Arbeitsstelle in der Natur  Einer der ersten Ranger geht in den Ruhestand

| 02.01.2023 18:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Onno K. Gent war einer der ersten Nationalpark-Ranger in Niedersachsen. Archivfoto: Ortgies
Onno K. Gent war einer der ersten Nationalpark-Ranger in Niedersachsen. Archivfoto: Ortgies
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Onno K. Gent hört nach acht Jahren als Nationalpark-Ranger an der ostfriesischen Küste auf. Nun wechselt der Norder in ein sehr ähnliches Ehrenamt.

Ostfriesland/Wilhelmshaven / HEI/HIB - Schon als Kind war Onno K. Gent vom Wattenmeer und den dort lebenden Tieren fasziniert. Im Jahr 2015 dann wurde dieses Hobby zum Beruf und er wurde einer der ersten zehn Nationalpark-Ranger in Niedersachsen. Ein „Mittler zwischen Mensch und Natur“, wie es schon damals vom Umweltministerium hieß. Mit dem Jahreswechsel beginnt nun für den Norder ein neuer Lebensabschnitt: der Ruhestand. Dem Schutzgebietsbetreuer des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer fällt der Schritt nicht leicht: „Denn es ist eine tolle, erfüllende Tätigkeit“, sagt er.

Für seine neue Stelle in und mit der Natur hängte der Gent damals sogar seinen eigentlichen Job an den Nagel. 35 Jahre war er für die Hannoversche landwirtschaftliche Alterskasse (HlAK) tätig. Der Landwirtschaftsmeister ersetzte den Bauern auf dem Hof, wenn dieser erkrankte. „Das war auch eine sehr spannende Tätigkeit.“ Der Reiz des Neuen aber war größer. Bereut hat Onno K. Gent den beruflichen Umstieg keine Sekunde. „Ich betrachte die Arbeit als ein Privileg.“

Das macht ein Ranger

Aktuell gibt es vierzehn Ranger und Rangerinnen an der niedersächsischen Küste und auf den Inseln und etwa 50 ehrenamtliche Nationalparkwarte. Sie betreuen den mit einer Fläche von 3450 Quadratkilometern zweitgrößten deutschen Nationalpark. Das Gebiet von Onno K. Gent umfasst 70 Kilometer Festlandsküste und reicht von der Emsmündung nahe der Knock über die Krummhörn und die Leybucht bis ins westliche Harlingerland.

Das Aufgabenfeld ist vielfältig. Einen Schwerpunkt bildet die Gebietskontrolle. Gent war fast täglich draußen in seinem Gebiet unterwegs. Er achtete darauf, dass in den Schutzzonen die Wegeregelung eingehalten wurde, Schilder, Infotafeln und andere Kennzeichnungen in Schuss blieben und Störungen der Tier- und Pflanzenwelt unterblieben. „Man muss wissen, was in seinem Gebiet los ist und seine Nase überall haben.“ Verstöße gegen das Nationalpark-Gesetz werden aber nicht direkt geahndet, die Ranger schalten in gravierenden Fällen die Polizei und die Rechtsabteilung der Nationalpark-Verwaltung ein. Im Gegensatz zu anderen Ländern haben die Nationalparkranger keine hoheitlichen Befugnisse.

Kontakt mit Landwirten und Behörden

Eine weitere wichtige Aufgabe sind die Vogelzählungen. „Damit habe ich so manche Excel-Tabelle gefüllt.“ Gent erfasste Brut- und Zugvogelbestände über längere Zeiträume und dokumentierte so die Veränderung des Naturraumes. „Zusätzlich kamen projektbezogene Zählungen dazu beispielsweise bei Eingriffen in den Nationalpark durch Bauarbeiten.“ Zur Arbeit im Büro gehört für Ranger aber auch die Bearbeitung von Anträgen, beispielsweise von Landwirten, die eine Mahd-Freigabe für Flächen im Nationalpark benötigen. „Dann fuhr ich raus und schaute mir das an.“ Wenn keine Vögel brüten oder sonst nichts dagegen spricht, darf der Landwirt mit der Mähmaschine aufs Feld.

Die Zusammenarbeit mit den Bauern in der Region beschreibt Gent als sehr gut. „Vielleicht half es, dass ich selbst vom Fach bin.“ Auch der Kontakt zu anderen Behörden wie den Deich- und Sielachten, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft Küsten- und Naturschutz, Polizei und Wasserschutzpolizei klappt nach seinen Worten „sehr, sehr gut“. Auch deshalb hat ihm seine Arbeit immer Spaß gemacht.

