalters Uwe Kuhmann gehört.

Gespräche über die Fortführung laufen

Ähnlich wie bei Subway, McDonalds, Burger King oder anderen Ketten der Systemgastronomie funktioniert auch „Strandstulle“ als Franchise-System. Das heißt, die Imbiss-Betreiber übernehmen eigenwirtschaftlich und bei eigenen Freiheiten ein fertig ausgearbeitetes Gastronomie-Konzept samt Speisen, Rezepturen, Erscheinungsbild, Gestaltung, zentralem Marketing und weiteren Regeln, etwa zu Reinigung und Hygiene oder Kleidung des Personals. Dafür entrichten sie eine Gebühr an den Franchise-Geber, in diesem Fall die „Strandstulle UG“ in Norden. Und die ist nicht zuletzt infolge der Corona-Lockdowns in schwere See geraten, wie Metzler als vorläufige Insolvenzverwaltung sagt. „Corona war eins der Hauptprobleme, weil in der Zeit zum Teil infolge von Schließzeiten fehlenden Umsätzen auch keine Franchisegebühren bezahlt worden sind.“

Die „Strandstulle“-Verantwortlichen hätten generell viel Herzblut investiert in ihre Marke, die beliebt sei, und in das Franchise-System. Darauf könne man aufbauen und das könne man weiter ausbauen, sagte die vorläufige Insolvenzverwalterin. „Stullenliebe verwirklichen“ nennen die Verantwortlichen das Eröffnen solcher Standorte. Nun werden im vorläufigen Insolvenzverfahren klassischerweise Investoren gesucht, die betroffene Betriebe oder einzelne Standorte übernehmen und fortführen. Vergleichbar laufe es auch für die „Strandstulle“-Dachgesellschaft, sagt Metzler. „Die Fortführung auch über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens hinaus ist absolut beabsichtigt und geplant, und an den wirtschaftlich voneinander unabhängigen Standorten selbst läuft das Geschäft ja auch jetzt unverändert weiter“, sagte sie. „Es laufen jetzt aktuell Gespräche unter den Beteiligten, um an einer tragfähigen Lösung zu arbeiten, die den Weiterbetrieb ermöglicht und zugleich gewährleistet, dass keiner der Betriebe schließen muss.“

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