Wohnungsmarkt  Druck auch in Ostfriesland zu spüren

| | 16.12.2022 20:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Immer noch werden in Deutschland zu wenig Wohnungen gebaut. Foto: Brandt/dpa
Immer noch werden in Deutschland zu wenig Wohnungen gebaut. Foto: Brandt/dpa
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Bundesweit ziehen die Mieten weiter an. Doch die regionalen Märkte zeigen sich durchaus unterschiedlich. Ein Blick auch auf Ostfriesland.

Ostfriesland - Der Druck auf dem Immobilien- und Wohnungsmarkt bleibt auch in Zeiten steigender Inflation und massiv gestiegener Bauzinsen und Baupreise hoch. Im dritten Quartal sind die Angebotspreise für Häuser und Wohnungen in Niedersachen im Mittel um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen, hat eine Analyse der Landesbausparkasse (LBS) Nord ergeben. LBS-Vertriebsvorstand Maik Jekabsons sieht darin eine Beruhigung des Marktes, da die Wachstumsrate im Jahr 2021 noch mehr als doppelt so hoch gelegen hatte. Die Angebotsmieten im Land sind einer Analyse des Instituts für Wirtschaft (IW) zufolge im dritten Quartal um 6,2 Prozent gestiegen. „Es zeigt sich, dass die Dynamik zunimmt“, sagte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. Die Menschen suchten zunehmend Mietwohnungen, während einige Vermieter offenbar wegen der hohen Inflation höhere Mieten ansetzten.

Geprägt sind die Märkte nach wie vor von großen regionalen Unterschieden. Darauf verweist auch der Emder Immobilienmakler Eckard Lüling, der in Ostfriesland stabile Preise für Mietwohnungen sieht. „Schon bei uns gibt es große Unterschiede. In Emden etwa gibt es Stadtteile, in denen die Menschen gerne wohnen möchten. Da sind die Preise bei Neuvermietungen natürlich auf einem ganz anderen Niveau als in den Stadtteilen, die nicht so beliebt sind. Dort gehen die Preise dann auch schon mal runter“, berichtet er.

Es gibt zum Teil Nachholbedarf

In allen ostfriesischen Städten und Gemeinden sei zu sehen, dass ähnlich wie bei Immobilien die Lage einen entscheidenden Einfluss auf die Preise habe. Der differenzierte Blick auf den Wohnungsmarkt zeige auch, dass bei kleineren Wohnungen höhere Quadratmeterpreise als bei großen Wohnungen oder Häusern aufgerufen werden können. „Da sind dann schon mal acht bis 10 Euro für den Quadratmeter drin.“

„Der Druck ist da. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass gerade überzogen wird“, sagt Friedhelm Park, Vorsitzender des Immobilieneigentümerverbundes Haus & Grund mit Blick auf die hohe Inflation. „Gerade wenn Wohnungen länger vermietet waren und es dann zu einer Neuvermietung kommt, kann es zu einem Sprung kommen. Da gibt es dann Nachholbedarf. Das betrifft aber nicht die Masse der Mietverträge“, berichtet Park, der in Leer die Interessen von rund 600 Haus & Grund-Mitgliedern vertritt. Aufholeffekte in ländlichen Regionen, die im Vergleich zu Großstädten noch günstigen Wohnraum böten, hatte auch IW-Experte Voigtländer neben der Inflation als eine Ursache der Mietpreissteigerungen identifiziert.

Moderate Aufschläge in Metropolen

Die vom Institut der deutschen Wirtschaft betrachteten Angebotsmieten sind nicht gleichbedeutend mit Abschlüssen von Verträgen, können jedoch in eine Richtung weisen. Auch der Haus & Grund-Vorsitzende Park legt wert darauf, dass die Mehrzahl der Mieter in langfristigen Mietverhältnissen gebunden und daher von den Angebotsmieten nicht berührt sind. „Da ist eine Mieterhöhung gar nicht so einfach. Vor allem weil auch unsere Vermieter nicht daran interessiert sind, ein intaktes Mietverhältnis zu zerstören“, betont Park. Da werde sich dann meist in Ruhe zusammengesetzt und nach einer Lösung gesucht, mit der beide Seiten gut leben können.

Der Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge sind die Mieten im dritten Quartal bundesweit im Schnitt um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen. Unter den Ländern stiegen die Angebotsmieten laut IW am wenigsten stark in Baden-Württemberg, Sachsen und Hessen mit gut 4 Prozent. Am kräftigsten kletterten sie im Saarland (7,9 Prozent), in Brandenburg (9,1 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (10,3 Prozent). In Metropolen gab es relativ moderate Aufschläge bei den Angebotsmieten in Frankfurt (1,4 Prozent) Stuttgart (2,4 Prozent) und München (3,5 Prozent). Dagegen legten sie in Düsseldorf (5,9 Prozent), Leipzig (7,8 Prozent) und Berlin (8,3 Prozent) besonders zu. „In den sehr teuren Städten fallen die Zuwächse - wahrscheinlich aufgrund fehlender Zahlungsfähigkeit - geringer aus“, sagte Voigtländer.

Der Deutsche Mieterbund forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. Er machte unter anderem eine Zunahme von Indexmietverträgen, die Mieten an die Inflation koppeln, und eine „löchrige Mietpreisbremse“ für den Anstieg der Angebotsmieten verantwortlich. Das wirke sich auch im Bestand aus, sagte Bundesdirektorin Melanie Weber-Moritz. „Notwendig sind ein Verbot des Neuabschlusses von Indexmieten, eine Kappung von Indexmieterhöhungen im Bestand, eine anwendbare Mietpreisbremse und die Ahndung von Mietwucher.“

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