Emder Mega-Baugebiet  Conrebbersweg-West – erst zwei Grundstücke verkauft

Mona Hanssen und Claus Hock
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Von Mona Hanssen und Claus Hock
| 26.12.2022 08:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Stadt Emden geht davon aus, dass bald noch mehr Grundstücke in Conrebbersweg-West verkauft werden. Die Zahl der Reservierungen stagniert allerdings. Symbolfoto: F. Doden
Die Stadt Emden geht davon aus, dass bald noch mehr Grundstücke in Conrebbersweg-West verkauft werden. Die Zahl der Reservierungen stagniert allerdings. Symbolfoto: F. Doden
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Die Stadt Emden merkt Zurückhaltung beim Mega-Baugebiet Conrebbersweg-West. Die Zahl der Mehrfamilienhäuser könnte steigen.

Emden - Vor recht genau sechs Monaten, am 22. Juni, wurde der symbolische erste Spatenstich für das Mega-Baugebiet Conrebbersweg-West vollzogen. Noch in diesem Jahr, so hieß es damals, sollten die ersten fertig erschlossenen Grundstücke übergeben werden.

Was und warum

Darum geht es: Die Zahl der Reservierungen für Grundstücke im Mega-Baugebiet Conrebbersweg-West stagniert.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Entwicklung von Wohngebieten in emden interessieren; diejenigen, die noch auf der Suche nach einem Bauplatz sind – trotz steigender Preise.

Deshalb berichten wir: Zum Jahresende wollten wir den Stand der Vermarktung von Conrebbersweg-West wissen.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Das hat die Stadt auch geschafft: Zwei von insgesamt 88 Grundstücken sind bereits verkauft. Oder erst, je nachdem, wie man es definiert. Ursprünglich sollten im ersten Schritt 100 Grundstücke auf den Markt gehen. Perspektivisch ist in Conrebbersweg-West Platz für rund 350 Baugrundstücke.

Zahl der Reservierungen stagniert

Neben den bereits verkauften zwei Grundstücken seien „52 Grundstücke reserviert und 34 Grundstücke noch zu vergeben“, so Stadtsprecher Eduard Dinkela kurz vor Weihnachten auf Nachfrage. Eine Zahl, die sich seit Oktober nicht nennenswert verändert hat. Eine Vielzahl der reservierten Grundstücke befinde sich aber kur vor Kaufvertragsabschluss. „Die Bewerber, die bereits ein Grundstück reserviert haben, werden in Kürze den für die Beurkundung gewählten Notar benennen. Anschließend erfolgt die Beurkundung der Kaufverträge“, so Dinkela.

Ob allerdings während dieser Phase noch Bewerber vom Kauf zurücktreten, „bleibt abzuwarten“. Die Nachfrage insgesamt „ist zurückhaltender geworden“, so Dinkela. Sie sei allerdings weiterhin vorhanden. „Sollte es Rücktritte geben, haben noch weitere, bereits registrierte Bewerber, die Möglichkeit, ein Grundstück zu erwerben.“ 150 bereits registrierte Interessenten würden noch von der Stadt kontaktiert werden.

Stadt hat Entwicklung im Blick

Im Oktober hieß es, dass bislang lediglich acht Bewerbungen um ein Baugrundstück zurückgezogen wurden. Das sei allerdings nicht auf einen Schlag passiert, sondern über einen längeren Zeitraum – und es sei auch keine besonders hohe Zahl, so die Stadt im Oktober.

Die Stadt habe dennoch die aktuelle Situation im Blick, denn: Der Wegfall von KfW-Förderungen, die steigenden Zinsen und die höher werdenden Baukosten führen seit Monaten zu Unsicherheiten, gerade auf dem Wohnungsbaumarkt. In einer ersten Reaktion hatte die Stadt bereits vor ein paar Monaten die Bedingungen, die mit dem Kauf eines Grundstücks in Conrebbersweg-West einhergehen, gelockert. „Die Fristen für den Baubeginn und die Fertigstellung liegen nicht bei zwei und drei Jahren, sondern wurden um zwei Jahre verlängert: Vier Jahre bis Baubeginn, insgesamt fünf Jahre bis zur Fertigstellung“, hieß es diesbezüglich von der Pressestelle.

Baupreise steigen in Deutschland nicht erst seit 2022

Wie sehr die aktuelle Situation die Baupläne von Privatleuten durcheinanderbringt, zeigt ein Rechenbeispiel aus dem Sommer. Damals hatte ein Interessent für ein Baugrundstück in Conrebbersweg-West dieser Zeitung Einblick in seine Planung gewährt. Damals kalkulierte der Emder, der sich in Conrebbersweg-West den Traum vom Eigenheim für sich und seine Familie erfüllen wollte, mit etwa 550.000 Euro, die alleine der Kauf des Baulands und das Haus kosten würden. Der Preis für ein erschlossenes Grundstück betrage 165 Euro pro Quadratmeter, so die Rechnung. Die drei von ihm eingeholten Angebote von Bauunternehmen „für ein ganz normales Haus“, wie er sagte, liegen zwischen 400.000 und 450.000 Euro. Allerdings könne sich diese Summe „aufgrund der Materialknappheit weiter nach oben schrauben“, habe man ihn gewarnt. Und: In den Kosten ist die Einrichtung noch nicht enthalten.

Allerdings: Steigende Bau- und auch steigende Immobilienpreise sind in Deutschland kein neues Phänomen. Wie Daten des Statistikportals Destatis zeigen, „sind die Baupreise und Immobilienpreise seit 2010 stark gestiegen“. Der Baupreisindex für Wohngebäude von Destatis weist die Entwicklung der Preise für individuell geplante Ein- und Mehrfamilienhäuser nach. Hierbei wird jedoch nur das Bauwerk einbezogen. „Der Index zeigt, dass sich die Preise für Wohngebäude im Zeitraum 2010 bis 2021 um 41 Prozent erhöht haben“, heißt es in einer Pressemitteilung auf der Internetseite destatis.de. „Die Inflationsrate stieg im gleichen Zeitraum nur um 17 Prozent.“ Im dritten Quartal dieses Jahres, aktuellere Zahlen gibt es zum Baupreisindex noch nicht, lagen die Baupreise um 16,5 Prozent über dem Vergleichszeitraum 2021.

Höhere Zahl Mehrfamilienhäuser möglich

Wie sich der Markt entwickelt, ist unbekannt. Manche gehen von einer Stabilisierung oder sogar Entspannung aus; andere rechnen eher mit weiter steigenden Preisen. Bezogen auf Conrebbersweg-West würde das aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass Grundstücke unbebaut bleiben. Es könnte allerdings dazu kommen, dass mehr Mehrfamilienhäuser entstehen als ursprünglich geplant. Diese werden, anders als Einfamilienhäuser und die meisten Zweifamilienhäuser in der Regel von Investoren mit anderen Finanzmitteln gebaut.

„Gemäß den Festsetzungen des Bebauungsplans könnten ca. acht bis zehn bislang für Ein- bis Zweifamilienhäuser vorgesehene Grundstücke durchaus auch mit Mehrfamilienhäusern belegt werden“, so Dinkela. Dies sei vor allem auf Grundstücken im Norden des Plangebietes denkbar.

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