Tierhof in Wiesmoor Der „Kleine Streuner“ versorgt auch Minischweine
Im Tierhof von Jenny Conrad an der Luisenwieke II in Wiesmoor wird langsam der Platz knapp. Die Hofbetreiberein sucht deshalb nach Interessenten für Tiere.
Wiesmoor - Wenn Jenny Conrad das weitläufige Gehege beim Tierhof „Kleine Streuner“ an der Luisenwieke II in Wiesmoor betritt, kommen etwa 30 Minischweine auf sie zugerannt – bunt gemischt aus verschiedenen Rassen. „Jetzt kann man erkennen, dass Schweine sich nur in Gruppen wohlfühlen. Sie sind eben Rottentiere“, sagt die 39-Jährige, die das alte Landarbeiterhaus samt Areal 2010 erworben und seitdem gemeinsam mit ihrem Lebenspartner zum Tierheim „Kleine Streuner“ aufgebaut hat.
„Daran allein scheitern viele Minischwein-Besitzer, nämlich dass sie das Tier alleine halten wollen. Aber mindestens ein weiterer Artgenosse sollte schon vorhanden sein, und genügend Platz, das schreibt der Tierschutz so vor.“
Minischweine als Modetrend
Minischweine sind voll im Trend: Immer mehr Privatleute liebäugeln mit der Idee, ein kleines Schwein im Haus oder Garten zu halten. Doch viele kommen mit dem Tier dann später nicht zurecht – denn anders als Hund und Katze hat ein Schwein ganz spezifische Ansprüche an seinen Lebensraum. Daran scheitern viele der „Schweinehalter“ – und möchten das Minischwein dann am liebsten in ein Tierheim geben. Aber auch das ist schwierig. In Wiesmoor ist der Tierhof „Kleine Streuner“ eine der wenigen Anlaufstellen – doch auch da wird der Platz inzwischen knapp. Deshalb werden Interessenten gesucht, die Minischweine oder andere Tiere bei sich aufnehmen können.
Als Jenny Conrad, die aus Viersen (Nordrhein-Westfalen) stammt und schon im Elternhaus eine große Tierliebe entwickelte, den Hof in Wiesmoor kaufte, wollte sie ursprünglich Straßenhunde, vornehmlich aus Rumänien, aufnehmen. Daher der Name „Kleine Streuner“. Doch als ihr Tierhof in der Region bekannt wurde, kamen immer mehr Anfragen auch für andere Tiere. Neben den rund 30 Minischweinen leben heute auch Kühe, Hühner, Enten, Schafe, Katzen, Esel, Kaninchen und andere Arten auf dem Hof. Fast jedes Tier hat einen eigenen Namen. So dösen etwa „Ernie“ und „Bert“ entspannt im Stroh – zwei Schweine, die aus einem Versuchslabor gerettet wurden.
Tierheim eilt guter Ruf voraus
Das ist ein Ziel von Jenny Conrad – möglichst viele Tiere aus artfremder, verwahrloster Situation und anderen schlimmen Lagen zu retten. Der Hof „Kleine Streuner“ gehört zum bundesweiten Verbund „Stark für Tiere e.V.“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Tiere, deren Leben oder Wohlergehen bedroht ist, in Obhut zu nehmen, in ein tiergerechtes neues Zuhause zu vermitteln oder dauerhaft zu versorgen, wenn es sich um schwer vermittelbare Tiere handelt. Erst kürzlich hat der „Kleine Streuner“ viele Hühner aus einer Käfighaltung aus der Nähe von Lüneburg bei sich aufgenommen. Dem Tierheim „Kleine Streuner“ eilt offensichtlich ein guter Ruf voraus – kaum anders ist es zu erklären, dass sogar Veterinärämter aus Ostfriesland bei Jenny Conrad anfragen, ob sie verwahrloste Tiere aus wirtschaftlichen Betrieben aufnehmen kann. „Wir kooperieren auch mit Landwirten, die nicht mehr weiterwissen“, sagt Conrad. Andererseits beklagt sie, dass der Tierhof nicht selten von den Behörden gegängelt und oft kontrolliert werde.
Der Tierhof macht viel Arbeit und verursacht hohe Kosten. „Wir versuchen, uns durch Spenden und den eigenen Einsatz über Wasser zu halten“, sagt die 39-Jährige, die auch noch als Tagesmutter arbeitet. „Fast alles, was wir verdienen, stecken wir in den Hof.“ Seit kurzem spenden auch Tafeln und Supermärkte Reste von frischen Lebensmitteln an den Tierhof. Der „Kleine Streuner“ ist auf Spenden und auf Patenschaften angewiesen. Und darauf, dass sich Tiere vermitteln lassen, wie etwa die Minischweine. Nur eines muss einem möglichen neuen Besitzer klar sein: „Wir vermitteln keine Tiere für die Schlachtung. Tiere sind keine Nahrung, sondern Lebewesen, die nicht als Essen auf den Teller gehören.“ Jenny Conrad erzählt gerne von einem Trupp ungarischer Arbeiter, die in der Luisenwieke II die Glasfaserleitungen verlegten: „Die wollten für ihr abendliches Grillfest ein Schaf von mir kaufen – das habe ich natürlich abgelehnt.“
Auch kleine Schweine brauchen viel Platz
Der Tag im Tierheim beginnt früh. Die ganze Schar wartet bereits ungeduldig auf die tägliche Fütterung, Bewegung und Beschäftigung. Die Ställe müssen ausgemistet, neu eingestreut werden. Die Minischweine bekommen ihre Portion „Minipig-Müsli“ – denn längst haben Tierfutter-Produzenten diesen Markt entdeckt. „Eine leckere und ausgewogene Ernährung voller Vitamine und Nährstoffe trägt zu einem glücklichen Leben bei“, werben sie. Doch die Tiere brauchen auch Platz, um in der Erde zu wühlen und sich im Schlamm zu suhlen. Bei einem Gang durch Ställe und Gehege an der Luisenwieke II kann man unschwer erkennen: So fühlen sich die Tiere „sauwohl“.
Wer ein Tier bei sich aufnehmen möchte, kann sich über den Tierhof „Kleine Streuner“ auf Facebook informieren unter: www.facebook.com/jennydarnoc/