Musikfestival in Wiesmoor Trotz Knatsch im Netz wollen Bands auf die Freilichtbühne
Mit einem Festival will die Stadt Wiesmoor lokale Bands auf die Freilichtbühne bringen. Die reißen sich offenbar um die Chance, auch ohne Gage.
Wiesmoor - Auf die im vergangenen Frühjahr renovierte Freilichtbühne will Wiesmoors Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) mehr Leben bringen. Einer der Pläne dafür ist ein Open-Air-Festival mit lokalen Bands. „Die Idee ist, dass wir als Stadt eine Bühne samt Technik zur Verfügung stellen, und darauf können sich die Künstler dem Publikum vorstellen“, erklärte Lübbers die Pläne im Dezember gegenüber dieser Zeitung. Hiesige Musiker könnten sich vor bis zu 2500 Zuschauern präsentieren und neue Fans gewinnen, die Zuschauer könnten neue Musiker entdecken.
Was und warum
Darum geht es: Bands aus Wiesmoor und umzu wollen auf die Freilichtbühne. Wenn es sein muss, auch für lau.
Vor allem interessant für: Musikfans und lokale Musiker
Deshalb berichten wir: Die Ankündigung des Festivals hatte ein geteiltes Echo ausgelöst. Wir wollten wissen, was daraus geworden ist.
Den Autor erreichen Sie unter: j.schoenig@zgo.de
Anfang Dezember rief die Stadt in den sozialen Netzwerken Bands dazu auf, sich für einen Auftritt zu bewerben. Der Wermutstropfen: Es werde keine Gage gezahlt, da der Eintritt zum Festival für die Besucher frei sein sollte. Nicht nur in der Kulturszene sorgte das für Diskussionsstoff. Auch Musik koste nun einmal Geld, hieß es etwa unter dem entsprechenden Aufruf bei Facebook. Kein Künstler könne nur vom Applaus leben. Insgesamt waren die Reaktionen so negativ, dass die Stadt schließlich den Facebook-Eintrag für Kommentare sperrte.
25 Bands wollen auf die Bühne
Stadtmarketing-Chefin Ute Rittmeier findet es schade, „dass so ein kleiner Aufruf so ein negatives Echo nach sich gezogen hat.“ Man müsse den Sinn des Aufrufs anders betrachten. „Wir wollen für die Künstler etwas Tolles auf die Beine stellen“, so Rittmeier weiter. „Wir stellen dort eine hochprofessionelle Bühne auf, mit ebenso professioneller Tontechnik, mit Security und vielem mehr. Das kostet die Stadt schon eine fünfstellige Summe. Und weil der Eintritt frei sein soll, können wir daraus auch keine Gelder generieren.“ Lediglich Spenden wolle die Stadt sammeln, über Spendenboxen am Eingang und durch die Gastrobetriebe, die auf dem Festival Verpflegung anbieten. „Die Spenden sollen an die Tafel gehen“, erklärt Rittmeier. „Das soll einfach eine Veranstaltung für die Musiker und die Musikfans der Region sein. Die Stadt will sich daran nicht bereichern.“
Die vermeintlich über den Tisch gezogenen Künstler scheinen sich an der fehlenden Vergütung ihrer Kunst unterdessen relativ wenig zu stören. „Die Bands rennen mir die Tür ein“, sagt Rittmeier. Insgesamt 25 Bands und Musiker hätten sich um einen Auftritt beworben. Bis aus dem Oldenburger Raum und dem Emsland seien Anfragen von Künstlern gekommen. „Ich habe jetzt die schwere Aufgabe, zu filtern, wer auftreten darf“, so Rittmeier. „Denn 25 Bands werden wir definitiv nicht schaffen.“ In etwa zwei Wochen soll die Entscheidung darüber fallen. Bis dahin will Rittmeier keine Namen von Bewerbern nennen. Dafür kann sie den Termin für das Festival schon verraten: Am 12. und 13. August soll es stattfinden. „Am ersten Tag sollen Rockbands auftreten, der zweite Tag ist für familienfreundlichere Musik geplant“, sagt Rittmeier.
Anderswo werden Gagen gezahlt
„Gagen zu zahlen ist einfach anständig“, findet dagegen Michael Arzenheimer, Geschäftsführer der Schaufenster Fischereihafen GmbH in Bremerhaven. Sie organisiert seit mehreren Jahren den Bremerhavener Musiksommer, bei dem neben zehn Tribute-Bands auch fünf lokale Bands jedes Jahr im Bremerhavener Fischereihafen auftreten. „Die lokalen Bands erhalten Gagen bis zu 1500 Euro, je nach Größe und Aufwand ihres Auftritts“, sagt Arzenheimer. „Das sind ja alles keine Profis mit großer Technik oder so.“ Auch in Bremerhaven ist der Eintritt zu allen Konzerten frei.
Finanziert wird die Veranstaltung unter anderem durch den Getränkeausschank auf den Konzerten. „Ein Drittel unseres Geldes kommt über die Getränkepreise rein“, schätzt Arzenheimer. „Außerdem sammeln wir Becherpfand bei den Konzerten.“ Darüber hinaus sammelt Schaufenster Fischereihafen über das Jahr Spenden und akquiriert Sponsoren aus der lokalen Wirtschaft. In den vergangenen Jahren gab es außerdem Zuschüsse von der Stadt. Die letzte Veranstaltung vor Corona im Jahr 2019 bezuschusste die Stadt Bremerhaven mit rund 11.750 Euro.
„Im Endeffekt muss man sich aber darüber klar sein, dass so eine Veranstaltung ein Zuschussgeschäft ist“, räumt Arzenheimer ein. „Wenn hier bis zu 4000 Zuschauer in den Fischereihafen kommen, geht es vor allem darum, dass sie einen tollen Abend haben und glücklich vom Platz gehen. Die Stadt tut gut daran, in jeden dieser Menschen mal einen oder zwei Euro zu investieren.“
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