Berlin Renten-Debatte: Ungerecht wird es sowieso
Die wenigsten Menschen möchten länger arbeiten als nötig. Aber wird es noch anders gehen?
Arbeit ist für viele Menschen nicht alles im Leben, und das ist auch gut so. Viele entscheiden sich trotz finanzieller Einbußen dafür, nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter durchzuhalten. Sie gehen früher, weil sie nicht mehr können – oder schlicht nicht mehr wollen. Für das Land, das auf eine totale Schieflage mit immer mehr Rentnern zusteuert, die immer länger Rente beziehen, und immer weniger Jungen, die diese Rente erwirtschaften, wird das allerdings zum Problem.
In den vergangenen Jahren wurden weitere Anreize geschaffen, früher in Rente zu gehen. Die SPD wollte es so. Die Konsequenzen dieser Politik werden kommende Generationen ausbaden müssen, wenn jetzt nicht gegengesteuert wird.
Wenn Arbeitsminister Hubertus Heil einer weiteren Erhöhung des Rentenalters eine Absage erteilt, sichert er sich kurzfristig Sympathien. Eine realistische Alternative schlägt Heil nicht vor. Er will mehr Zuwanderer und damit mehr Beitragszahler gewinnen, außerdem die Ganztagsbetreuung ausbauen, damit noch mehr Frauen mehr arbeiten können. Das ist keine umfassende Therapie für ein System, das insgesamt ins Wanken kommt.
Heil findet es ungerecht, das Eintrittsalter zu erhöhen. Wie ungerecht wäre es aber, den Jüngeren künftig Rentenbeiträge von 30 Prozent aufzubürden? Beiträge und Rentenniveau stabil zu halten, das wird ohne einschneidende Reformen nicht möglich sein. Mehr Flexibilität im System, mehr Anreize, länger zu arbeiten, müssen her. Damit wieder mehr Menschen sich dafür entscheiden. Am besten freiwillig.