Kommentar zur Woche Der unbeugsame Schlachter aus Ihlow
Seit 1996 darf die Landschlachterei Weber in Ihlow Hausschlachtungen für den Eigenbedarf durchführen. Anfang Dezember hat das Veterinäramt des Landkreises Aurich den Betrieb geschlossen.
Ostfriesen sind manchmal wie die unbeugsamen Gallier in den Asterix-Comics. Auch Hausschlachter Erwin Weber aus Ihlow ist im Kampf gegen die EU-Regularien für Schlachtbetriebe so etwas wie die letzte Bastion seiner Zunft. Er arbeitet nach einem Konzept, das sich über Jahrzehnte aus den 90er Jahren erhalten hat: Ein Hausschlachter, der als Lohnbetrieb Tiere für den Eigenbedarf seiner Kunden schlachtet und zerlegt. Das darf sonst nur auf dem Hof der Besitzer passieren und ist nach EU-Recht verboten. Weber arbeitete dank Sondergenehmigung in einer Grauzone. So umging er einerseits die strikten Vorschriften der EU. Andererseits konnten die Besitzer ihre Tiere, die sie aufgezogen und gepflegt hatten und die sie ernähren sollten, bis in den Tod begleiten. Auch das ist nach EU-Recht in Schlachtbetrieben verboten.
Es wurde lange toleriert, bis das Veterinäramt des Landkreises Aurich im Dezember, acht Jahre vor Webers Ruhestand, den Betrieb schloss. Für die Tiere bedeutete dieser Schlachter in der Nachbarschaft ein stressfreies Ende unter vertrauten Menschen. Das Veterinäramt sah vor allem die Gefahr, das Schlupfloch zu missbrauchen. Das Wohl der Tiere hat es dabei offenbar aus den Augen verloren. Jetzt können Webers Kunden nur hoffen, dass er den richtigen Zaubertrank für das Dilemma findet.
Die Autorin erreichen Sie unter n.boening@zgo.de
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