Diebe meiden die Dunkelheit Weniger Straßenbeleuchtung erhöht die Sicherheit – teilweise
In Nortmoor reagierten Einwohner erzürnt auf eine frühere Abschaltung der Straßenlaternen. Ein wichtiges Argument: Sicherheit. Doch manche Straftaten nehmen bei Finsternis sogar ab.
Nortmoor - Es ist eines der häufigsten Argumente für Straßenbeleuchtung in Wohngebieten: die gefühlte Sicherheit. So begründeten auch Einwohnerinnen und Einwohner in Nortmoor ihren Widerstand gegen die frühere Abschaltung von Straßenlaternen. Im Zuge der Energiekrise beschloss der Gemeinderat, die Lampen bereits um 20 Uhr abzuschalten.
Doch wie sehr das Sicherheitsgefühl, das die Laternen vermitteln, auch durch Tatsachen gedeckt ist, ist zweifelhaft. Svenia Temmen, Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden erklärt, dass es keine belastbaren Daten gebe, die zeigen könnten, dass ohne Straßenbeleuchtung die Kriminalität steigen würde. „Die Beleuchtung hat etwas beruhigendes“, erklärt sie. „Das ist ein subjektives Gefühl.“ Eine tatsächliche Wirkung lasse sich aber nicht mit Zahlen belegen.
Was und warum
Darum geht es: Den Widerspruch zwischen echter und gefühlter Sicherheit.
Vor allem interessant für: Menschen, die in der Dunkelheit Angst haben und solche, die unter Lichtverschmutzung leiden.
Deshalb berichten wir: In Nortmoor gab es zuletzt Streit darum, wann Straßenlaternen ausgeschaltet werden sollten. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
Weniger Diebstähle bei Dunkelheit
Tatsächlich ist die Studienlage in dieser Frage unklar. Zwar gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass Beleuchtung die Kriminalität senken kann. Diese wurden aber an Schwerpunkten durchgeführt, an denen es zuvor keine Beleuchtung aber viele Straftaten gab. Hier hält auch Svenia Temmen Beleuchtung für ein effektives Mittel. „An belebten Orten ist Licht immer eine gute Sache“, erklärt sie. Ein Beispiel seien etwa Bereiche um Diskotheken.
Trotzdem gibt es aber für andere Orte sogar Untersuchungen, die im Falle von Straßenbeleuchtung eine erhöhte Gefahr sehen. So ermittelte etwa das University College London in England, dass Diebstähle aus Fahrzeugen erheblich seltener an denjenigen Straßen waren, an denen die Straßenlaternen zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens ausgeschaltet wurden. Auch Diebstähle von Fahrzeugen waren seltener, wenn auch nicht statistisch signifikant. Was zunächst verblüffen mag, kann verschiedene Ursachen haben, etwa dass Diebe an unbeleuchteten Straßen mit Taschenlampen hantieren müssen, was auffälliger sein könnte. Schon eine chinesische Kriegslist aus dem 5. Jahrhundert empfahl es, sich im hellen Licht zu verstecken, um böse Absichten zu verschleiern.
Manche schätzen die Dunkelheit
Definitiv riskanter ist die Dunkelheit aber für Fußgängerinnen und Fußgänger, die an einer Straße unterwegs sind. Hier empfiehlt die Polizeisprecherin auf Reflektoren zu setzen. „An der Kleidung sollte auf jeden Fall etwas sein“, sagt sie. „Außerdem sollte man immer eine kleine Taschenlampe dabei haben.“ Damit werden Fußgänger nicht nur besser von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen, sondern können auch selbst mögliche Stolperfallen ausfindig machen.
Einige Menschen begrüßen indes, dass es in manchen Siedlungen derzeit früher finster wird. „Die Lichtverschmutzung nimmt seit Jahren zu“, sagt Arthur Weber, Vorsitzender des Astronomie Clubs Ostfriesland. So sei etwa die Milchstraße vor 20 Jahren in der Region noch besser zu sehen gewesen. „Die Siedlungen werden immer größer“, erklärt er. Auch die Umstellung auf moderne LED verschaffe nicht immer Abhilfe. Diese leuchteten zwar gezielter auf den Boden und damit weniger in die Breite, dafür sei aber oftmals der Blauanteil höher. „Vor allem die Randaufhellung am Horizont nimmt durch die Städte zu“, erklärt Weber.
Nicht überall machen Laternen Sinn
Hobby-Astronomen zieht es in die Dunkelheit, je finsterer der Nachthimmel, desto detaillierter offenbart sich der Nachthimmel in ihren Teleskopen. Deshalb begrüßt Weber, dass manche Kommunen ihre Straßenbeleuchtung derzeit auf Sinn und Unsinn prüfen. „Das sollten mehr Gemeinden austesten. In Gewerbegebieten kann man abends die Laternen abschalten“, nennt er ein Beispiel.
Angst im Dunkeln hätten Himmelsbeobachter wie er ohnehin nicht, erklärt Weber. „Da gewöhnt man sich schnell dran“, sagt er. Wenn er tief in die Natur fahre, um möglichst dunkle Bedingungen für sein Teleskop vorzufinden, seien es höchstens vorbeiziehende Wildschweine vor denen er sich manchmal sorge.
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