Schicksal der Melanie Schulte Landesmuseum Emden zeigt Ausstellung zu Schiffsunglück
Der misslungene Stapellauf und der spätere Untergang des Motorschiffs Melanie Schulte haben sich tief in die Emder Stadtgeschichte eingeprägt. Zum 70. Jahrestag greift das Landesmuseum das Thema auf.
Emden - Das Schicksal des verschollenen Mehrzweckfrachters Melanie Schulte und seiner 35-köpfigen Besatzung ist ein Stück Emder Stadtgeschichte. Dank Zeitzeugen wie Alt-Bürgermeister Alwin Brinkmann, der den missglückten Stapellauf als Sechsjähriger auf der Emder Werft erlebte, sind die Erinnerungen an den tragischen Untergang in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember 1952 bis in die Gegenwart präsent.
Was und warum
Darum geht es: die neue Sonderausstellung im Landesmuseum
Vor allem interessant für: Geschichtsbegeisterte und alle, die sich für Emden. den Hafen und das Schicksal des Motorschiffs Melanie Schule interessieren
Deshalb berichten wir: Die Ausstellung eröffnet nächste Woche. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Das Landesmuseum nutzt die enge Verbindung zwischen Stadt, Emder Hafengeschichte und dem Unglück für eine neue Sonderausstellung. Am nächsten Mittwoch wird sie eröffnet – es ist der 70. Jahrestag, an dem die Mannschaft der Melanie Schulte sich ein letztes Mal per Funkspruch bei Radio Norddeich meldete.
Ungewöhnlich lange Laufzeit
Unter der Regie von Museums-Direktorin Jasmin Alley, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Aiko Schmidt und dem stadtnahen Medienschaffenden Edzard Wagenaar entsteht eine Ausstellung mit ungewöhnlich langer Laufzeit (bis Januar 2024) und vielen persönlichen Bezügen, wie die drei am Freitag bei einem Pressegespräch schilderten. Während sie sprachen, wurde auf der rund 230 Quadratmeter großen Sonderausstellungsfläche gearbeitet. Es passt zum Konzept einer bewusst lebendig und offen gehaltenen Annäherung an das Thema. Denn weil die Geschichte „sattsam erzählt“ sei, so Edzard Wagenaar, sei das Ziel, die Ausstellung während des nächsten Jahres laufend mit möglicherweise neuen Erkenntnissen fortzuschreiben.
Besucherinnen und Besuchern, denen das Schicksal des Stückgutfrachters der Emden-Klasse nicht geläufig ist, soll die Ausstellung einen Eindruck von der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg in Emden vermitteln. Mithilfe von Klanginstallationen und Augenzeugenberichten in Videointerviews sollen sie ein Gefühl für die Bedeutung des Schiffbaus in der Stadt und der Seefahrt im Allgemeinen in der Zeit bekommen. Jasmin Alley will so die „Lokalgeschichte mit der gesamtgesellschaftlichen Situation“ verknüpfen.
Begleitprogramm zur Ausstellung
Die Präsentation der Ergebnisse – gezeigt wird unter anderem der Rettungsring, der als einziger Gegenstand von dem untergegangenen Schiff geblieben ist – hat das Landesmuseum einem Ausstellungsgestalter-Team aus Bremen überlassen. Unterstützung in der Stadt kommt unter anderem von der Geschichtswerkstatt der Gewerkschaft IG Metall und dem Seemannsheim, das den Rettungsring der Melanie Schulte verliehen hat.
Begleitet wird die Ausstellung in den Räumen des Landesmuseums von einem aufwendig inszenierten Theaterstück unter der Regie von Werner Zwarte. Nachdem es bereits zweimal coronabedingt hatte verschoben werden müssen, soll es am 13. April Premiere haben.
„Damit nahm das Elend seinen Lauf“
Darüber hinaus sind als Programmpunkt zur Ausstellung Matinee-Termine geplant, so Edzard Wagenaar. Zu den Gästen, die an einem Sonntag-Vormittag im Landesmuseum begrüßt werden sollen, zählen Wissenschaftler und Experten, die sich beispielsweise mit der Meteorologie und dem Phänomen von sogenannten Monsterwellen befassen.
Noch immer ist ungeklärt, warum das Schiff der Emder Reederei Schulte & Bruns im Nordatlantik unterging. Abergläubige Emderinnen und Emder aber sind sich sicher, dass es mit dem misslungenen Stapellauf zu tun haben muss.
Ob Alwin Brinkmann abergläubisch ist, ist nicht weiter bekannt. Aber auch er sagt über jenen einprägsamen Septembertag vor mehr als 70 Jahren auf der Emder Nordseewerke-Werft: „Damit nahm das Elend seinen Lauf.“