Im Vergleich  So hoch ist der Dispo-Zins der ostfriesischen Banken

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 10.01.2023 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wenn das Konto im Minus ist, berechnet die Bank Dispo-Zinsen. Foto: Wylezich/Stock.adobe.co
Wenn das Konto im Minus ist, berechnet die Bank Dispo-Zinsen. Foto: Wylezich/Stock.adobe.co
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Wenn das Konto ins Minus rutscht, werden Dispo-Zinsen berechnet. Was verdienen ostfriesische Banken daran? Wir haben die Werte verglichen.

Ostfriesland - Das Monatsende ist da und die Schrift auf dem Kontoauszug ist rot. Oder vor der Zahl ist ein kleines Minus zu sehen. Trotzdem kann man die Tankfüllung oder das Brötchen beim Bäcker noch bezahlen: Denn ist das Konto überzogen, springt der Dispo-Kredit ein.

Was und warum

Darum geht es: Das Konto rutscht ins Minus und schon werden Dispo-Zinsen berechnet. Die ostfriesischen Banken liegen mit ihren Werten leicht über den Durchschnitt.

Vor allem interessant für: Bankkunden

Deshalb berichten wir: Die Lebenshaltungskosten steigen, immer mehr Verbraucher rutschen am Ende des Monats ins Minus.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Doch das ist kein einfacher Bonus der Banken. Wer ein Girokonto hat, kann es in der Regel bis zu einer festgelegten Summe überziehen. Nehmen Verbraucher den Kredit in Anspruch, müssen sie dafür in den allermeisten Fällen Zinsen zahlen. Das kann Verbraucher in Zeiten hoher Teuerungsraten zusätzlich in Bedrängnis bringen. „Ich vermute, dass manche Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts der steigenden Inflation schneller in den Dispo rutschen werden als in der Vergangenheit“, sagte Heike Nicodemus von der Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest der Deutschen Presse-Agentur.

Dispozinssätze gestiegen

Gerade in Zeiten hoher Inflation droht das laufende Einkommen in manchen Fällen nicht zu reichen. Bei einer Befragung im Auftrag der Auskunftei Schufa Anfang Oktober gab die Hälfte der Verbraucherinnen und Verbraucher an, in den vergangenen sechs Monaten bereits auf Rücklagen zurückgegriffen zu haben. 24 Prozent der rund 1000 Befragten sagten, dass sie in diesem Zeitraum ihr Konto überzogen hätten. Ein Viertel zögerte die Zahlung von Rechnungen hinaus – bis zur Zahlungsfrist oder sogar darüber hinaus.

Nach Daten des Verbraucherportals Biallo sind die Dispo-Zinssätze gestiegen. Dem Portal zufolge wurden in diesem Fall nach Daten von knapp 1200 ausgewerteten Geldhäusern im Schnitt Dispo-Zinsen von 10,07 Prozent fällig (Stand: Oktober 2022).

Ostfriesen über Durchschnitt

Wie sieht es mit den Banken in Ostfriesland aus? Die liegen leicht über dem Durchschnitt. So liegt der durchschnittliche Standardzins für Dispositionskredite im Privatkundengeschäft bei der Oldenburgischen Landesbank (OLB) aktuell bei 11,41 Prozent. Die Dispo- und Überziehungskreditzinsen sind je nach Kontomodell unterschiedlich und beginnen bei 10,49 Prozent, teilt die Ostfriesische Volksbank (OVB) mit. Die Sparkasse Leer-Wittmund berechnet ihren Privatkunden einen einheitlichen Dispozinssatz von zurzeit 11,05 Prozent.

Während bei der Sparkasse nach eigenen Angaben der Zinssatz seit Jahren konstant ist, haben die OVB und die OLB um den Jahreswechsel den Zinssatz. Die OVB erhöhte um 0,5 Prozent, die OLB um 0,04 Prozent. „Dispozins ist immer an einen Referenzzins gekoppelt. Bei uns konkret an den Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Zinsentscheidungen der EZB wirken sich somit direkt auf unseren Dispozins aus“, begründet die OVB diesen Schritt.

Verbraucherschützer fordern Deckel

Verbraucherschützern zufolge sind zu hohe Dispo-Zinsen schon lange ein großes Ärgernis für Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie fordern einen Zinsdeckel. Eine Anpassung der Zinsen nach unten wegen steigender Lebenshaltungskosten ist bei den ostfriesischen Banken aber dennoch nicht geplant. „Die Sparkasse ist grundsätzlich in engem Kontakt mir ihren Kunden. Bei auftretenden Problemen wird im gemeinsamen Gespräch eine individuelle Lösung gesucht und in der Regel auch gefunden. Das ist dann für die Kunden auch leistbar und vor allen Dingen bezahlbar“, teilt die Sparkasse mit. Sie betont, ein Verbraucher immer den Kontakt zu ihren Beratern suchen sollten, um hohe Kosten zu vermeiden und frühzeitig Lösungen zu finden. Die OLB erklärt, dass seitens des Kreditinstituts die Zinsanpassungen in den letzten Monaten teilweise geringer erfasst wurden als im Branchenvergleich, um Kunden nicht zu sehr zu belasten. „Wir gehen rechtzeitig auf unsere Kunden zu und besprechen gemeinsam die weitere Vorgehensweise, wenn wir sehen, dass der Dispositionskredit überdurchschnittlich genutzt wird“, teilt die OLB mit.

Kündigungen von Konten, weil der Dispo nicht mehr beglichen werden konnte, gab es aber bei allen drei Banken auch nicht. Mit Material von dpa

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