Hamburg/Flensburg/Schwerin/Osnabrück  Dürfen wieder böllern: Norddeutsche stehen Schlange für Feuerwerk

Kim Patrick von Harling
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Von Kim Patrick von Harling
| 30.12.2022 12:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zum Verkaufsstart von Feuerwerkskörpern standen etliche Menschen wie hier in Hamburg für Böller an. Foto: dpa/Marcus Brandt
Zum Verkaufsstart von Feuerwerkskörpern standen etliche Menschen wie hier in Hamburg für Böller an. Foto: dpa/Marcus Brandt
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Die Bilder wirken für manchen absurd: Für Feuerwerk und Co. stehen die Menschen in ganz Norddeutschland in den frühen Morgenstunden Schlange. An den Verkaufsständen herrscht Partystimmung. Die Polizei erwartet viel Arbeit.

Nach zwei Jahren Böllerverbot aufgrund von Corona lässt es Deutschland spätestens am 31. Dezember wieder krachen. Auch im Norden ist die Euphorie groß in Sachen Feuerwerkskörper zu Silvester. Die Menschen stehen Schlange, in vielen Fällen schon vor den Öffnungszeiten der hiesigen Läden, um die mancher Orts begehrten Böller zu kaufen. Die Polizei stellt sich auf das Schlimmste ein.

„Wir erwarten eine Silvesternacht wie vor der Pandemie“, sagt ein Sprecher der Feuerwehr in Hamburg. Auch die Polizei gehe von einem Silvester wie 2019 aus. Ein Silvester, das noch gänzlich ohne Corona-Sorgen und Co. ins neue Jahr leitete. „Wenn viele Menschen zusammenkommen und Alkohol im Spiel ist, ist es wichtig, dass die Polizei vor Ort ist“, heißt es von der Polizei. Man werde „sehr gut aufgestellt sein“.

„Die Leute haben großes Bedürfnis, wieder zu knallen“, sagte der Geschäftsführer eines Ladens für Feuerwerkskörper in Hamburg-Mitte, Ewald Egg. Von der derzeitigen Krise merke er wenig, seine Umsätze seien auf dem Niveau von 2019. Tatsächlich bildeten sich nahezu gigantisch lange Schlangen zum Verkaufsstart:

Nicht anders ist die Situation in Schleswig-Holstein. Kaum hatte zum Beispiel die Aldi-Filiale an der Hollerstraße in Büdelsdorf am Donnerstagmorgen, 29. Dezember, geöffnet, begann der Run auf Feuerwerkskörper. Einige Kunden füllten einen gesamten Einkaufswagen mit Knallern und Co.:

Auch in Niedersachsen ist die Vorfreude auf die Böllerei groß. Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) mahnte jedoch zur Vorsicht, mit Feuerwerkskörpern dürfe nicht leichtfertig umgegangen werden. Auch die Johanniter warnen vor dem Umgang mit der Pyrotechnik: „Zu den häufigsten Verletzungen zu Silvester zählen Verbrennungen und andere Verletzungen an den Händen bis zum Verlust von Fingern“, warnten die Johanniter. Vor allem mit Blick auf die immer noch hohen Patientenzahlen in Krankenhäusern aufgrund von Corona, RSV und Grippe sind die Mediziner ohnehin schon ausgelastet.

Ein 17-Jähriger hatte zu Silvester wohl einiges vor in Niedersachsen. Der stark alkoholisierte Jugendliche ist in einer S-Bahn in Hannover eingeschlafen. Die Polizei entdeckte bei dem Jugendlichen 15 illegale Böller. Ein Zugbegleiter der S-Bahn in Richtung Flughafen hatte die Beamten in der Nacht zum Donnerstag informiert, da er den schlafenden jungen Mann nicht wecken konnte, wie die Bundespolizei mitteilte.

Der 17-Jährige war nicht in der Lage, Angaben zu seiner Person zu machen und seinen Fahrschein zu zeigen. Deshalb durchsuchten ihn die Beamten und fanden die Feuerwerkskörper, die sie sicherstellten. Ein Atemalkoholtest ergab 1,77 Promille. Die Bundespolizei ermittelt nun wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und übergab den 17-Jährigen seinen Eltern.

In Bremerhaven haben sich am Donnerstag zeitweilig etwa 1500 Menschen am Werksverkauf des Feuerwerksherstellers Comet eingefunden. Diese Schätzung nannte der Geschäftsführer Richard Eickel. Die ersten Kunden seien bereits nach Mitternacht eingetroffen und hätten sich bis zum Verkaufsbeginn um 6 Uhr in der Früh mit Volksmusik die Zeit vertrieben, sagte Eickel. „Es ist wie eine Party-Veranstaltung.“

Die Polizei wird in Norddeutschland vermutlich einiges zu tun haben. Sei es das Abfeuern von Feuerwerkskörpern und Böllern in Ruhezonen, Unfälle mit Knallkörpern oder Auseinandersetzungen zwischen Böller-Fans und -Gegnern.

Neben den Gefahren für Menschen ist die Silvesternacht auch besonders für Tiere und Umwelt belastend. Viele Tiere wie Hunde, Katzen und Vögel können den Lärm der gezündeten Feuerwerkskörper nur schwer ertragen. Auch Wildtiere werden um Mitternacht aus ihrem Rhythmus gebracht. Die Staubbelastung und der anfallende Müll schädigten zudem der Umwelt. Der Nabu Niedersachsen bittet daher um Rücksicht und Vorsicht in der Silvesternacht.

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