Im Gespräch  War’s das jetzt mit Spillwark, Herr Wagenaar?

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 09.12.2022 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Der Musiker und Moderator Edzard Wagenaar ließ sich von der Emder Friseurmeisterin Doris Frericks schon einmal seine Kunsthaarvariationen für die Auftritte der "Weihnachtsbande" in Fasson bringen. Foto: privat
Der Musiker und Moderator Edzard Wagenaar ließ sich von der Emder Friseurmeisterin Doris Frericks schon einmal seine Kunsthaarvariationen für die Auftritte der "Weihnachtsbande" in Fasson bringen. Foto: privat
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Der Mitbegründer und Frontmann von Spillwark, Edzard Wagenaar, äußert sich zur aktuellen Situation und zur Zukunft der Emder Kult-Band. Er kündigt auch das Comeback eines Musicals an.

Emden - Nach einer Pause von drei Jahren gibt die „Weihnachtsbande“ an diesem Sonnabend das erste von fünf ausverkauften Konzerten in der Neuen Kirche in Emden. Auf der Bühne werden auch fünf Musiker der Emder Kult-Band Spillwark stehen. Diese „älteste Boy-Group der Stadt“, wie sie sich selbst nennt, feiert in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag. Ist dieses Jubiläum zugleich auch das Ende von Spillwark? Unsere Redaktion hat mit Edzard Wagenaar, Mitbegründer und Frontmann der Gruppe, über die Situation und die mögliche Zukunft der Gruppe gesprochen.

Frage: Spillwark wurde vor 40 Jahren gegründet. Ist dieser runde Geburtstag gleichzeitig das Ende dieser Kult-Band?

Edzard Wagenaar: Ich würde mal sagen, dass es da gar kein richtiges Ende gibt und je geben wird. Spillwark war ja schon lange nicht mehr eine tourende Band und so richtig „im Saft“. Als einzig verbliebene Verbindung zwischen uns Bandmitgliedern dienten in den letzten 20 Jahren eigentlich nur noch die Weihnachtskonzerte in Emden, erst im Neuen Theater und irgendwann dann in der Neuen Kirche.

Dabei stand dann auch zunehmend die Gestaltung weihnachtlicher Atmosphäre anstelle der Präsentation von Bandrepertoire im Mittelpunkt. Und da es ja irgendwann auch gar kein neues gemeinsames Material mehr gab, wurden die Konzerte immer mehr zu einer Mischung aus Klassikern der Bandgeschichte und weihnachtlichem Liedgut.

Ab 2015 ist die Tradition der Weihnachtskonzerte dann von der „Neue Kirche Weihnachtsbande“ – wo ja inzwischen fünf Spillwarker aktiv sind – aufgenommen und fortgeführt worden. Und in dieser Transformation ist dann schlussendlich auch ein prägender Teil des musikalischen Spillwark-Erbes aufgegangen.

Frage: Die Spillwark-Anhänger dürften dennoch einigermaßen verwirrt sein. Im September hatten eure Mitstreiter Urmel und Wolfgang Meyering beim Lüttje-Welt-Festival auf dem Stephansplatz angekündigt, es sei die letzte Gelegenheit, Musiker von Spillwark live zu erleben. Die Band befinde sich „in der Schwebe“ und es gebe „keine Perspektive mehr“, hieß es damals. Vom „stückweiten Ende einer Ära“ war ebenfalls die Rede. Jetzt stehen bei den Konzerten der „Weihnachtsbande“ in der Neuen Kirche wieder fünf Spillwark-Musiker auf der Bühne, der “tragende Teil“ von Spillwark, wie es in der Ankündigung heißt. Also noch ein Abschied? Oder ist es gar ein Neuanfang?

Wagenaar: Zugegeben, die Ankündigung dieser „letzten Gelegenheit“ hat uns Übrige wohl gleichermaßen überrascht wie das Publikum im September auf dem Stephansplatz. Auch weil im Januar die Idee für ein gemeinsames Jubiläumskonzert in kleinem Rahmen in der Urbesetzung aufkam, die auf die breite Zustimmung aller Bandmitglieder gestoßen war – mit Ausnahme eben von Urmel und Wolfgang, die aber ja da schon andere Pläne für dieses Jahr zu verfolgen schienen.

