Hamburg  „Letzte Generation“ versucht, an staatlicher Hochschule Mitglieder zu werben

Marie Busse
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Von Marie Busse
| 13.01.2023 14:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Regelmäßig kleben sich Aktivisten der „Letzten Generation“ an Straßen fest und blockieren sie so. An der staatlichen Hochschule für Angewandte Wissenschaft in Hamburg informierten sie über ihre Protestform. Foto: Collage: Stephan Wallocha/aal.photo
Regelmäßig kleben sich Aktivisten der „Letzten Generation“ an Straßen fest und blockieren sie so. An der staatlichen Hochschule für Angewandte Wissenschaft in Hamburg informierten sie über ihre Protestform. Foto: Collage: Stephan Wallocha/aal.photo
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Seit einem Jahr blockieren Aktivisten der „Letzten Generation“ regelmäßig Straßen. Doch das ist nur ein Teil ihrer Arbeit. Regelmäßig informieren sie in Vorträgen über ihre Aktionen und versuchen so neue Mitglieder zu rekrutieren - zuletzt an der staatlichen Hochschule für Angewandte Wissenschaft Hamburg (HAW).

Die „Letzte Generation“ blockiert nicht nur Autobahnen und bewirft Gemälde mit Kartoffelbrei, auch das Blockieren von Flughäfen gehört zum Repertoire. Und genau darum ging es im Online-Vortrag „Zur Bedeutung von Flughafenblockaden in der Klimadebatte“, zu dem laut Ankündigung die HAW Hamburg laut Ankündigung geladen hatte.

Ausführlich berichteten die Aktivistinnen Miriam Meyer, die selbst während einer Flughafenblockade festgenommen wurde, und Shirley Zwinzscher, wie der Flugverkehr erfolgreich lahmgelegt werden kann. Sie verwiesen auf eine Aktion am Berliner BER, bei dem Aktivisten den Zaun durchschnitten und sich mit Luftballons auf dem Gelände bewegten und so den Flugverkehr für mehr als eine Stunde stoppten.

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Was die „Letzte Generation“ als zivilen Ungehorsam begreift, wird rechtlich anders bewertet. Die Aktivisten wurden wegen gefährlichen Eingriff in den Flugverkehr, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung angezeigt.

Im Video: Letzte Generation blockiert BER

In ihrem Vortrag erklärten und verteidigten Meyer und Zwinscher die Aktionen der „Letzten Generation“. Die Klimakrise habe unbewohnbare Todeszonen, Krieg und Zerstörung zur Folge. Überflutungen wie im Ahrtal und anhaltende Dürreperioden seien nur Vorboten. Für politische Kompromisse sei angesichts dieser Lage keine Zeit mehr, betonten die beiden Aktivistinnen.

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Sie warben daher dafür, sich der „Letzten Generation“ anzuschließen und so Druck auf die Politik auszuüben. Mitmachen hieße nicht automatisch festkleben und damit strafrechtliche Verfolgung. Die „Letzte Generation“ brauche auch Hilfe in der Logistik, zum Beispiel bei der Versorgung mit Mahlzeiten. Am Ende des Vortrags stand ein QR-Code mit Details zur Anmeldung und Kontaktdaten.

Als die beiden Aktivisten fragten, wer sich denn nun konkret anschließen wolle, schritt Organisator Professor Dieter Scholz von der HAW ein: Das ginge nun doch zu weit. Dafür sei der Vortrag nicht der richtige Ort, ohnehin seien alle Informationen online verfügbar.

Die HAW selbst wollte einen Tag später gar nichts davon wissen, dass an einer staatlichen Hochschule Aktivisten für illegale Aktionen geworben wurde. „Wir distanzieren uns von diesem Vortrag. Es handelt sich dabei nicht um eine Veranstaltung der HAW Hamburg“, sagte ein Pressesprecher unserer Redaktion. Das Logo der Hochschule sei ohne Absprache verwendet worden.

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Christoph Ploß, Vorsitzender der CDU Hamburg und Abgeordneter im Bundestag, kritisierte den Vortrag. Es dürfe nicht passieren, dass Studenten in offiziellen Veranstaltungen einer staatlichen Hochschule zur Begehung von Straftaten ermutigt werden. „Die HAW sollte ihre knappen Ressourcen in Forschung und Entwicklung von technischen Innovationen für den Klimaschutz statt in Propaganda-Vorträge radikaler Gruppen investieren.“

Schon im Vorfeld des Vortrags, der Teil der Reihe „Hamburger Luft- und Raumfahrtvorträge“ ist, hatten sich die Mitorganisatoren „Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt“ und das „Zentrum für angewandte Luftfahrtforschung“ explizit von diesem Vortrag distanziert.

Die „Letzte Generation“ bietet jede Woche Vorträge dieser Art an und versucht so, neue Mitglieder zu werben. Das scheint erfolgreich zu sein. Nach eigenen Angaben ist die Zahl der Mitglieder innerhalb eines Jahres von etwa 30 Anfang des Jahres 2022 auf mehrere Hundert angestiegen.

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