„Rosinante“ hilft bei der PR-Arbeit

Onno K. Gent ist gerne nah dran, weshalb er seine Kontrollfahrten am liebsten mit „Rosinante“ unternahm. So hat der Ranger sein Lastenfahrrad genannt, in Anlehnung an das Reitpferd von Don Quichotte. „Unerschütterlich und folgsam.“ Das ungewöhnliche Lasten-Rad, gewöhnlich vollgepackt mit allen möglichen Dingen, die Gent für den Tag so braucht, war für viele Menschen im Nationalpark Grund, ihn anzusprechen und ins Gespräch zu kommen. „Wenn sie einen damit kommen sehen, haben sie sofort gute Laune.“ Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung zählt nämlich ebenfalls zu den Aufgaben der Ranger. Sie sind für die Nationalparkverwaltung „das freundliche Gesicht des Nationalparks vor Ort“.

Die große Vielfalt ist es, die für Onno K. Gent den Reiz des Berufs ausmacht. „Kein Tag ist wie der andere. Jeder hat neue Herausforderungen.“ Ein weiteres Plus: Er konnte sich seine Arbeit selbst einteilen. Außerdem bot sie ihm die Möglichkeit, einem weiteren Hobby nachzugehen: der Tier- und Landschaftsfotografie. Einige seiner Bilder sind in Publikationen der Nationalpark-Verwaltung zu finden.

Nationalpark verändert sich

Mit der Kamera wird er auch zukünftig die Veränderungen im Nationalpark dokumentieren, denn der Naturraum unterliegt einer Vielzahl von Einflussfaktoren. „Wir haben hier einen extrem dicht besiedelten Raum, dazu kommen jährlich viele, viele Touristen.“ Hinzu kämen Bauvorhaben, wie etwa die Deicherhöhung in der Krummhörn oder die Verlegung von Stromkabeln zu den Offshore-Windparks sowie deren Ausgleichsmaßnahmen. In Campen wurde beispielsweise im Zuge der Deichbaumaßnahme ein altes Spülfeld renaturiert. Durch Sandentnahme und regelmäßigen Überflutungen sollte sich wieder eine Salzwiese bilden. „Das ist eine extrem feine Sache“, urteilt Onno K. Gent.

Deshalb ist er auch schon gespannt darauf, wie sich eine Ausgleichsmaßnahme westlich von Nesse entwickelt. Dort wurden 30.000 Kubikmeter Klei entnommen und 20 Hektar Fläche neu geformt. „Schlagartig hat sich die Vogelwelt verändert“, so Gent. „Dort sind nun Tiere zu finden, die auf dem Festland sonst kaum noch vorkommen.“ Es sei eine „hochspannende Maßnahme“.

Wie man Ranger wird

Die Entwicklung im Nationalpark wird Onno K. Gent künftig zwar nicht mehr im Hauptamt, aber dafür als einer von rund 50 ehrenamtlichen Nationalparkwarten an der niedersächsischen Küste begleiten. Er will in dieser Funktion weiterhin auch Führungen und Exkursionen anbieten, denn die Liebe zur Natur und die Freude darüber, auch zukünftig im Weltnaturerbe Wattenmeer tätig sein zu können, sind ungebrochen.

Imke Zwoch, Sprecherin der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, beschreibt auf Nachfrage die Aufgaben von Rangern und Nationalparkwarten ebenfalls als ähnlich. Wer Wart werden möchte, kann laut ihr Fortbildungen besuchen, um „Zertifizierter Natur- und Landschaftsführer“ zu werden. Auch Bundesfreiwilligendienstler durchlaufen sie. Wer hingegen Ranger werden will, muss vorher einen „grünen Beruf“ erlernt haben wie beispielsweise Landwirt, Gärtner, Förster oder Berufsjäger.

Was Gents bisherige Stelle angeht, so werde diese „zeitnah nachbesetzt“, kündigt Zwoch an. Immerhin sei die Arbeit als Ranger „sehr beliebt“ und die Nationalparkverwaltung bekomme relativ häufig Initiativbewerbungen. „Wir können aber noch weitere gebrauchen“, ergänzt sie.

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