Planung für die Zukunft  Nur Hinte-Ort fehlen noch Vertreter aus dem Dorf

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 16.12.2022 15:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wie muss sich Hinte für die Zukunft aufstellen? Dieser Frage wird bei der Dorfentwicklungsplanung hinterhergegangen. Archivfoto: Hock
Wie muss sich Hinte für die Zukunft aufstellen? Dieser Frage wird bei der Dorfentwicklungsplanung hinterhergegangen. Archivfoto: Hock
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Die Dorfentwicklung in Hinte ist in vollem Gange. Aus Hinte-Ort könnten sich aber mehr Leute beteiligen. Zudem gibt es Neuigkeiten für private Antragsteller.

Hinte - Das Planungsbüro NWP ist zufrieden, denn die Zusammenarbeit in den Hinteraner Ortschaften läuft überwiegend gut, heißt es auf Nachfrage. Gemeint ist damit der Kontakt zur Gemeinde und zur Bevölkerung im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms (DEP) des Landes Niedersachsens. In dem für die Planung gegründeten Arbeitskreis seien zudem auch „sehr junge“ Teilnehmer und das Verhältnis von Männern und Frauen sei ausgeglichen, so die NWP. Damit das DEP noch mehr Früchte trägt, müssen sich allerdings gerade in Hinte-Ort mehr Menschen in dem aus Bürgern, NWP- und Gemeindevertretern bestehenden Arbeitskreis beteiligen.

Was und warum

Darum geht es: zur Dorfentwicklung in Hinte gibt es einen neuen Zwischenstand.

Vor allem interessant für: Bewohner der Gemeinde, die dort noch lange leben bleiben möchten

Deshalb berichten wir: Seit der Auftaktveranstaltung zur Entwicklungsplanung in Hinte ist ein halbes Jahr vergangen und wir wollten wissen, wie dort jetzt der aktuelle Stand ist.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Die Strukturen in Hinte-Ort machen die Sache nicht ganz einfach. Bereits im Februar berichtete unsere Zeitung darüber, dass die Siedlung Haskamp einen Großteil von Hinte-Ort ausmacht. Die Bewohner dort orientieren sich aber viel stärker nach Emden hin als das im alten Teil des Ortes und in der restlichen Gemeinde der Fall ist. Entstanden ist Haskamp in den 1960er Jahren in relativ kurzer Zeit als großes Neubaugebiet, vor allem für Personal des Emder VW-Werks. Anknüpfungspunkte wie Vereine fehlten damals und Kontakte zwischen dem Ortskern und dem Neubaugebiet blieben selten. Heute gibt es zwar einen Bürgerverein, aber es waren auch schon einmal zwei.

Investitionen für den Zusammenhalt

Sein Vorsitzender Gerhard Venekamp sagte unserer Zeitung im Februar, dass es beispielsweise an einem Anziehungspunkt wie einem Gemeinschaftshaus fehle, um die rund 720 bis 750 Hauseigenentümer und ihre Familien näher zueinanderzubringen. Umso wichtiger könnte für die Haskamper daher jetzt das Dorfentwicklungsprogramm werden, denn die Schaffung von Treffpunkten war in der Vergangenheit auch schon andernorts eine häufige und oftmals auch bewilligte Forderung.

Damit diese oder andere Ideen, die für mehr Dorfgemeinschaft sorgen, überhaupt näher besprochen werden können, ist jedoch mehr Beteiligung im Arbeitskreis nötig. Wer in Hinte-Ort lebt und sich für Ideen starkmachen möchte, kann sich bei den zuständigen Ortskümmerern melden.

Diese Themen werden noch besprochen

Aber auch in den anderen Teilen der Gemeinde kann man weiterhin bei den Planungen dazustoßen, macht das Planungsbüro deutlich. Zwar habe es schon vier Sitzungen des Arbeitskreises, Dorfgespräche sowie „Strategiesitzungen“ zwischen Bürgervertretern, Gemeinde und NWP gegeben und man habe unter anderem über die Entwicklung der Siedlungen, über Ortsbilder und die Baukultur gesprochen. Demnächst stehen aber auch noch Termine zu Themen wie Infrastruktur und Erschließung inklusive Nachnutzung von alten Bauernhöfen, Dorfleben, Ehrenamt und Vereine, Tourismus und Naherholung und mehr an. Vielleicht kommt auch noch eine eigene Sitzung zum Thema Jugendarbeit hinzu, die in Hinte noch „reichlich Potenzial“ habe. Außerdem muss das vom Land vorgegebene Pflichtthema Klimaschutz- und -anpassung behandelt werden. Nachdem die DEP-Förderrichtlinie zuletzt überarbeitet wurde, habe dieser Bereich nun die höchste Priorität bei der Punktevergabe.

