Grünes Licht für Café Extrablatt  Auricher Markthalle – vom Schandfleck zum Hotspot

| | 09.12.2022 18:10 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Momentan ist die Markthalle (im Hintergrund) von Weihnachtsmarktbuden umringt und fällt nicht weiter auf. Foto: Ortgies
Momentan ist die Markthalle (im Hintergrund) von Weihnachtsmarktbuden umringt und fällt nicht weiter auf. Foto: Ortgies
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Aus der Auricher Markthalle soll bis Ende 2023 ein Standort des Cafés Extrablatt werden. Es wäre der dritte in Ostfriesland. Doch die Kritik reißt nicht ab.

Aurich - Vom Schandfleck zum Hotspot: Aus der leerstehenden Auricher Markthalle soll ein Standort des Cafés Extrablatt werden. Der Bauausschuss des Auricher Rates hat sich am Donnerstagabend bei zwei Gegenstimmen dafür ausgesprochen, das Gebäude auf dem Marktplatz für zehn Jahre an die CE Franchise GmbH aus Emsdetten (Nordrhein-Westfalen) zu verpachten – mit einer dreifachen Verlängerungsoption von jeweils fünf Jahren. Die Entscheidung fällt kommende Woche Donnerstag im Rat.

Die CE Franchise GmbH betreibt bundesweit mehr als 100 Standorte des Cafés Extrablatt, unter anderem in Leer und auf Norderney. Sie bezeichnet das Café als „unkomplizierte Ganztages-Kneipen-Gastronomie mit Niveau“. Das Unternehmen ist auf Expansionskurs. Für Kleinstädte ab 35.000 Einwohnern sucht es laut Homepage „repräsentative Objekte an öffentlichen Plätzen mit großer Außenterrasse“.

Stadt investiert zwei Millionen Euro

Die Stadtverwaltung hat mit dem Interessenten ein Konzept erarbeitet. Demnach muss die Stadt zwei Millionen Euro in die Sanierung und den Umbau des 900 Quadratmeter großen Gebäudes investieren. Allein 220.000 Euro entfallen auf den Bau einer behindertengerechten Toilette und einer gesicherten Fahrradabstellanlage. Die CE Franchise GmbH würde 1,4 Millionen Euro in den Innenausbau und die Ausstattung investieren. Sie will das neue Café Ende 2023 eröffnen. Die Stadt würde jährlich 90.000 Euro Pacht plus Mehrwertsteuer kassieren.

Bereits am 7. November hatte CE-Manager Carsten Dreyer die Pläne der Politik vorgestellt, allerdings im stets nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss. In der öffentlichen Sitzung am Donnerstag war Dreyer nicht dabei. Das Konzept wurde von den meisten Ausschussmitgliedern gelobt, nur die Grünen und die Linke sind dagegen. Sie fordern einen Abriss der Markthalle. Sie blockiere die Entwicklung des Marktplatzes und mache den Wochenmarkt kaputt. Reinhard Warmulla (Die Linke) kritisierte zudem die fehlende Öffnung zur Nordseite hin. Deren Hinterhofcharakter werde noch verstärkt. Die Norderstraße werde „endgültig abgeklemmt“.

„Wir haben das in der Hand“

Der FDP-Ratsherr Arno Fecht ist selbst Gastronom. Trotz der neuen Konkurrenz freut er sich über das Interesse des Investors. „Gastronomisch wäre Extrablatt für Aurich eine Bereicherung“, sagte Fecht. Es dürfe allerdings nicht passieren, dass das Café den ganzen Marktplatz für sich beanspruche.

