Lebendige Innenstadt  Pop-up-Store in Aurich ist ein teurer Rohrkrepierer

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 06.01.2023 12:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dieses Ladenlokal in der Auricher Burgstraße steht schon lange leer. Fotos: Boschbach
Dieses Ladenlokal in der Auricher Burgstraße steht schon lange leer. Fotos: Boschbach
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Die Stadt Aurich wollte junge Firmen mit der Anmietung eines Ladenlokals auf Zeit beglücken. Doch Angebot und Zielgruppen fanden nicht zueinander.

Aurich/Wiesmoor - Mal testen, ob was geht. So könnte man das Prinzip von Pop-up-Stores umreißen. Diese Geschäfte liegen vor allen Dingen in Großstädten im Trend. Sie haben nur eine begrenzte Zeit geöffnet. Die Bedingungen sind überschaubar, das Risiko auch. Sie richten sich vor allen Dingen an Gründer, an junge Firmen, die sich auf dem Markt etablieren wollen. In Aurich gibt es einen solchen Pop-up-Store seit Juni vergangenen Jahres in der Burgstraße 44. Bisher hat in dem 120 Quadratmeter großen Ladenlokal lediglich ein Unternehmer seine Produkte angeboten. Ein Roboter-Händler hatte sich dort ein paar Tage lang eingemietet. Mehr Frequenz konnte die Stadt Aurich nicht generieren. Ende März läuft der Mietvertrag aus.

Rainer E. Becker hat im August im Auricher Pop-up-Store seine Roboter präsentiert.
Rainer E. Becker hat im August im Auricher Pop-up-Store seine Roboter präsentiert.

„Es war ein Versuch. Manchmal zündet eine Idee, manchmal nicht“, sagte Aurichs Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) auf Anfrage der Redaktion gleichmütig. 30.000 Euro hat die Verwaltung für diesen Rohrkrepierer ausgegeben. So viel Geld hatte Aurich in dem EU-Förderprogramm Perspektive Innenstadt für den Pop-up-Store beantragt. Es war auch bewilligt worden. Vicki Janssen, Aurichs ehemalige City-Managerin, hatte hochfliegende Pläne damit: Es sollte ein pulsierendes Projekt werden und vor allen Dingen Start-ups dazu dienen, erste Schritte in die Selbstständigkeit zu machen.

Marketing auf der Homepage

Wie hat die Stadt den Pop-up-Store vermarktet? Das habe man vor allen Dingen auf der Homepage der Stadt gemacht oder auf anderen Foren im Netz, sagte Horst Feddermann. Dort gibt es Portale, die der Netzwerkarbeit dienen, unter anderem das der Emsachse (www.emsachse.de). Dort wird der Auricher Pop-up-Store so beworben: „Mieten Sie sich den Pop-up-Store für eine gewisse Zeit und probieren Sie sich aus. Gründer haben so die Möglichkeit, ihre Geschäftsidee am Markt zu testen.“ Außerdem hatte Vicki Janssen einige Auricher Geschäftsleute direkt angesprochen, von denen sie wusste, dass es aktuell wegen Straßensanierungsarbeiten Probleme mit der Zugänglichkeit des Geschäfts gibt. Das ist unter anderem bei einigen Händlern an der Fockenbollwerkstraße der Fall. Doch die Angesprochenen haben abgelehnt, weil der logistische und materielle Aufwand für einen solchen Teilumzug einfach zu groß sei, hieß es. Ein Problem war unter anderem die fehlende Ladenausstattung. Die hätte der Mieter auf Zeit jeweils immer mitbringen, aufbauen und dann wieder demontieren müssen. Eine mühevolle Angelegenheit.

Aus diesem und aus anderen Gründen ist die City-Managerin der Stadt Wiesmoor einen anderen Weg gegangen. „Ich habe mir erst junge Firmen gesucht, für die ein Pop-up-Store infrage käme. Dann habe ich Ausschau nach einem geeigneten Ladenlokal gehalten“, sagt Ute Rittmeier. Sie habe tatsächlich Interessenten gefunden und gleich mit ihnen die Frage der Ladenausstattung abgeklärt. „Die Geschäfte haben ihren eigenen Stil, das muss man berücksichtigen“, sagte die 55-Jährige. Das Problem sei jetzt gelöst. Die Mieter auf Zeit kümmerten sich selbst um die Inneneinrichtung. Der Store in Wiesmoor werde noch in diesem Jahr an den Start gehen. Sie wolle erst konkret werden und mehr über das Projekt verraten, wenn die Verträge unter Dach und Fach seien, erklärte sie auf Anfrage der Redaktion.

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Horst Feddermann will das Pop-up-Store-Projekt in Aurich noch nicht komplett als Misserfolg verbuchen. Für ihn gibt es noch einen Hoffnungsschimmer: „Bis Ende März kann das Ladenlokal noch angemietet werden. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass sich jemand meldet und dort übergangsweise seine Produkte präsentiert.“ Ansprechpartner dafür ist der Bürgermeister selbst, und zwar unter der Mailadresse feddermann@stadt.aurich.de oder unter Telefon 04941/121000.