Bissendorf Bissendorfer Fan über das WM-Halbfinale: „Es gehört viel Matchglück dazu“
Henning Niemann aus Schledehausen ist seit 2006 Mitglied im „Fanclub Nationalmannschaft“. Der 42-Jährige besuchte bereits die WM 2006 und 2018 sowie die EM 2008, 2012 und 2021. Er spricht über die Fanunterstützung bei der WM in Katar und das Halbfinale zwischen Frankreich und Marokko.
Herr Niemann, Sie sind der deutschen Nationalelf schon zu vielen Turnieren hinterhergereist. War eine Reise zur WM in Katar auch eine Option?
Leider war es mir aus gesundheitlichen Gründen in diesem Jahr nicht möglich, zur WM zu reisen. Ansonsten wäre ich bestimmt dort gewesen (Hier ein Bericht vom Treffen mit Henning Niemann 2018 in Rußland). Auch wenn die vielen Nebengeräusche des Turniers und die Debatte um die Menschenrechte einen natürlich zweifeln lassen. Die Unterbringung der deutschen Fans in Dubai fand ich ebenfalls fragwürdig. Aber in Doha waren keine Unterkünfte zu bekommen und wenn doch, waren sie unbezahlbar. Die WM habe ich dennoch sehr intensiv am Fernseher verfolgt.
Kann man am Fernseher ein Gefühl für die Stimmung im Stadion bekommen?
Das geht durchaus. Bei diesem Turnier war die Stimmung grundsätzlich anders als bei allen zuvor. Es blieben sehr viele Plätze leer oder ein Großteil der Zuschauer kam erst ins Stadion, als das Spiel schon lief. Auch ist besonders bei den Spielen der Kataris aufgefallen, dass viele Fans das Stadion weit vor Schlusspfiff verlassen. Das wirkte schon sehr befremdlich.
Welche Fans sind Ihnen sonst aufgefallen?
Ich habe das Gefühl, dass die politische Debatte rund um das Turnier in Südamerika und Afrika nicht so intensiv geführt wird wie in Europa. Deshalb wurden die europäischen Fans nicht so lautstark unterstützt und waren auch zahlenmäßig nur schwach vertreten. Auf der anderen Seite haben die Mexikaner und Argentinier wie sonst auch eine Bombenstimmung gemacht. Auffällig ist auch die große Anzahl an Fans aus Tunesien und Marokko.
Kann diese Unterstützung ein Faktor für das Halbfinale der Marokkaner sein?
Es gehört natürlich immer viel Matchglück dazu, um so weit zu kommen. Aber die tatkräftige Unterstützung von den Rängen kann auch nochmal neue Kräfte freisetzten und eine Mannschaft durch ein Turnier tragen.
Wie blicken Sie auf die Zukunft der großen Turniere?
Es steht und fällt immer sehr viel mit dem Gastgeberland. Deshalb denke ich, dass wir bei der Heim-EM 2024 eine völlig andere Stimmung erleben werden als zurzeit. Dann wird hoffentlich auch die deutsche Nationalelf wieder mit der nötigen Leidenschaft zu Werke gehen. Die nächste WM in Kanada, Mexiko und den USA findet in einer anderen Zeitzone statt. Da gilt es abzuwarten, wie die FIFA die Anstoßzeiten legt. Ich gehe aber davon aus, dass der europäische TV-Zuschauer dabei schon berücksichtigt wird. 2028 könnte die EM dann in England und Irland stattfinden. Das hat Potenzial für ein ganz besonderes Fußballfest.