Hamburg Kampfpanzer für die Ukraine: Warum der Druck auf Berlin in Sachen Leopard 2 jetzt wächst
Es könnte ein Gamechanger sein: Die Briten erwägen als erstes Nato-Land offenbar, der Ukraine Kampfpanzer vom Typ Challenger 2 zu liefern. Kommt bald auch der Leopard 2?
Noch bleibt Berlin bei seinem Nein zu Kampfpanzern. Der Widerstand könnte jetzt aber bröckeln: Denn mit den britischen Überlegungen, der Ukraine Kampfpanzer des Typs Challenger 2 zu liefern, fällt ein gewichtiger Grund für die deutsche Zurückhaltung weg. Die anderen würden ja auch nicht liefern, hieß es immer aus der Bundesregierung, darüber könne man nur gemeinsam entscheiden.
Auf Twitter heißt der Hashtag der Panzerbefürworter unterdessen #FreeTheLeopards. Der Leopard 2, dessen Lieferung auch hierzulande Verteidigungspolitiker wie Marie-Agnes Strack-Zimmermann und andere Experten schon länger fordern, wäre wohl am besten geeignet, um den Kampf der Ukrainer zu unterstützen. Denn er hat einige unschlagbare Vorteile gegenüber den anderen im Bündnis vorhandenen Panzern wie etwa dem französischen Leclerc oder dem amerikanischen Abrams.
Der Leopard 2 ist ein Exportschlager und wird in 18 Nationen weltweit verwendet. In Europa nutzen ihn unter anderem Schweden, Dänemark, Polen, Finnland, Spanien und Griechenland. Das bedeutet: Der Leopard 2 ist nicht nur hundertfach in Europa vorhanden, sondern auch das Knowhow und die räumliche Nähe und Infrastruktur, um ihn warten und reparieren zu können. Über 2000 Stück besaß einst allein die Bundeswehr – heute sind es noch um die 300.
Seine Beliebtheit resultiert aus seiner Mischung aus Durchschlagskraft und hohem Schutz. Mit seinen 1500 PS erreicht er eine Geschwindigkeit von 68 Km/h, verbraucht dabei allerdings fünf Liter – auf einem Kilometer.
Mit entsprechender Zusatzausstattung ist er watfähig bis zu vier Metern Wassertiefe. Er ist voll nachtkampffähig und hat eine Kampfentfernung von bis zu fünf Kilometern Reichweite.
Seine Hauptbewaffnung besteht aus einer 120 Millimeter-Glattrohrkanone. Die sorgt für eine hohe Geschossgeschwindigkeit und ist weniger anfällig für Verschleiß als etwa gezogene Läufe, die auch schwerer zu reinigen sind. Betrieben wird der Leopard 2 von vier Soldaten: dem Kommandanten, dem Fahrer, dem Richtschützen und dem Ladeschützen.
Der jetzt zugesagte Schützenpanzer Marder allein reicht außerdem nicht. Gedacht ist er nach dem Konzept der „verbundenen Waffen“ eigentlich dafür, hinter dem Leopard 2 die Infanteristen sicher ins Gefecht zu bringen.
Lesen Sie auch: Neuer Schützenpanzer Puma: Wie groß sind die Probleme wirklich?
Im Kalten Krieg war das „Gefecht der verbundenen Waffen“ ein Kernelement der Nato-Strategie, um vor allem zahlenmäßig überlegene gepanzerte Verbände durch das Zusammenwirken verschiedener Waffengattungen effizient bekämpfen zu können. Genau darauf kommt es jetzt in der Ukraine tatsächlich an – die Rufe nach dem Leopard 2 werden daher auf absehbare Zeit eher lauter werden.