Verhandlung am Landgericht  Auricherin soll mit Geldwäsche Luxus-Leben finanziert haben

Bettina Keller
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Von Bettina Keller
| 12.01.2023 16:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine 56 Jahre alte Frau muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Aurich verantworten. Symbolfoto: Ortgies
Eine 56 Jahre alte Frau muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Aurich verantworten. Symbolfoto: Ortgies
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Eine 56-jährige Auricherin muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Aurich verantworten. Ihr wird besonders schwere Geldwäsche in 139 Fällen vorgeworfen. Die Grundlage für ihr Luxus-Leben.

Aurich - Ein Porsche Cayenne, Immobilien, Pferde – eine 56-jährige Auricherin soll ihr Leben wissentlich mit Geld finanziert haben, das aus Straftaten ihres damaligen Ehemannes stammte. Der Kölner hat als Leiter mehrerer Dienststellen bei der Allianz Versicherung nicht vorgefallene Schadensfälle fingiert und sich die Summen auf seine Konten auszahlen lassen. Er ist inzwischen rechtskräftig verurteilt.

Seit Donnerstag sitzt die Frau auf der Anklagebank der ersten Großen Strafkammer des Auricher Landgerichts. Eingerahmt wird sie von ihren Verteidigern Dr. Maximilian Kohlhof aus Köln und Irene Gonsalvas aus Aurich. Zum Prozessauftakt schweigt sie zu den Vorwürfen.

Schwere Geldwäsche in 139 Fällen

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten besonders schwere Geldwäsche in 139 Fällen vor. Sie soll zwischen 8. April 2013 und Ende Mai 2018 in 128 Fällen von ihrem damaligen Ehemann Geldbeträge zwischen 50 und mehreren Tausend Euro zur Bestreitung ihres Lebensstils überwiesen bekommen haben, insgesamt 403.000 Euro.

Die Auricherin soll das Geld ausgegeben haben, obwohl sie gewusst haben soll, dass ihr Mann mit seiner beruflichen Tätigkeit nur 80.000 Euro brutto jährlich erzielt und zusätzlich seine Lebensgefährtin finanziert hat. Das Ehepaar hat sich 2013 getrennt und blieb bis zum Abitur der Tochter 2017 in ihrem gemeinsamen Einfamilienhaus in Hagen (NRW) wohnen. Danach hat die Angeklagte in einem ländlichen Stadtteil im Nordosten Aurichs eine Immobilie mit großem Grundstück erworben. Die gelernte Bürokauffrau ist inzwischen wieder verheiratet und fährt Taxi.

Wusste sie über die Herkunft des Geldes Bescheid?

Weiter wirft die Staatsanwaltschaft der Angeklagten vor, das Haus in Hagen – es gehört zur Hälfte ihr und zur Hälfte ihrem damaligen Ehemann – mit inkriminierten Geldern finanziert zu haben. Es wurde im November 2018 verkauft. Daraus soll die Frau 144.000 Euro überwiesen bekommen haben. Ihre fünf teuren Pferde soll die Angeklagte ebenfalls durch inkriminierte Gelder finanziert haben. Im Dezember 2016 veräußerte sie die Tiere für insgesamt 180.000 Euro an ihren jetzigen Ehemann, den sie in einem Reitstall kennengelernt hat.

„Wir haben eine Frau in fortgeschrittenem Alter, die Hausfrau war und keine Einkünfte hatte“, meinte der Verteidiger Dr. Kohlhof zum Gericht. Die Finanzverwaltung habe dem Mann oblegen. Man müsse die Frage klären, ob sie über die Herkunft der Gelder Bescheid wusste. Kohlhof gab zu bedenken, dass die in fünf Jahren erhaltenen 400.000 Euro nicht exorbitant viel gewesen seien. Die Angeklagte wischte mit einem Taschentuch Tränen weg.

Nach längeren Diskussionen näherten sich die Prozessbeteiligten einer Verständigung an. Bei einer geständigen Einlassung werde die Angeklagte mit einer Bewährungsstrafe rechnen können, stellte die Kammer in Aussicht. Bei einem strittigen Ende nicht. Verteidigerin Irene Gonsalvas kündigte nach Beratung mit der Angeklagten für den kommenden Sitzungstermin ein Geständnis an.

Der Prozess wird am 19.1. um 13.30 Uhr in Saal 003 des Auricher Landgerichts fortgesetzt.

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