Wegen Körperverletzung vor Gericht  Südbrookmerlander boxt und tritt Freundin

Bettina Keller
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Von Bettina Keller
| 22.12.2022 10:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nach einem Streit wurde der 19-Jährige gewalttätig. Foto: Pixabay
Nach einem Streit wurde der 19-Jährige gewalttätig. Foto: Pixabay
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Ein 19-Jähriger aus Südbrookmerland musste sich wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Er soll seine Freundin geboxt und getreten haben. Der Richter fand klare Worte.

Aurich - Mit genervter Miene verfolgte ein 19-Jähriger aus Südbrookmerland die Verhandlung, bei der er sich vor dem Auricher Jugendrichter wegen Körperverletzung verantworten musste. Im Juli soll er seine damalige Freundin nach einem Streit kurz vor Mitternacht mit der Faust in den Bauch geboxt sowie in den Genitalbereich getreten haben. Sie erlitt Schmerzen und ein stumpfes Bauchtrauma.

Der Angeklagte erzählte bei dem Prozess am Mittwoch eine Geschichte, die den Tatvorwurf aussparte. Er sei nach einer „kleinen Party“ nach Hause gekommen. Man habe sich gestritten, er habe wieder losgehen wollen, und sie die Tür zugehalten und zugeschlossen. „Auf einmal stand die Polizei vor der Haustür“ endete sein Konstrukt unvermittelt.

„Diffuse Schmerzen im Bauch, Druckschmerz im Intimbereich“

Als ihn Jugendrichter Simon Breuker nach der Körperverletzung fragte, musste er erst einmal ein bisschen nachdenken. Schließlich räumte er eine Rangelei ohne Boxen oder einen Tritt ein. „Im Arztbrief wurde nichts festgestellt“, schob er schnell hinterher. Als Antwort zitierte der Richter daraus: „Diffuse Schmerzen im Bauch, Druckschmerz im Intimbereich.“ Für ihn war das nicht nichts.

Die Geschädigte berichtete, der Angeklagte sei angetrunken nach Hause gekommen. Sie habe einen Eimer geholt und ihn bewegen wollen schlafen zu gehen. „Er wurde aggressiv und hat den Eimer nach mir geworfen“, sagte die 22-Jährige. Sie sei schließlich des Diskutierens müde gewesen und habe vor der Haustür telefonieren wollen. Sie habe den Angeklagten beiseite geschubst, worauf er sie geboxt und getreten habe. „Ich bin runter und raus und habe die Polizei gerufen“, fuhr sie fort. „Ich wurde im Rettungswagen mitgenommen, weil es mir überhaupt nicht gut ging.“ Sie zählte Übelkeit und Panikattacken auf.

Vier Einträge im Bundeszentralregister

Der unauffällige Angeklagte mit dem trotzigen Gesichtsausdruck hat schon vier Einträge im Bundeszentralregister. Zwei Körperverletzungen sind darunter, dazu Bedrohung und Fahren ohne Fahrerlaubnis. Er lebt noch bei seinen Eltern.

Die Staatsanwältin forderte einen zweiwöchigen Dauerarrest. Das schmeckte dem Angeklagten, der bereits ein Wochenende Freizeitarrest im Emder Jugendknast verbracht hat, überhaupt nicht. „Ich weiß, dass das Wochenende sehr hart war, wo ich da schon saß“, antwortete er und ging plötzlich zum Gegenangriff über: „Meine Freundin hat mich schon ein paarmal in den Genitalbereich getreten.“

Richter hat keine Zweifel

Breuker sprach eine Verwarnung aus und erlegte dem 19-Jährigen eine Zahlung von 1200 Euro an das Auricher Mütter- und Frauenzentrum auf. Das entspricht zwei Netto-Monatsgehältern des Auszubildenden im zweiten Lehrjahr. „Woher die Geschädigte die Verletzungen haben soll, konnten Sie mir nicht erklären“, führte ihm der Richter vor Augen, der keine Zweifel hatte, dass es zu der Körperverletzung wie angeklagt gekommen ist.

Abschließend redete er dem Angeklagten – „ich habe den Eindruck, sie sind überhaupt nicht zu erreichen“ – noch ein wenig ins Gewissen: „Ich kann Ihnen nur dringend raten, kriegen Sie das unter Kontrolle. Der Weg wird sonst in Richtung Gefängnis führen.“

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