Die NWP fasst die Ergebnisse des jeweiligen Dorfentwicklungsprogramms am Ende jeweils zu einem Dorfentwicklungsplan zusammen, einem Katalog mit Empfehlungen für den Gemeinderat also. Welche Ideen daraus letztendlich umgesetzt werden, hängt von der Förderfähigkeit ab. Projekte, die in besonderem Maße den Förderrichtlinien entsprechen, bekommen mehr Punkte und die Wahrscheinlichkeit auf eine finanzielle Unterstützung durch das Land steigt. Vor allem bei Klimaprojekten ist die Chance auf Förderung nun besonders hoch, zuvor seien die Aussichten für Projekte zur sozialen Entwicklung (zum Beispiel Dorfplätze oder Dorfgemeinschaftshäuser) sehr gut gewesen, davor wiederum Maßnahmen zur Ortsbildverschönerung.

Fördermittel für 2023 sollen bald feststehen

Letztendlich ist aber noch völlig offen, für welche Themenbereiche es am Ende Geld geben wird und wofür nicht. So hieß es beispielsweise im Juni bei der DEP-Auftaktveranstaltung im Hotel Novum, dass überraschenderweise wohl sogar Geld für innerörtliche Gemeindestraßen zur Verfügung stehen wird, obwohl die Priorität dafür niedrig ist. Der Fördertopf war dafür aber zuletzt groß genug gewesen. Die Frage ist, ob das so bleibt, denn die Höhe der im kommenden Jahr zur Verfügung stehenden Fördermittel steht noch nicht fest. Diese erfahre man erst „im zeitigen Frühjahr“, erklärt auf Nachfrage Anja Thomsen vom Amt für regionale Landesentwicklung (ArL), das für die Bewilligung der Anträge zuständig ist. Der Stichtag für eingehende Anträge sei der 30. September.

Allerdings muss die Gemeinde Hinte auch im Falle einer Bewilligung Eigenanteile für die DEP-Projekte bezahlen. Im Hotel Novum hatte Hintes Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) dazu gesagt, dass er mit dem Rat darüber sprechen wolle, wie viel Eigenmittel die Gemeinde insgesamt im Rahmen der Dorfentwicklung ausgeben möchte. Zuletzt hieß es nun von ihm auf Nachfrage, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Allerdings sei davon auszugehen, dass die ersten Förderanträge in der zweiten Jahreshälfte kommenden Jahres gestellt werden können.

Fördersatz für Privatleute steigt

„Für die Projekte öffentlicher Antragsteller wird der Fördersatz in etwa gleich bleiben“, kommentiert Thomsen die überarbeitete Förderrichtlinie. Für die meisten privaten Vorhaben hingegen gebe es ab dem kommenden Jahr einen Fördersatz von bis zu 40 Prozent der Nettokosten. Bislang seien es 30 Prozent der Bruttokosten gewesen. Sollte das DEP fortgeführt werden, so bleibt wohl auch die Gemeinde Hinte sechs Jahre lang im Programm, „so dass sechs Stichtage lang die Möglichkeit der Antragstellung besteht.“ Aktuell gebe es in ganz Ostfriesland knapp 50 private Förderanträge. Werden sie bewilligt, können mit dem Geld zum Beispiel private ortsbildprägende Gebäude in Schuss gehalten werden.

Einen Zwischenstand zur Planung in Hinte soll es am 23. März bei einer Ratssitzung geben. Auch eine Wanderausstellung mit den Zwischenergebnissen soll noch von Ort zu Ort ziehen, ergänzt die NWP. Schließlich könnte es noch sein, dass das Planungsbüro eine eigene Website zur Dorfentwicklung in Hinte aufsetzt. Bis dahin sei es die Aufgabe der Gemeinde, die Bevölkerung über den Entwicklungsstand zu informieren.

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