Vivienne Westwood  Die Freibeuterin der Trends

Stefan Lüddemann
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Ein Kommentar von Stefan Lüddemann
| 30.12.2022 14:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 1 Minute
Auch bei offiziellen Auftritten eigenwillig: Dame Vivienne Westwood (links), mit Camilla, der Ehefrau von König Charles III. Foto: PA Wire/DPA
Auch bei offiziellen Auftritten eigenwillig: Dame Vivienne Westwood (links), mit Camilla, der Ehefrau von König Charles III. Foto: PA Wire/DPA
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Vivienne Westwood ist tot. Mit ihren schrägen Kollektionen von „Piraten“ bis „Mini Crini“ schrieb sie Modegeschichte. Unvergessen bleibt sie vor allem als mutige Aktivistin der Künste.

Westwood war Punk, Westwood war Reifrock, Westwood war die neue Kokotte. Sonst noch was? Ja, unbedingt, denn Vivienne Westwood war vor allem eines – Freibeuterin der Trends und Stile, Piratin auf den sieben Weltmeeren der Kultur. Es reicht nicht aus, diese Modeschöpferin nachträglich mit dem Stichwort der Postmoderne zu labeln. Vivienne Westwood hat vorgeführt, wie Kultur funktioniert, indem sie kombinierte, was ihren Zeitgenossen nicht passend erschien.

Wer sie heute betrauert, müsste sich eigentlich in Scham verneigen. Denn wie kleinlich wirken alle Debatten um richtige oder falsche kulturelle Aneignung angesichts ihres Beispiels. Wer morgen ein Klassiker sein will, hat heute die Regeln zu brechen: Vivienne Westwood hat dieses ewige Gesetz der Künste und ihrer Geschichte bestechend klar und mit nie erlahmender Energie vorgelebt. Ihre Botschaft lautet: Seid mutig, lasst euch nicht einschüchtern, am wenigsten von all denen, die euch mit Sprechverboten kommen wollen.

Kultur ist ein ewiges Crossover, das nach einer Regel funktioniert: Das Resultat muss überzeugend, weil klar gearbeitet und sinnlich anregend sein. Westwoods Kollektionen wirken wie ein einziger Beutezug. Sie war Aktivistin in allem, was sie tat – aber mit sicherem Gespür. Sie segelt uns weiter voran: als ewige Piratin der Mode.

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