Bei der Bekanntgabe des Auftritts von „Meyering & Meyering“ als „letztes Spillwark-Konzert“ auf dem Stephanplatz haben wir übrige Bandmitglieder uns darauf verständigt, die dort geäußerten Zustandsbeschreibungen der Band von „Schwebe“, „fehlender Perspektive“ und dem „stückweise Ende einer Ära“ nicht weiter öffentlich zu kommentieren, sondern schlicht und einfach zur Kenntnis zu nehmen und uns den Vorbereitungen für unsere Weihnachtsbanden-Konzerte in der Neuen Kirche zuzuwenden. Also weder Abschied noch Neubeginn, sondern einfach ignorieren und weitermachen.

Frage: Das alles klingt sehr danach, dass sich ein tiefer Riss durch die Band zieht. Die Meyering-Brüder auf der einen, Edzard Wagenaar & Co. auf der anderen Seite. Wie ist es zum Bruch gekommen? Und: Lässt er sich noch kitten?

Wagenaar: Das ist hier ja kein Bruch, sondern quasi ein „Herauswachsen“ aus vielleicht langjährigen gemeinsamen, aber eben auch sich überlebten Bandstrukturen. Und von daher muss ja auch hier nichts gekittet werden, sondern man darf dankbar zurückschauen auf lange, gemeinsame Jahre und ein großes gemeinsam entwickeltes Repertoire, das jetzt in anderer Form und Zusammensetzung fortgeschrieben wird.

Auch Musiker ändern sich über die Jahre und Jahrzehnte und mit ihnen auch ihre musikalische Vorlieben und Ambitionen. Und so ist es hier ja gewesen. Eine Band wie Spillwark, deren Mitglieder in ganz Deutschland verstreut leben und arbeiten, braucht trotz langer gemeinsamer Jahre schon ein hohes Maß an künstlerischer Übereinstimmung und „Spirit“, um mit der nur wenig zur Verfügung stehenden Probenzeit ein qualitativ hochwertiges Programm präsentieren zu können.

Und wenn man dieser zentralen Anforderung nicht mehr gerecht werden kann, dann lässt man in der Besetzung lieber die Finger von so etwas wie den Weihnachtskonzerten in der Neuen Kirche. Denn da kommen immerhin 2000 Leute hin, die für ihr Eintrittsgeld einen gleichermaßen perfekten wie berührenden Abend erleben wollen. Da hängt der Hammer eben höher als bei einem sommerlichen Sonntagsvergnügen „Umsonst und draußen“ mit Bierausschank im Grünen – was wir ja für unsere Jubiläumsfeier in diesem Jahr ins Auge gefasst hatten und wofür die Kultursommerbühne auf dem Stephansplatz der ideale Ort gewesen wäre.

Frage: Das Programm der „Weihnachtsbande“ lässt Insider aufhorchen. „Endlick weer mal Wiehnachten to huus“ ist es überschrieben. Das erinnert doch sehr an Weihnachtsklassiker aus dem Repertoire von Spillwark. Kann man hinter der Wahl dieses Titels etwa Absicht vermuten? Ist es vielleicht auch die gezielte Antwort auf den angekündigten Abschied im September?

Wagenaar: Donnerwetter, das ist aber dreimal spitzfindig um die Ecke gedacht. Also … Die Weihnachtskonzerte in der Neuen Kirche firmieren schon seit Jahren unter dem Titel „Wiehnachten to huus“. Und weil wir uns als Band so freuen, nach drei Jahren endlich wieder live mit Publikum spielen zu dürfen, haben wir den üblichen Titel um die genannte plattdeutsche Phrase ergänzt. So ist das zustande gekommen. „Jan Rasmus haut mit platte Hand“-Weihnachtskonzerte in der Neuen Kirche – da wären derlei Spekulationen vielleicht angebracht. Hier aber keinesfalls.

