Kiew Selenskyj im Netflix-Interview: „Putin nahm unseren Kindern die Kindheit“
Einer der einzigen sicheren Orte in Kiew ist der U-Bahnhof - und genau dort trafen sich David Letterman und Wolodymyr Selenskyj zum Netflix-Interview. Das Thema könnte ernster nicht sein, der Krieg in der Ukraine, doch Selenskyj zeigt sich locker, witzelt und erzählt von seinen Träumen.
In David Lettermans Netfix-Show „My next Guest needs no Introduction“ (Deutsch: Mein nächster Gast braucht keine Vorstellung) trat in der dritten Folge der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf. Letterman war im Oktober in die Ukraine gereist, um mit Selenkyj über den Krieg zu sprechen. Dieser gibt persönliche Einblicke.
Im Interview erzählt Selenskyj von seinem Alltag. Doch „wenn Sie mich fragen, welche Momente im Leben am schönsten sind, dann sind das die, in denen ich mit meinen Kindern oder meiner Frau telefonieren kann“, so der Präsident. Die Familie lebt seit dem Krieg im Alltag getrennt: Die zwei Kinder, 18 und neun Jahre alt, leben bei Olena Selenska, um in Sicherheit zu sein. Selenskyj sieht seine Kinder nur selten. Denn obwohl westliche Staatsoberhäupter Selenskyj nach Kriegsbeginn rieten, das Land zu verlassen, ist der Präsident in Kiew geblieben.
Lesen Sie hier, was Olena Selenska über ihren Alltag berichtet.
Weiter berichtet Selenskyj über seine Kinder, dass sie „mehr über den Krieg wissen als wir: Mein Sohn ist neun Jahre alt und kennt die Namen aller Waffen.“
Hier sehen Sie den Trailer zum Interview.
Bevor Selenskyj Präsident wurde, war er Schauspieler. Letterman erklärt, dass Selenskyj lange seinen Lebensunterhalt damit verdient habe, lustig zu sein. „Sie deuten an, dass Sie im Alltag lustig sein können“, so Letterman und fragt, ob der 44-Jährige dieses Werkzeug nutze, wenn er mit Menschen aus der Ukraine rede oder Probleme lösen müsse. Darauf entgegnet Selenskyj, dass ein Sinn für Humor ihm helfe, „nicht den Verstand zu verlieren.“ Später gibt er eine Kostprobe seines Humors - doch wie in jedem Scherz steckt auch ein Körnchen Wahrheit in Selenskyjs Witz:
Zwei jüdische Männer aus Odessa treffen sich. Der eine fragt den anderen: „Wie ist die Situation? Was sagen die Leute?“ Und er sagt: „Es herrscht Krieg.“ „Was für ein Krieg?“ „Russland führt Krieg gegen die Nato.“ „Und wie läuft es?“ „70.000 russische Soldaten sind tot, alle Raketen sind fast verbraucht, sehr viel Militärgerät ist zerstört.“ „Und die Nato?“ „Die Nato? Die Nato ist noch nicht angekommen.“
Selenskyj betont, dass niemand weiß, „wie lange der Krieg dauert.“ Ein Kriegsende wird es nur geben, „wenn wir unser Land und unsere Grenzen zurückerobern und das Land nicht mehr besetzt ist.“ Dabei komme es auf die Unterstützung der westlichen Staaten an: „Für einen kürzeren Kreig brauchen wir stärkere Hilfe“, so der ukrainische Präsident.
Fünf Wochen später trafen sich Letterman und Selenskyj erneut - diesmal aber nur per Video. Selenskyj erklärt, dass er bis zum Ende des Krieges Präsident bleibe. „Ich denke nicht mal darüber nach, was danach passiert“, so Selenskyj. Doch dann erzählt er immerhin, wovon er träumt.
Das gesamte Interview mit David Letterman und Wolodymyr Selenskyj ist auf Netflix verfügbar.