CE-Manager Dreyer hatte bereits im November gesagt, dass sein Unternehmen bereit sei, Abstriche zu machen. An Markttagen beispielsweise könne die Außengastronomie eingeschränkt werden. Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß stellte klar, dass allein die Stadt die Nutzung der Außenflächen genehmige und die Bedingungen festlege. „Wir haben das in der Hand.“

„Es droht ein monströser Klotz“

Kritik gab es auch an den Skizzen, die Dreyer präsentiert hatte. Sie zeigen, dass aus der Glas-Stahl-Konstruktion ein verkleidetes Gebäude werden soll. „Es droht tatsächlich ein monströser Klotz“, sagte Warmulla. „Das wird selbst von Markthallen-Befürwortern so gesehen.“ Busch-Maaß versuchte zu beschwichtigen: Die Visualisierung habe „nichts mit irgendeiner Planung zu tun“. Sie sei nur ein Platzhalter, eine erste Überlegung, die noch nicht mit der Stadt abgesprochen sei. Verblendungen solle es nur im Erdgeschoss geben, nicht im Obergeschoss. „Wir gestalten komplett die Außenhülle, drinnen gestaltet Herr Dreyer.“

So sieht eine erste Projektskizze der neuen Markthalle aus. Es ist noch nicht der endgültige Plan. Grafik: CE Franchise GmbH
So sieht eine erste Projektskizze der neuen Markthalle aus. Es ist noch nicht der endgültige Plan. Grafik: CE Franchise GmbH

Gunnar Ott (Grüne) bezeichnete die Markthalle als Dinosaurier. „Wir sind seit 30 Jahren mit der Markthalle baden gegangen.“ Er habe „selten ein so hässliches Gebäude gesehen“. Ein Marktplatz lebe von der Offenheit. Ein solches Gebäude gehöre dort nicht hin. Otts Fraktionskollegin Gila Altmann wetterte: „Die Geschichte der Markthalle ist eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen.“ Die Stadt solle nicht noch mehr Geld verschwenden, zumal die Investition mit den Pachteinnahmen nicht hereingeholt werden könne. „Wir haben hier ein EEZ 2.0.“ Damit spielte die Grünen-Politikerin auf das 2015 eröffnete Energie-Erlebnis-Zentrum in Sandhorst an, dessen Bau einst 26,8 Millionen Euro kostete und das für die Stadt ein teures Zuschussgeschäft ist.

„Wie ein Lottogewinn“

Vertreter von SPD, CDU und den Wählergemeinschaften AWG und GAP wiesen die Bedenken zurück. Udo Haßbargen (SPD), mit 27 Jahren der jüngste Ratsherr, nannte die Kritik „total traurig“. Die Stadt werde dadurch so negativ dargestellt. „Ich wohne hier gern.“ Die Grünen und die Linke machten immer alles schlecht, schimpfte Jens Coordes (CDU). „Ich hab die Schnauze voll.“ Aus seiner Sicht wäre die Eröffnung des Cafés Extrablatt „wie ein Lottogewinn“. Auch der Wochenmarkt würde davon profitieren.

Rein optisch erinnert die Markthalle an ein Gewächshaus. Foto: Archiv/Luppen
Rein optisch erinnert die Markthalle an ein Gewächshaus. Foto: Archiv/Luppen

Arnold Gossel (CDU) sagte, dass Aurich sich „von dem Einerlei anderer Städte abheben“ könne. Richard Rokicki (AWG) sieht im Café Extrablatt ein gutes Angebot gerade für junge Menschen, „und das sieben Tage die Woche“. Junge Leute müssten nun nicht mehr nach Leer fahren, sagte Ingeborg Hartmann-Seibt (SPD). Volker Rudolph (GAP) sprach von einem „substanziell gesunden Unternehmen, das hier angesiedelt werden soll“.

Was wären die Alternativen? Der Abriss der Markthalle würde nach Angaben der Stadt 125.000 Euro kosten. Hinzu kämen 600.000 Euro für die Neugestaltung der Fläche als Holzdeck mit Verweilzonen und Bäumen. Eine weitere Alternative wäre der Teilrückbau der Markthalle mit einer Öffnung für Selbstvermarkter, Gastronomen und Einzelhändler. Inklusive Toilette und Fahrradabstellanlage würde diese Lösung 1,25 Millionen Euro kosten.

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