Die „Weihnachtbande“ bei den Proben für die Konzerte in der Neuen Kirche: (von links) Edzard Wagenaar, Volker Leiß, Ernst Poets, Djürko Züchner, Oliver Jüchems, Marek Müller, Marc Stünkel und Piet Meyer. Foto: privat
Die „Weihnachtbande“ bei den Proben für die Konzerte in der Neuen Kirche: (von links) Edzard Wagenaar, Volker Leiß, Ernst Poets, Djürko Züchner, Oliver Jüchems, Marek Müller, Marc Stünkel und Piet Meyer. Foto: privat

Frage: Ist die „Weihnachtsbande“ vielleicht die legitimierte Nachfolgerin von Spillwark?

Wagenaar: Nochmal – es gibt keine Nachfolgerin, weil ja niemand weg ist, sondern die Dinge sich nur transformieren und ineinander über- und aufgehen. Für uns als Weihnachtsbande steht das Rubrum „Weihnachtskonzerte in der Neuen Kirche“ im Fokus. Mit erstklassiger Livemusik, viel Lokalkolorit, Glühwein und Käsestangen vom Bauverein und einer einzigartigen „Ur-Emder“-Atmosphäre. Ob Spillwark oder Weihnachtbande oder was und wer auch immer: Das war so, das ist so und das bleibt so!

Und mit unseren beiden „Frontmännern“ Olli Jüchems und Marc Stünkel sowie Schlagzeuger Marek Müller haben wir altgediente „Weihnachtskonzert-Veteranen“ drei virtuose Aktivposten hinzubekommen, die auf ganz eigene Art und Weise ihre Akzente im Programm setzen und für vielfältiges neues Repertoire gesorgt haben.

Die perfekte Weiterentwicklung eines etablierten Formats also, die mit unserem alten „Spillwark-Leisetöner“ Ernst Poets an der Concertina in diesem Jahr nochmal eine grandiose Aufwertung erfährt. Und wer weiß denn, was uns für die kommenden Jahre noch alles einfällt, um die Neue Kirche zu dem vorweihnachtlichen Treffpunkt und Erlebnisort für die Emderinnen und Emder zu machen.

Frage: Spillwark hat in den vergangenen Jahrzehnten ein Kapitel Emder Kultur- und Musikgeschichte geschrieben. Das Weihnachtsmusical Lükko Leuchtturm hat schon Generationen begeistert, und die Musik aus diesem Musical gehört mittlerweile für viele Familien zum festen Bestandteil der Weihnachtszeit. Blickt ihr nicht auch mit Wehmut zurück?

Wagenaar: Für Wehmut gibt es ja auch hier gar keinen Anlass. Gerade in der Vorweihnachtszeit bekommen wir ja unheimlich viele Nachfragen nach CDs, Noten und sonstigen Lükko-Asservaten und versuchen in jedem Falle, all diesen Nachfragen nachzukommen, auch weil es so schön ist, mitzubekommen, dass Lükko zu Weihnachten in Emden und Ostfriesland lebendig ist und bleibt.

Wir haben auch gerade eine vielversprechende Anfrage von einer jungen theaterbegeisterten Mannschaft bekommen, die Interesse hat, unseren Weihnachtsklassiker im kommenden Jahr wieder in Emden auf die Bühne zu bringen. Die Dinge sind und bleiben also auch hier in Bewegung und das freut uns und unsere langjährigen Mitstreiter natürlich sehr.

Frage: Wer Edzard Wagenaar kennt, weiß, dass er bei den Konzerten der Weihnachtsbande sicher auch etwas über Spillwark, das mögliche Ende oder einen Neuanfang sagen wird – möglicherweise auch verklausuliert. Welche Worte hat er sich dafür zurechtgelegt?

Wagenaar: Herr Müller! Der ausgetragene Smoking von Willi Brüning ist zurechtgelegt, ebenso meine Melodica und die blonde und schwarze Kunsthaartracht - so viel werde ich verraten. Mehr aber auch nicht.

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