Kolumne „Alles Kultur“  Echt jetzt, noch ein Jahresrückblick?

Annie Heger
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Eine Kolumne von Annie Heger
| 02.01.2023 09:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Annie Heger Foto: privat
Annie Heger Foto: privat
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Zum Jahreswechsel gehören Jahresrückblicke irgendwie dazu. Auch wenn der persönliche selten von weltbewegenden Ereignissen geprägt ist.

Januar, Februar, März, April – die Jahresuhr steht niemals still...

Echt, noch ein Jahresrückblick? Das ist so, als würde ich den Lesenden dieser Kolumne nicht zutrauen, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu laufen , oder? Aber ich selbst liebe Jahresrückblicke.

...Mai, Juni, Juli, August – weckt in uns allen die Lebenslust...

In diesem Jahr habe ich es jedoch beim Schauen von „Album 2022 – Bilder eines Jahres“ im ZDF kaum ausgehalten und musste mich bei den ersten gezeigten Monaten ganz schön zusammenreißen. Ich konnte die Bilder kaum ertragen.

Eine Achterbahnfahrt nur mit Strecken, in denen man so richtig in den Sitz unter die Bügel gedrückt wird. Kennt ihr das? Man hat das Gefühl, die ganze Luft wird aus den Lungen gedrückt und es gibt kaum eine Chance beim Hochfahren im Looping wieder Luft einströmen zu lassen. Das liegt rein wissenschaftlich betrachtet an den g-Kräften. Das sind Belastungen, die auf den Körper in seinem Trägheitsmoment einwirken, wenn sich wie in diesem Fall die Richtung der Geschwindigkeit stark ändert und man mit 4,5-facher Erdbeschleunigung in den Sitz gepresst wird.

...September, Oktober,...

Zur Person

Annie Heger (38), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des „PLATTart“-Festivals.

Meine Luftnot rührte von der Unaushaltbarkeit der Gleichzeitigkeit der Dinge, die um uns geschehen sind. Das Tempo der Grausamkeiten in absurder Abwechslung mit „Geburtstagsparade der Queen“ hat mir die Luft genommen. Yared Dibaba hat sich den Jahresrückblick zur Bühnenshow gemacht und ich durfte Überraschungsgast an einem Abend in Wilhelmshaven sein. Ich kam in dem „Ya(h)redsrückblick“ zweimal dran und so hatte ich Zeit nachzudenken, was ich erzählen würde. Verwirrenderweise kamen mir nur die ganz eigenen Erlebnisse in den Sinn, nicht die großen Räder, nichts Wel - sondern nur mich bewegendes. Aber eigentlich auch ganz klar, denn Revolution, Brände, Inflation und Krieg – das ist alles doch nicht zu fassen.

...November, Dezember – und dann, und dann, fängt das Ganze schon wieder von vorne an?

Kontakt: kolumne@zgo.de

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