Ausbau der Solarenergie  Für frei stehende PV-Anlagen werden Flächen untersucht

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 11.01.2023 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In der Gemeinde Krummhörn soll jetzt nach neuen Flächen gesucht werden, auf denen Freiland-Fotovoltaik-Anlagen stehen könnten. Symbolfoto: Pixabay
In der Gemeinde Krummhörn soll jetzt nach neuen Flächen gesucht werden, auf denen Freiland-Fotovoltaik-Anlagen stehen könnten. Symbolfoto: Pixabay
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In der Krummhörn sollen Freiflächen gesucht werden, auf denen Fotovoltaik-Anlagen stehen dürfen. Jetzt gab die Politik dazu eine Studie in Auftrag.

Krummhörn - Um die Klimaziele in Deutschland zu erreichen, spielt auch die Solarenergie eine wichtige Rolle. Jeder mit einer eigenen Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach leistet einen Beitrag dazu. Auch auf immer mehr kommunalen Gebäuden findet man sie und die technische Entwicklung schreitet voran. Trotzdem reicht das alleine noch nicht aus, wie Ende November die Solar-Wind Projekt GmbH im Krummhörner Rat deutlich machte. Deswegen komme der Freiland-PV eine besondere Rolle zu, hieß es. Auf dem Weg dorthin hat die Politik nun den nächsten Schritt gemacht.

Was und warum

Darum geht es: den Ausbau der Solarenergie in der Gemeinde Krummhörn

Vor allem interessant für: Landwirte und weitere Bewohner, die die Anlagen demnächst auf Feldern sehen könnten oder auf ihren eigenen Häusern montieren

Deshalb berichten wir: Wir hatten mit Heiko Ringena auf das neue Jahr geblickt und er wies uns darauf hin, dass jetzt eine Potenzialanalyse für Fotovoltaik-Freiflächen in Auftrag gegeben worden ist.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Wie Gemeindesprecher Fritz Harders auf Nachfrage bestätigt, hat der nicht-öffentlich tagende Verwaltungsausschuss (VA) des Rates jüngst beschlossen, eine Studie auf den Weg zu bringen. Bei der sogenannten Potenzial-Flächenanalyse soll untersucht werden, wo in der Gemeinde möglicherweise Freiland-Anlagen aufgebaut werden könnten – und unter welchen Bedingungen. „Der Auftrag für die Potenzialstudie ist erteilt, die aber noch in Arbeit ist“, fügt Harders hinzu. In Hinte war so eine Studie bereits zuvor in Auftrag gegeben worden.

Bürgerbeteiligung am Solarstrom gefordert

Das Land Niedersachsen hatte kürzlich über das Landesraumordnungsprogramm neue Regelungen geschaffen. Demnach dürfen seit September auch Flächen, die in den Regionalen Raumordnungsprogrammen als „Vorbehaltsfläche Landwirtschaft“ bezeichnet sind, auf ihre Eignung geprüft werden. Die genaue Umsetzung und Prüfung obliegt aber den Landkreisen, die für die Regionalen Raumordnungsprogramme zuständig sind. Heiko Ringena (FBL) ist der Vorsitzende des Krummhörner Rats. Als unsere Zeitung mit ihm jetzt über die im neuen Jahr wichtig werdenden Themen spricht, schneidet er auch den Ausbau der Solarenergie an. Es gelte beim Solarstrom – wie auch im Falle der Windenergie – die Bürger daran finanziell zu beteiligen, um für mehr Akzeptanz für die neue Technik zu sorgen, fordert er. Entweder in Form einer direkten Beteiligung der Bewohner, die sich dafür aber Anteile leisten können müssten, oder indirekt über eine Beteiligung der Gemeinde. Zum Beispiel an einem großen Solarpark.

Er wisse zwar um die Kritiker, die sich fragen würden, ob man „gute Krummhörner Äcker und Weideflächen“ hergeben solle, um darauf Energie statt Lebensmittel zu produzieren. Er selbst bejahe diese Frage aber. Alleine schon, da der Ertrag aus Solarenergie „viel höher“ sei, als wenn man Mais zu Biogas mache. Bei der Suche nach Standorten für Freiflächen halte er es allerdings für wichtig, vor allem nach „vorbelasteten Flächen“ zu suchen, die sich beispielsweise an Hauptstraßen oder an beziehungsweise in Windparks befinden – nicht „in einem bislang relativ unberührten Agrarraum“.

Weitere PV-Dächer für Gemeindegebäude

Was die Landwirte angeht, so könnten gerade sie vom Freiland-Ausbau profitieren, wenn sie ihre Felder für die Anlagen zur Verfügung stellen. Darauf wies die Solar-Wind Projekt GmbH im November hin. Zudem könnte die Technik dort zur Biodiversität beitragen. Zumindest, wenn die Anlagen entsprechend gebaut werden. Das würden zumindest bisherige Projekte zeigen.

Auch wenn Freiland-PV wichtig ist, wurde bei der Ratssitzung aber ebenfalls klar, dass die Dächer ebenso im Fokus bleiben. So denkt die Gemeinde Krummhörn darüber nach, die Dächer von weiteren kommunalen Gebäuden mit Solaranlagen auszustatten. Als Beispiel wurde das Klärwerk genannt. Dazu gebe es jedoch noch keinen neuen Stand, schreibt Harders jetzt. Zumindest „gibt es noch kein Ergebnis, was präsentiert werden kann“. Die dafür notwendigen Untersuchungen seien zu umfangreich, um sie in der Kürze der Zeit vorlegen zu können. Der Sprecher weist jedoch darauf hin, dass bereits die Dächer der vier Grundschulen sowie der Integrierten Gesamtschule (IGS) und des Rathauses mit PV-Anlagen ausgestattet sind.

Anreize für private PV-Stromerzeuger

Allerdings wird der dort erzeugte Strom meistens nicht für die Versorgung der jeweiligen Gebäude genutzt. Die installierten Anlagen auf den öffentlichen Gebäuden gehören oft zur Bürgerenergie Hinte/Krummhörn. Hier wird der Strom ins öffentliche Netz eingespeist. Nur die Anlage auf dem Krummhörner Rathaus gehört der Gemeinde und nur hier wird der Strom direkt für das Gebäude genutzt.

Auch für Privatanwender werden derzeit vielerorts Anreize dafür geschaffen, eine eigene Anlage zu kaufen. In der Stadt Norden beispielsweise liegt der Fokus auf sogenannten Balkonkraftwerken. Das sind kleinere PV-Anlagen, die man nicht auf dem Dach montieren muss, sondern – wie der Name schon andeutet – beispielsweise auf dem eigenen Balkon aufstellen oder daran montieren kann. Eingespeist wird der Strom, indem man einfach den zur Anlage gehörenden Stecker in eine Steckdose steckt. Das eröffnet auch Mietern neue Möglichkeiten. Wenn sie eine solche Anlage besitzen und damit höchstens 600 Watt Leistung produzieren, gibt es von der Stadt einen einmaligen Zuschuss von 300 Euro.

Dann sind da noch die im Internet zu findenden Solarkataster, die es inzwischen sowohl in allen ostfriesischen Landkreisen als auch in der kreisfreien Stadt Emden gibt. Es handelt sich dabei um eine interaktive Karte, über die sich für den jeweils eigenen Standort berechnen lässt, inwiefern eine eigene PV-Anlage Sinn machen würde, wie groß sie sein müsste und wo sie sich genau befinden müsste, um am meisten Energie zu generieren.

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