Boren-Lindaunis Schleibrücke Süd  Was passiert, wenn der Zug nicht kommt

Peter Hamisch
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Von Peter Hamisch
| 23.12.2022 21:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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In ganz Norddeutschland fallen wegen Krankheit momentan viele Züge aus. Viele Fahrgäste stranden an den ungewöhnlichsten Orten. Das hat gruselige Szenen zur Folge.

Es könnte eine Szene aus einem Horrorfilm sein. Auf der in spärlichem Licht leuchtenden Lindaunisser Schlei-Brücke bei Schleswig steht verzweifelt eine junge Frau. Die Temperatur zeigt neun Grad unter Null an. Die nächste Haltestelle ist kilometerweit weg, Leise hört man das Wasser der Schlei an die Brückenfundamente schlagen. Ein Ehepaar hat die Szene mitbekommen, wie der Zugbegleiter auf die junge Dame einspricht. Auf der Schwansener Seite verschwinden zwei rote Lampen des Regionalexpress, zurück in Richtung Eckernförde.

Es ist ein Freitag, nach Mitternacht. Wir müssen uns um die Frau kümmern, spricht Dagmar (Namen geändert) zu ihrem Mann Klaus. Die junge Frau war völlig verzweifelt und ängstlich, berichtet dieser. Den Grund konnte das Lindaunisser Ehepaar kaum fassen. Eine Regionalbahn zur Weiterfahrt auf der nördlichen Brückenseite war nicht gekommen, so dass die junge Frau ihre Fahrt von Kiel nach Flensburg nicht nur nicht fortsetzen konnte, sie musste befürchten, ganz alleine an der Brücke in Lindaunis zurückzubleiben.

Was genau passiert ist, das muss auch eine Sprecherin der Deutschen Bahn mühselig rekonstruieren. Das Problem war offenbar: Die Frau hätte in Kiel in den Zug über Schleswig steigen müssen. Denn die Tour nach Flensburg mit Fußweg über die Brücke war in dieser Nacht nicht vorgesehen.

Doch das war offenbar nicht bekannt. Aus der gegoogelten Fahrplanauskunft erfuhr Klaus, dass ein Zug ab Süderbrarup noch nach Flensburg fahren sollte. „Meine Eltern waren in Lindaunis als Babysitter eingesetzt“, berichtet er. Da sie ihren Wohnsitz in Süderbrarup haben, könnten sie die „gestrandete“ Frau zum Bahnhof mitnehmen. Ja, so einigte man sich und so kam die junge Frau zum Bahnhof in Süderbrarup. Doch das Unglück nahm kein Ende. Auch hier kein wartender Zug, kein Bus als Schienenersatzverkehr, der Bahnhof dunkel.

Was tun? Die hilfsbereiten Fahrer, Axel Hoffeins und seine Frau, waren sich einig. „Wir können die Frau hier nicht zurücklassen!“ Nach einigen Versuchen gelang es, in Kappeln ein Taxiunternehmen für eine Fahrt nach Flensburg zu organisieren. „Ich bringe Sie nach Kappeln“, versprach Hoffeins.

Doch auch die Weiterfahrt wäre fast gescheitert, denn die Taxifahrt sollte 100 Euro kosten. Die junge Dame hatte aber nicht so viel Geld bei sich. Auch hier war Axel Hoffeins behilflich und gab die Restsumme dazu, die von der jungen Dame am nächsten Tag erstattet wurde.

„Die Vorstellungskraft reicht kaum aus, sich so eine Situation vorzustellen“, berichtet der Süderbraruper. Auch Klaus kritisiert die Auskunft der Bahn. Alles ist schwammig. Das Schlimmste sei gewesen, dass der Zugbegleiter sich um keine Lösung des Problems gekümmert habe und die Frau einfach an der Lindaunis-Brücke allein ließ.

Die Bahnsprecherin rät, sich vor der Fahrt über die Strecke zu informieren. Wenn man Hilfe benötige, könne man sich rund um die Uhr bei der Servicenummer unter 030-2970 melden.

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