Projekt wackelt So will Kickers die Platzsanierung noch retten
Es gibt keine zwei Meinungen: Der Rasen im Ostfrieslandstadion ist ein Sanierungsfall. Die Baukosten schießen in die Höhe. Kickers-Boss Winter erklärt, wie er das Projekt noch durchziehen möchte.
Emden - Eigentlich hätten schon im letzten Sommer die Bagger im Ostfrieslandstadion anrollen sollen. So war einmal der Plan beim Fußball-Regionalligisten Kickers Emden. Daraus ist bekanntlich nichts geworden. Nach der erfolgreichen Aufstiegsrunde mit dem letzten Spiel am 29. Mai gegen den Bremer SV folgte dann noch Anfang Juli die Emder Stadtmeisterschaft auf Stadionrasen. Es war aufgrund der Terminlage überhaupt keine Zeit, mit Bauarbeiten zu beginnen. Wer sich in diesen Tagen auf der Anlange umsieht, wird feststellen, dass auch noch keine umfangreichen Vorarbeiten begonnen haben.
Nach der sportlichen Talfahrt in der Regionalliga ist es um das Großprojekt Platzsanierung sehr ruhig geworden. Wie ist der Stand der Dinge? Droht das ganze Vorhaben möglicherweise komplett zu scheitern, können Fördermittel vielleicht gar nicht abgerufen werden? „Nein, wir möchten weiterhin die Platzsanierung durchziehen“, versicherte Vorsitzender Dr. Jörg Winter im Gespräch. Allerdings gibt es vor allem ein großes Problem, das nicht überraschend kommt: die Finanzen.
Geplante Kosten: 387.966 Euro
Im Mai vergangenen Jahres veranschlagten die BSV-Bosse für das Gesamtprojekt Baukosten in Höhe von 387.966 Euro. Die Stadt Emden gewährt einen Sonderzuschuss in Höhe von 100.000 Euro. Vom Stadtsportbund kommen 66.508 Euro, der Landessportbund genehmigte Fördermittel für das Jahr 2022 in Höhe von 82.955 Euro. An Eigenmitteln wollten die Emder rund 75.000 Euro aufbringen. Bei diesem Finanzplan bleibt noch ein Restbetrag in Höhe von 63.503 Euro.
Die Stadt Emden und auch der Stadtsportbund haben schon angekündigt, die Mittel auch in den kommenden Jahren zur Verfügung zu stellen. Beim LSB haben die Emder fristgerecht den Antrag gestellt, die Fördermittel auf das kommende Jahr zu übertragen.
Mehrkosten in Höhe von 200.000 Euro
„Jeder weiß, dass die Baukosten in den letzten Monaten explodiert sind. Leider werden die Fördermittel aber nicht dementsprechend angepasst“, erklärt Dr. Winter. Um das Projekt noch durchziehen zu können, geht es also um die Eigenmittel. „Der Eigenanteil wird sich vervielfachen. Ich rechne insgesamt mit Mehrkosten in Höhe von 200.000 Euro“, meinte Albert Ammermann, zweiter Vorsitzender beim BSV. Wenn die Mehrkosten also bei 200.000 Euro liegen, müsste Kickers also selber einen Anteil von 275.000 Euro aufbringen, plus die noch offene Summe von 63.503 Euro.
Ist das überhaupt realistisch, schließlich ist die finanzielle Lage beim Regionalligisten sehr angespannt? „Das ist eine mächtige Hausnummer. Fest steht, dass wir das Projekt nicht durchziehen können, wie wir es geplant hatten. Abreißen, aufbauen, fertig. Wir müssen versuchen, die Bauabschnitte zu stückeln, ansonsten ist es nicht möglich“, so Dr. Winter.
Umbau über drei Jahre strecken
Daher hoffen die BSV-Bosse, den Umbau über drei Jahre strecken zu können. „Wenn wir in Etappen bauen, bin ich nach wie vor zuversichtlich, die Sanierung hinzukriegen.“ Die Alternative sei, das Projekt zu kippen und die Fördermittel nicht abzurufen. „Davon wird der Rasen aber ja nicht besser. Um den Platz spielfähig zu bekommen, mussten wir schon vor dieser Saison viele Gelder in die Hand nehmen.“
Aus Sicht von Dr. Winter sei es in jedem Falle sinnvoll, die Sanierung zu vollenden. „Es nützt nichts, mit brutalster Gewalt nur in Beine zu investieren. Wir müssen die Infrastruktur verbessern, das sind Investitionen für die nächsten Jahre oder teilweise auch Jahrzehnte.“ Die Kickers-Führung ist mit den Baufirmen nun dabei, aufgrund der gestiegenen Kosten einige Abstriche zu machen. Zum Beispiel sei geplant, auf die unterirdische Bewässerung zu verzichten, so Albert Ammermann.
Sportlich ist der Klassenerhalt eine Mammutaufgabe, das Projekt Platzsanierung nimmt ähnliche Dimensionen an.
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