Infoveranstaltung geplant  Masterplan Greetsiel soll an Fahrt aufnehmen

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 07.01.2023 12:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der neue Bebauungsplan für den Bereich Klaus-Störtebeker-Weg/Edzard-Cirksena-Straße steht kurz vor dem Abschluss. Archivfoto: Privat
Der neue Bebauungsplan für den Bereich Klaus-Störtebeker-Weg/Edzard-Cirksena-Straße steht kurz vor dem Abschluss. Archivfoto: Privat
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Der Masterplan Greetsiel soll dabei helfen, den zeitweilig überlaufenen Ortskern zu entlasten. Bald sollen dafür auch die Einheimischen zu Wort kommen.

Greetsiel - Seit anderthalb Jahren fordert die Freie Bürgerliste Krummhörn (FBL) einen Masterplan für Greetsiel. Er soll als Leitfaden dienen, wie sich der Ort in den nächsten Jahren entwickelt. Auch eine andere Bauordnung fordert die Wählergemeinschaft für das Fischerdorf. Nachdem der Gemeinderat im September 2021 der Erstellung eines solchen Plans zustimmte, ist es darum zwar wieder ruhig geworden. Das soll sich nun allerdings ändern, kündigt die FBL-Vorsitzende Heiko Ringena auf Nachfrage unserer Zeitung an.

Was und warum

Darum geht es: Bald soll es eine erste Infoveranstaltung mit Einheimischen geben, um den Masterplan Greetsiel mit Leben zu füllen. Das ist aus Sicht der FBL aus verschiedenen Gründen wichtig.

Vor allem interessant für: Bewohner von Greetsiel

Deshalb berichten wir: Wir haben mit Heiko Ringena in seiner Funktion als Ratsvorsitzender über wichtige Themen gesprochen, die im neuen Jahr in der Krummhörn anstehen. Dabei kam er auch auf Ziele seiner eigenen Fraktion zu sprechen.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Laut ihm kamen inzwischen seine Fraktion und die Gemeindeverwaltung zusammen und entschieden sich dazu, nach einem externen Berater Ausschau zu erhalten. Er soll den Planungsprozess begleiten und auch leiten. Ein paar Namen seien bereits gefallen, aber die Verwaltung wolle die Personalie klären. Sobald jemand bestimmt worden ist, soll es eine erste Informationsveranstaltung geben, wo man sich mit der Öffentlichkeit über die Inhalte des Masterplans austauschen will.

Einheimische sollen mitwirken

So gebe es zwar „alle möglichen“ Studien hinsichtlich des Tourismus. Die Bewohner fänden sich darin aber nicht wieder. „Greetsiel soll auch für sie lebenswert sein und das kommt bislang zu kurz.“ Nun gebe man ihnen die Möglichkeit, zumindest ein Stück weit mitzugestalten, erläutert der Fraktionsvorsitzende. Während der Treffpunkt für die Versammlung mangels großer Veranstaltungsorte noch nicht feststehe, hat Ringena jedoch bereits eine zeitliche Vorstellung. Er hofft auf einen ersten Austauschtermin noch vor Ostern, auch wenn die Gemeinde das noch nicht zusichern kann. „Dafür ist der gesamte Prozess zu komplex“, gibt Gemeindesprecher Fritz Harders auf Nachfrage zu bedenken.

Wie eingangs erwähnt, soll neben der Urlauberlenkung aber auch das Thema Bauordnung Bestandteil des Masterplans sein. Konkret geht es um die Vielzahl an Wohnblöcken für Feriengäste. Für diese Blöcke wurden in den vergangenen Jahren immer wieder große Grundstücke mit älteren Einfamilienhäusern aufgekauft, um diese abzureißen und die Flächen stärker zu bebauen. Das sorgt nicht nur in den Augen der FBL für immer mehr Entfremdung der Einheimischen zum eigenen Heimatort, sondern auch für immer zugeparktere Straßen.

Weitere Wohnblöcke sollen verhindert werden

Um der Situation Einhalt zu gebieten, setzte die Wählergemeinschaft durch, dass ein erster Bebauungsplan an einem besonders von dieser Entwicklung betroffenen Bereich verändert wird. Das soll dabei helfen, an der Klaus-Störtebeker-Weg und der Edzard-Cirksena-Straße weitere große Wohnblöcke zu verhindern. Gleichzeitig soll es durch die Abänderung des Plans für einige Vermieter mehr Rechtssicherheit geben, deren Ferienunterkünfte bislang eigentlich illegal beziehungsweise nicht genehmigungsfähig waren. Wenn sie weiterhin vermieten möchten, müssen sie dann eine Nutzungsänderung beantragen, schreibt Gemeindesprecher Harders.

Allerdings kostet die Änderung nur eines einzigen Bebauungsplans laut Ringena schon mal 40.000 bis 50.000 Euro und ist aufwendig. Deshalb beschloss der Rat vor knapp einem Jahr nicht nur die B-Plan-Änderung, sondern auch eine Veränderungssperre. Die Gemeinde erhielt dadurch zwei Jahre Zeit, in denen die Bauvorhaben von allen Investoren auf Eis gelegt sind.

Laut Ringena liegt nun ein Entwurf des neuen Bebauungsplans vor. „Es sind nur noch ein paar Veränderungen nötig, bevor er in die politischen Gremien geht.“ Gemeindesprecher Harders bestätigt das: „Wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt, könnte das von der Gemeinde beauftragte Planungsbüro das Ergebnis in der übernächsten Sitzung des Infrastruktur-Ausschusses vorstellen.“

Notfalls gilt die Salamitaktik

Es gibt aber auch noch ein zweites laufendes Verfahren. So stimmte vor einem Monat die Ratsmehrheit der FBL zu, die aus denselben Gründen wie im ersten Fall auch für die Straßen „Pilsumer Weg“, „Pferdekoppel“ und „Boomstroat“ einen neuen Bebauungsplan möchte. Nach und nach sollen auch alle weiteren B-Pläne in dem Fischerdorf unter die Lupe genommen und angepasst werden. Wo es sie noch nicht gibt, sollen sie erstellt werden, so die Forderung. „Wir hoffen immer noch darauf, dass wir mehrere Pläne als Paket bündeln können“, so Ringena. Da der Änderungswunsch immer derselbe sei, könne man dadurch vielleicht Zeit und Geld sparen, hofft er. Harders schreibt dazu, dass Bündelungen in Einzelfällen in der Tat geprüft werden. „Die Erfahrung zeigt aber, dass die Gebiete vielfach zu unterschiedlich sind und die Baugebiete deshalb einzeln zu berücksichtigen sind.“

Auch wenn es darum so kompliziert und teuer wie befürchtet werden sollte: Ringena betont die Wichtigkeit dieser Maßnahme. Das sei nun mal die Konsequenz dafür, dass in den vergangenen 30 Jahren nichts gegen den Wildwuchs unternommen worden sei und man die Augen davor verschlossen habe, ärgert er sich. „Wenn wir jetzt Stück für Stück nach Salamitaktik verfahren müssen, dann ist das eben so“, findet er. Vielleicht müsse man sogar noch einen Schritt weiter gehen und neben Greetsiel auch noch weitere Krummhörner Dörfer unter die Lupe nehmen. „Ich befürchte, dass es dort ähnliche Probleme geben wird.“ Auch andernorts fehlten aber gerade in den Kernbereichen der alten Dörfer die Bebauungspläne.

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