Wohnraum ist knapp Container als Flüchtlingsunterkünfte – auch in Ostfriesland
Aktuell kommen weniger Geflüchtete in Ostfriesland an als vor ein paar Monaten. Doch es laufen Vorbereitungen, um noch mehrere Tausend Menschen aus der Ukraine und anderen Ländern aufnehmen zu können.
Ostfriesland - Wie viele Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine leben in Ostfriesland – wie viele müssen noch untergebracht werden? Eine Umfrage unter den Verwaltungen der Landkreise Aurich, Leer und Wittmund sowie der Stadt Emden hat ergeben, dass in Ostfriesland derzeit keine Container-Siedlung in einer Größenordnung wie das „Dorf Edewecht“ geplant ist. Allerdings gibt es ein Projekt in Aurich, das die Dimension des Ammerländer Vorhabens mit seinen 480 Plätzen sogar toppt.
Wie ist die Situation im Landkreis Wittmund?
„Es gibt bereits seit dem vergangenen Jahr eine Container-Unterkunft in Esens, unser Willkommenszentrum 2“, teilt die Wittmunder Kreisverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung mit. Das Zentrum Nummer 1 sei ein ehemaliges Alten- und Pflegeheim in Wittmund. Die Esenser Einrichtung, die Platz für rund 50 Geflüchtete biete, sei allerdings „derzeit aus ökonomischen Gründen geschlossen“. Denn die Verwaltung bewertet die Lage als „relativ entspannt“, da zuletzt keine Geflüchteten mehr zugewiesen worden seien. Auch dezentrale Unterkünfte der Gemeinden im Landkreis Wittmund seien momentan verfügbar. „Eine weitere Container-Unterkunft ist unsererseits derzeit nicht geplant“, so die Kreisverwaltung.
Was und warum
Darum geht es: Um die Flüchtlingslage in Ostfriesland.
Vor allem interessant für: Nutzer von Gebäuden wie Turnhallen, die zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert wurden.
Deshalb berichten wir: Weil der Landkreis Ammerland ein Container-Dorf für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine baut, haben wir bei den zuständigen Verwaltungen in Ostfriesland nachgefragt, ob sie ähnliches planen. Den Autor erreichen Sie unter: a.ellinger@zgo.de
Die Ausländerbehörde habe „bisher 1035 Ukrainer im Landkreis Wittmund registriert“. Seitens des Landes Niedersachsen seien rund „25 Prozent der für uns errechneten Aufnahmequote zugewiesen worden“. Abseits der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ist das „Zuweisungsgeschehen aus anderen Staaten“ laut Kreisverwaltung „sehr moderat“.
Wie ist die Situation im Landkreis Leer?
Zum 1. Januar lebten im Landkreis Leer 2016 Menschen aus der Ukraine, wie die Kreisverwaltung informiert. „Einige Flüchtlinge, die zunächst in den Landkreis Leer gekommen sind, haben aber mittlerweile anderweitig eine Unterkunft gefunden oder sind in ihre Heimat zurückgekehrt.“ Und: „Es wurden seit Wochen keine Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine mehr zugewiesen.“ Vor diesem Hintergrund wird derzeit „keine Containersiedlung für Flüchtlinge geplant“.
Der Landkreis halte aber weiterhin Notunterkünfte vor, schreibt die Kreisverwaltung. Für Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine gebe es eine „Gesamtquote“. Demnach müsse der Landkreis Leer ab dem 27. September 2382 Personen aufnehmen. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres seien allerdings nur 50 Asylbewerber beziehungsweise afghanische Ortskräfte dazugekommen. „Damit ist die Zahl gegenüber den vorherigen Quartalen stark zurückgegangen, als zwölf Asylbewerber pro Woche zu uns kamen“, so die Kreisverwaltung. „Die weitere Entwicklung können wir derzeit – auch nach Rückfrage beim Land – nicht absehen.“
Wie ist die Situation im Landkreis Aurich?
Der Landkreis Aurich hat laut dortiger Kreisverwaltung vom 1. August 2021 bis zum 30. September 2022 – also in 14 Monaten – 3155 Geflüchtete aufnehmen müssen. Allerdings ist diese Quote offenbar noch nicht erfüllt. Die verbleibenden Personen und 1731 weitere sind für den Zeitraum bis 31. März einkalkuliert. Derzeit kämen wöchentlich durchschnittlich 36 Geflüchtete in den Landkreis, überwiegend aus der Ukraine, aber auch aus anderen Ländern wie Syrien und Afghanistan. „Der Landkreis Aurich hat auf dem Gelände der ehemaligen ,Internationalen Gärten’ in Aurich bereits ein Container-Dorf errichtet“, berichtet die Kreisverwaltung – „wenn auch mit geringeren Ausmaßen als es die Ammerländer offenbar planen.“
Ein Hauptaugenmerk bei der Unterbringung von Geflüchteten gilt der ehemaligen Blücherkaserne in Aurich. „Hiervon erwarten wir eine erhebliche Entspannung der Unterbringungssituation“, so die Verwaltung. Im „Divisionsgebäude 14“ sollen demnach rund 300 Plätze entstehen und davon 150 ab Ende Januar belegt werden können. In den „H-Gebäuden“ 11 und 12 sollen weitere 300 Leute unterkommen, die Planung zielt auf Ende August ab. Hinzu komme der Container-Standort „Kaserne“ mit rund 45 Plätzen. Für weitere Container mit 45 Plätzen laufe die Standortsuche. Außerdem gebe es eine Preisanfrage für 100 Container, wobei Bestellung und Standort noch offen seien.
Wie ist die Situation in der Stadt Emden?
„Aktuell haben wir in Emden circa 1100 Flüchtlinge aufgenommen, davon etwas über 900 Ukrainer*innen“, schreibt die Stadtverwaltung. Die anderen kämen „aus verschiedensten anderen Gebieten“ wie Syrien, Afghanistan und Afrika. Neu ankommende Flüchtlinge würden derzeit in der Nordseehalle und in der Barenburgschule aufgenommen. Aber: „In den letzten Wochen haben wir keine Zuweisungen erhalten, da wir unsere Aufnahmequote bereits zu circa 60 Prozent erfüllt haben und viele Kommunen noch deutlich unter diesem Prozentsatz liegen.“ Falls es bei der bestehenden Aufnahmequote bleibe, „müssen wir noch circa 160 Flüchtlinge bis März aufnehmen“. Dies sei mit den vorhandenen Kapazitäten zu schaffen.
Allerdings würden „verschiedene Alternativen zur Unterbringung in der Nordseehalle geprüft“. Dazu gehört laut Stadtverwaltung „auch der Aufbau von Containern oder anderen winterfesten Wohnlösungen“. Bei der Entscheidung spiele auch eine Rolle, ob überhaupt Wohncontainer verfügbar und nachhaltige Nutzungsmöglichkeiten gegeben seien. „Grundsätzlich hängen die weiteren Maßnahmen von den Entwicklungen im Kriegsgebiet und den damit verbundenen Flüchtlingsströmen ab“, betont die Stadtverwaltung.
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„Derzeit sind unsere Flüchtlinge zum Teil dezentral, zentral in der Nordseehalle und in der ehemaligen Schule Barenburg sowie in einer dezentralen Unterkunft in Larrelt untergebracht.“ Das Land weise die Leute „mit einem Vorlauf von drei bis fünf Tagen“ zu. Geflüchtete aus der Ukraine würden in der Regel in einer Gruppengröße von 25 Leuten geschickt.