Osnabrück  Potzblitz! Sapperlot! Wie das Erstaunen in der Sprache früher klang

Stefan Lueddemann
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Von Stefan Lueddemann
| 05.01.2023 17:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Das Erstaunen ist das Gleiche geblieben, die Wörter, die man dafür verwendet, nicht. Foto: www.imago-images.de
Das Erstaunen ist das Gleiche geblieben, die Wörter, die man dafür verwendet, nicht. Foto: www.imago-images.de
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Ei der Daus: Alte Wörter und Wendungen sind längst aus der Mode gekommen. Dabei haben sich mit den Wörtern auch Reflexe verändert. Ein Streifzug durch die Sprachgeschichte.

Ist es nicht krass, dass Leute früher mal „Ei der Daus“ sagten, wenn sie ihrem Erstaunen Ausdruck geben wollten? Das war eine durchaus gebräuchliche Formel, die man im Gespräch ganz selbstverständlich von sich gab. Wenn das heute noch einer sagen würde, wäre das durchaus ein „Sapperlot!“ wert. Kleines Problem: Auch das sagt heute fast keiner mehr.

Mit den Wörtern sind die Automatismen und Reflexe geschwunden und ganz nebenbei auch alte Bedeutungen, die sich in solchen Ausrufen verbargen. Erstaunlich genug, wie sehr sich Menschen mit solchen Ausdrücken auch Reflexe abgewöhnen und sich umgekehrt ganz neue aneignen können.

Überhaupt folgen gerade Ausrufe ganz erstaunlichen Moden und Konjunkturkurven. Echt krass: Diesen Ausdruck kannte vor ein paar Jahren noch niemand. Inzwischen hat er die Jugendsprache verlassen und den allgemeinen Sprachschatz erobert. Potzblitz! Oder? Aber diesem Blitz geht es wie dem Sapperlot oder Ei der Daus – keiner sagt es mehr. Ja, mehr noch, viele junge Leute würden bestenfalls noch im Kontext einer Situation verstehen, dass hier einem Erstaunen Ausdruck gegeben werden soll.

Das Wort Daus bezeichnete übrigens die Zahl Zwei und damit eine niedrige Punktzahl im Würfelspiel. Das französische deux und das englische deuce für den Gleichstand im Tennisspiel sind verwandte Wörter. Im Kartenspiel war Daus hingegen ein Synonym für das As und damit wiederum für einen maximalen Wert. So oder so: Mit Ei der Daus war dem Erstaunen plastisch Ausdruck gegeben.

Und Sapperlot? Das kommt vom französischen sacrelotte oder sacredieu, dem heiligen Namen. Potzblitz hingegen ist die Kurzform des alten Fluchs „Gottes Blitz soll Dich treffen!“. So kommen beide Ausrufe des Erstaunens, so verschieden sie klingen, aus der Sphäre der gleichen Bedeutung. Ihre Hintergründe haben hingegen an allgemeiner Verbindlichkeit verloren. Sprachwandel ist sozialer Wandel: Das zeigt auch dieses Beispiel für verschwundene alte Wörter eindrucksvoll. Voll krass, oder?

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