Stadt stellt neue Sanierungspläne vor Emder Trogstrecke wird zur Experimentier-Baustelle
Die Trogstrecke in Emden wird mit einem noch unerprobten Verfahren zu Ende saniert. Wie lange es dauert, wie teuer es wird, kann die Stadt nicht sagen. Die gute Nachricht: Der Verkehr soll fließen.
Emden - Es gibt dankbarere Themen für eine Stadtbaurätin als die Emder Trogstrecke. Seit Jahren und schon lange vor dem Amtsantritt von Irina Krantz, lastet die Sanierung der Hauptverkehrsschlagader schwer auf den Verantwortlichen. Die Kosten ufern aus, sämtliche bisherigen Zeitpläne waren Makulatur und je intensiver man sich mit der Grundsubstanz des Bauwerks beschäftigt, desto mehr müssen die Beteiligten einsehen, dass es so besser gar nicht erst hätte gebaut werden dürfen. Doch die Fehler von einst sind rechtlich gesehen schon längst verjährt. Und weil es „keine Alternative“ gebe, so Krantz, als das Schlechte irgendwie zu einem guten Ende zu bringen, geht es eben weiter – immer weiter.
Was und warum
Darum geht es: eine Dauerbaustelle in Emden, die auf vielen Seiten reichlich Frust hervorruft
Vor allem interessant für: alle, die auf freie Fahrt auf der Trogstrecke angewiesen sind und wissen wollen, wie es dort jetzt weitergeht
Deshalb berichten wir: Die Stadt hatte für Donnerstag zu einer Informations-Pressekonferenz eingeladen. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Am Donnerstag saß die Stadtbaurätin – mal wieder – an der Seite von Ingenieuren, Planern und Fachleuten vom städtischen Straßenbau-Betrieb BEE in einem Container-Büro an der Dauerbaustelle. Die Öffentlichkeit sollte über den Stand der Dinge informiert werden. Mittlerweile sind die Verantwortlichen übervorsichtig geworden. Mit Rücksicht auf genervte Anlieger, kopfschüttelnde Verkehrsteilnehmer und skeptische Ratsmitglieder wird über jeden Zwischenschritt eine Art Rechenschaftsbericht abgelegt. Und um sich ja nicht mehr angreifbar zu machen bei einem Projekt, bei dem es schon lange keine Lorbeeren mehr zu ernten gibt, hält man sich mit Verbindlichkeiten am liebsten zurück. „Dass es nicht läuft, wie wir das gerne hätten, ist ja nichts Neues“, sagte die Pressesprecherin der Stadt, Theda Eilers, gleich zu Beginn.
Der Trog soll möglichst befahrbar bleiben
In der Summe brachte die große Runde im kleinen Container dann auch relativ wenig Greifbares. Die Kurzfassung lautet: Man hat ein Verfahren gefunden, mit dem die angefangene Sanierung zu Ende gebracht wird. Jetzt soll es an die Detailplanung gehen. Im Frühjahr soll es losgehen. Wichtig: Der Verkehr soll während der weiteren Bautätigkeit fließen können – mit möglichst wenigen Unterbrechungen und weiterhin im Schneckentempo. Und dann noch: Wie lange weiterhin gebaut und wie viel teurer es voraussichtlich wird, könne man derzeit nicht sagen, auch nicht ungefähr, hieß es von Seiten der Stadt. Dafür sei zu vieles noch viel zu unklar, so die Begründung.
Federführend für den Fortgang ist und bleibt das Ingenieurbüro Grassl. Dessen Vertreter Michael Borowski erklärte, wie man den Gesetzen der Physik und dem eindringenden Wasser im Trog nun technisch die Stirn bieten will. Zur Erinnerung: Alle bisherigen Versuche, die Betonschalen und deren Zwischennähte zuzuspritzen oder anderweitig abzudichten, erwiesen sich als unzureichend. Zuletzt warf eine frisch aufgetragene Asphaltdecke Blasen auf, weil sich selbst durch geringste Wassereintragungen darunter Hohlräume im Asphalt bildeten, die sich in der Sonne ausdehnten und die Strecke in eine kleine Buckelpiste verwandelten.
„Es ist keine erprobte Bauweise“
Wie Michael Borowski schilderte, habe man sich entschieden, künftig mit dem und nicht mehr gegen das Wasser zu arbeiten. Dafür wird auf die Betonschale des Trogs eine wellenförmige Drainageschicht gebracht, mit der sich Wasser sammeln und kontrolliert leiten lässt – so weit die Theorie. Denn getestet worden ist dieses Verfahren dem Ingenieur zufolge noch nicht. „Es ist keine erprobte Bauweise“, sagte er. Auch deswegen seien Aussagen zu den Kosten und der Dauer der Baustelle schlecht möglich. Fest steht dagegen, dass der Verkehr künftig nicht über dunklen Asphalt, sondern über eine abschließende Schicht aus Betonplatten rollen soll.
Zum Ende machte Irina Krantz noch einmal deutlich, dass man keine Wahl habe, als dieser Lösung zu vertrauen und diesen Weg weiter zu beschreiten. „Wir können den Trog nicht zuschütten, wir können ihn auch nicht abreißen und neu bauen“, sagte die Stadtbaurätin. Stattdessen wird saniert. Und voraussichtlich im Frühjahr gibt es die nächste Info-Veranstaltung. Bis dahin soll etwas klarer abzusehen sein, welche Zusatzkosten beim ursprünglich auf 5,5 Millionen Euro taxierten Projekt auf die Stadt zukommen und außerdem. wie lange die seit Juli 2020 bestehende Baustelle noch bleibt.
Die neuesten Probleme an der Emder Trogstrecke sind gelöst
Noch keine Lösung für Probleme an der Emder Trogstrecke
Soll die Emder Trogstrecke wieder zugeschüttet werden?