Osnabrück  Vivienne Westwood, Piratin der Mode, Aktivistin der Kultur

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 30.12.2022 11:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Auch bei offiziellen Auftritten eigenwillig: Dame Vivienne Westwood (l), mit Camilla, der Ehefrau von König Charles III. Foto: PA Wire
Auch bei offiziellen Auftritten eigenwillig: Dame Vivienne Westwood (l), mit Camilla, der Ehefrau von König Charles III. Foto: PA Wire
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Vivienne Westwood ist tot. Mit ihren schrägen Kollektionen von „Piraten“ bis „Mini Crini“ schrieb sie Modegeschichte. Unvergessen bleibt sie vor allem als mutige Aktivistin der Künste.

Westwood war Punk, Westwood war Reifrock, Westwood war die neue Kokotte. Sonst noch was? Ja, unbedingt, denn Vivienne Westwood war vor allem eines – Freibeuterin der Trends und Stile, Piratin auf den sieben Weltmeeren der Kultur. Es reicht nicht aus, diese Modeschöpferin nachträglich mit dem Stichwort der Postmoderne zu labeln. Vivienne Westwood hat vorgeführt, wie Kultur funktioniert, indem sie kombinierte, was ihren Zeitgenossen nicht passend erschien. Das große optische Überraschungstheater, das war Vivienne Westwood.

Wer sie heute betrauert, müsste sich eigentlich in Scham verneigen. Denn wie kleinlich wirken alle Debatten um richtige oder falsche kulturelle Aneignung angesichts ihres Beispiels. Wer morgen ein Klassiker sein will, hat heute die Regeln zu brechen: Vivienne Westwood hat dieses ewige Gesetz der Künste und ihrer Geschichte bestechend klar und mit nie erlahmender Energie vorgelebt. Ihre Botschaft lautet: Seid mutig, lasst Euch nicht einschüchtern, am wenigsten von all denen, die euch mit Sprechverboten kommen wollen.

Kultur ist ein ewiges Crossover, das nach einer Regel funktioniert: Das Resultat muss überzeugend, weil klar gearbeitet und sinnlich anregend sein. Westwoods Kollektionen wirken wie ein einziger Beutezug. Hochkultur gegen Pop? Kunst gegen Mode? Gab es für sie nicht. Westwood hatte keine Berührungsängste. Sie war mit der Sicherheitsnadel des Punk ebenso befreundet wie mit den Rokoko-Gemälden von Antoine Watteau. Sie war Aktivistin in allem, was sie tat – aber eine mit sicherem Gespür. Sie segelt uns weiter voran: als ewige Piratin der Mode.

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