Großer Drogenprozess in Oldenburg  Hat ein 32-Jähriger fast täglich mit Drogen und Waffen gehandelt?

Franz-Josef Höffmann
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Von Franz-Josef Höffmann
| 06.01.2023 18:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Verhandelt wird am Landgericht Oldenburg. Foto: Dittrich/DPA
Verhandelt wird am Landgericht Oldenburg. Foto: Dittrich/DPA
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In Oldenburg hat ein Prozess gegen eine Drogenbande begonnen. Dabei geht es nicht nur um den Handel mit Kokain und Chrystal Meth, sondern auch um Waffen.

Oldenburg - Bandenmäßiger und teils bewaffneter Handel mit Rauschgift in großen Mengen wird zwei Männern aus Rotenburg und Spanien vorgeworfen, gegen die seit Freitag am Oldenburger Landgericht verhandelt wird. Eine 27-jährige Frau aus Rotenburg ist wegen Beihilfe bei einigen der Taten angeklagt. In dem 32-jährigen Angeklagten aus Rotenburg sieht die Anklage den Haupttäter. Er soll nicht nur mehrere 100 Kilogramm Rauschgift – Marihuana, Haschisch, Kokain, Amphetamine und Chrystal Meth – aufgekauft und in Delmenhorst, Oldenburg und Verden verkauft haben. Er soll auch mit Maschinenpistolen gehandelt haben. Auf die Art soll er knapp eine Millionen Euro eingenommen haben.

Der Mann betrieb den Ermittlungen zufolge seine Geschäfte äußerst professionell. Mehrere konspirative Wohnungen in Delmenhorst und Bremen waren angemietet worden. Von dort aus soll der 32-Jährige seine Drogen- und Waffengeschäfte betrieben haben. Laut Anklage war er im Jahr 2020 fast täglich mit illegalem Handel beschäftigt. In Einzelfällen soll er bis zu 100 Kilogramm Rauschgift aufgekauft und dann schnell wieder verkauft haben. Um immer über genügend Drogen zu verfügen, hatte die Bande in Verden in einer stillgelegten Tischlerei eine eigene Drogenplantage betrieben.

Ermittler hörten Telefonate ab

Das aber brachte nicht die Menge, die der 32-Jährige benötigte. So wurde laut Anklage der Schmuggel von einer Tonne Marihuana aus Spanien organisiert. Der Angeklagte muss sich äußerst sicher gefühlt haben. Er telefonierte und schrieb mit seinem Handy ganz offen und detailliert über seine Drogen- und Waffengeschäfte – besaß er doch ein scheinbar abhörsicheres Handy des Herstellers Encrochat. 2020 war es aber französischen Behörden gelungen, den Server von Encrochat zu knacken. Fortan konnten weltweit Gespräche von Schwerstkriminellen abgehört werden. Auch die Gespräche des Angeklagten wurden abgehört. Der Schmuggel der einen Tonne Marihuana scheiterte. Die Fahrt aus Spanien endete in Frankreich.

Für den Angeklagten steht einiges auf dem Spiel – auch für den 35-jährigen Mitangeklagten. Die beiden Männer hatten in ihrer konspirativen Wohnung in Bremen nicht nur Drogen gelagert, sondern auch Waffen, darunter einen Trommelrevolver und Baseballschläger. Für bewaffnetes Handeltreiben mit Drogen droht eine Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis.

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