Trotz Preisexplosion Gemeinden verkaufen weiter munter Bauland
Nie war es so teuer, ein Eigenheim zu bauen. Die Gemeinden im Landkreis Leer wollen trotzdem weiter Grundstücke verkaufen – und sind sich sicher, dass sie sie loswerden.
Landkreis Leer - Die Preise für Neubauten sind zuletzt drastisch in die Höhe geschossen. Das Statistische Bundesamt meldete für November 2022 gegenüber dem Vorjahr einen Preisanstieg von 16,9 Prozent. Obendrein nagt die Inflation am Geldbeutel der Ostfriesinnen und Ostfriesen. Alois Bröring, Bauunternehmer aus Leer, mahnte bereits im Herbst: „Privatbau kann keiner mehr bezahlen.“ Grund seien nicht nur die drastisch gestiegenen Preise, sondern auch die Lage an den Finanzmärkten. Die Zinsen steigen und die Banken geben weniger Kredite. Auch die Zahlen vom Bauamt des Landkreises Leer zeigten zuletzt eine klare Tendenz. Die Zahl der Bauanträge sank 2022 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 20 Prozent.
Was und warum
Darum geht es: Die hohen Preise halten viele Ostfriesen nicht vom Bauen ab.
Vor allem interessant für: Eigenheimbesitzer und solche, die es werden wollen
Deshalb berichten wir: Derzeit entstehen mehrere neue Baugebiete in Hesel und Uplengen. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
Trotzdem: Es finden sich in Ostfriesland offenbar nach wie vor genügend Menschen, die bereit sind, sich in diesen Zeiten auf einen Hausbau einzulassen. In vielen Gemeinden des Landkreises Leer entstehen derzeit Baugebiete. Jüngstes Beispiel sind neue Bauplätze, die in Schwerinsdorf erschlossen werden. Bei sieben Bauplätzen könne schon in diesem Monat der Verkauf notariell beurkundet werden, erklärt Bürgermeister Andreas Rademacher (CDU). Und weitere Grundstücke sollen folgen. Ende Dezember machte die Samtgemeinde Hesel eine weitere geplante Änderung des Bebauungsplanes bekannt.
Nachfrage weiterhin ungebrochen groß
„Bedarf ist auf jeden Fall da“, betont Rademacher. Mangels Flächen hätten viele Schwerinsdorfer über Jahrzehnte auf andere Gemeinden ausweichen müssen, um sich ihren Traum vom Eigenheim zu erfüllen. „Das hat der Dorfentwicklung nicht gutgetan“, sagt der Bürgermeister. Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten sorgt er sich keineswegs, dass die Gemeinde am Ende auf ihren neuen Bauflächen sitzenbleiben könnte. „Wir sind uns sicher, dass trotz der gestiegenen Baukosten die Nachfrage nach den Grundstücken weiterhin ungebrochen groß sein wird.“
Damit das gelingt, soll auch das Dorfleben weiter gestärkt werden. „In Schwerinsdorf gibt es immer noch sehr viele dörfliche Vereine, die großartige Arbeit leisten“, sagt der Bürgermeister. So wolle der SV Stern Schwerinsdorf ab dem Frühjahr eine Sportarena bauen. „Ferner wird auch im Frühjahr in der Ringstraße auch mit Fördermitteln ein generationsübergreifender Spiel- und Treffpunkt entstehen“, erklärt Rademacher.
Bürgermeister sind zuversichtlich
Ganz ähnlich sieht es im benachbarten Firrel aus. Auch dort entsteht Bauland. Bürgermeister Johannes Poppen hatte zuletzt das Ziel ausgerufen, die 1000-Einwohner-Marke zu knacken. Wesentlicher Baustein auf dem Weg zu dieser Marke soll ein neues 4,3 Hektar großes Wohngebiet werden. Auch Poppen ist zuversichtlich, dass sich dafür genügend Interessenten finden werden. „Wir sind sehr froh über die Bauplätze“, so Poppen. „Wir hatten in der Gemeinde längere Zeit keine Baugrundstücke mehr zu verkaufen.“
Es gebe bereits einige Bewerber, verriet er vor einem Monat. Zielgruppe für das neue Wohngebiet sollen gerade auch junge Familien sein. „Wenn wir unsere Ziele als Gemeinde erreichen wollen, brauchen wir Familien mit Kindern“, so der Bürgermeister.
Baufreudig war in den vergangenen Jahren auch die Gemeinde Uplengen. In mehreren Ortsteilen entstanden Baugebiete, das prominenteste direkt am Nordgeorgsfehnkanal in Remels. Doch auch in Uplengen ist der Bau-Boom noch keineswegs vorbei. „Wir werden auch im Jahr 2023 mehrere Baugebiete vermarkten“, erklärt Bürgermeister Heinz Trauernicht (parteilos). Die Verwaltung werde aber abwägen und den Schwerpunkt auf kleine Baugebiete setzen. „Ich gehe sehr davon aus, dass wir die Bauplätze mit einer Bauverpflichtung von drei Jahren an den Mann oder an die Frau bringen“, zeigt sich Trauernicht zuversichtlich.