Prozessauftakt vor dem Landgericht 74-Jähriger soll Heimbewohnerinnen missbraucht haben
Wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs in acht Fällen steht seit Freitag ein 74 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Aurich. Er soll über Mitbewohnerinnen bei der Lebenshilfe Leer hergefallen sein.
Aurich/Leer - Ein 74 Jahre alter Mann aus Leer muss sich wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs in acht Fällen vor dem Landgericht Aurich verantworten. Ob der Beschuldigte sich seiner Taten wirklich bewusst ist, blieb beim Prozessauftakt am Freitag offen. Der 74-Jährige soll seine Taten in einem Zustand verminderter Zurechnungsfähigkeit begangen haben. Der Angeklagte ist zurzeit im Landeskrankenhaus für Psychiatrie Wehnen untergebracht und wurde von dort am Freitag direkt dem Gericht vorgeführt.
Zu Beginn begrüßte der Vorsitzende Richter Michael Hermann den Angeklagten mit freundlichen Worten: „Wie geht’s Ihnen denn heute?“ „Ganz gut“, sagte der 74-Jährige. Der Richter darauf: „Das ist doch prima – alle hier im Gerichtssaal wollen sich mit Ihnen beschäftigen und Gedanken darüber machen, was am besten für Sie ist.“
„Sie sollen ein bisschen böse gewesen sein“
Der Richter setzte hinzu: „Sie sollen ein bisschen böse gewesen sein, das müssen wir jetzt aufklären.“ Sodann verlas der Staatsanwalt die Anklagepunkte mit den schweren Straftaten, die sich zwischen Dezember 2020 und März 2022 zugetragen haben sollen.
Der gelernte Gärtner lebte damals in einer Wohngruppe der Lebenshilfe Leer. Und dort soll er in acht Fällen über Mitbewohnerinnen hergefallen sein.
Mitbewohnerin heftig mit Faustschlägen traktiert
So soll er eine 30 Jahre jüngere Frau in eine Toilette gedrängt und zu sexuellen Handlungen wie Oralverkehr gezwungen haben. Eine 78-jährige Mitbewohnerin soll er heftig mit Faustschlägen traktiert haben – die Frau trug laut Anklage schwere Hämatome am ganzen Körper davon. So erging es auch einer 79-jährigen Heimbewohnerin. Weitere Frauen soll der Mann zum Beischlaf gezwungen, sprich vergewaltigt haben. Mehrere Angegriffene seien im Intimbereich verletzt worden.
Der 74-jährige Angeklagte verfolgte das Ganze ohne große Regung. Mit der Anklageverlesung war der erste Termin schnell wieder beendet. Der Prozess vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Aurich wird am 3. Januar fortgesetzt; dann sollen auch erste Zeugen gehört werden. Es wird dann unter anderem darum gehen, ob der 74-Jährige auf Dauer in die Psychiatrie eingewiesen wird.