Hamburg Windkraft in Berlin: So wenige Windräder drehen sich in der Hauptstadt
In ganz Deutschland drehen sich Windräder. In ganz Deutschland? Eine Millionenmetropole im Osten hat sich dem energiepolitischen Fortschritt in Sachen Windenergie bislang weitgehend verweigert: In Berlin sind gerade einmal ein halbes Dutzend Windkraftanlagen am Netz. Wie konnte das passieren?
„Neue Windräder braucht das Land”, twitterte die Berliner Senatsverwaltung im Herbst 2021 und stellte ein Foto verschiedener Honoratioren am Fuße einer Windenergieanlage dazu. Stolz war man auf das, was erreicht worden ist: Berlin hatte ein neues Windrad. Das nunmehr sechste, allesamt im Stadtteil Pankow. Und dabei ist es bis heute auch geblieben.
Sie haben sich nicht verlesen: In der Bundeshauptstadt Berlin, von der aus politisch die Energiewende hin zu erneuerbarer Energie ausgerufen wurde, wird kaum Windstrom produziert. 0,02 der in Deutschland installierten Anlagen stehen im Berliner Stadtgebiet.
Eine Anfrage unserer Redaktion dazu, warum dem so ist, ließ die Verwaltung unbeantwortet. In der Pressemitteilung aus dem September wurde noch auf die angespannte Flächensituation im Stadtstaat Berlin verwiesen. Mehr sei halt nicht drin, so die Botschaft. Die Stadt setze stattdessen auf Solar. Gutachten kamen in der Vergangenheit indes sehr wohl zur Erkenntnis, dass die Hauptstadt Windkraft-Potenzial hat.
Auch der Blick auf die anderen beiden, flächenmäßig kleineren Stadtstaaten zeigt, dass es dann offenbar doch anders geht: In Hamburg sind 68 Windräder am Netz, in Bremen sogar 93. Sie haben eine Gesamtleistung von 118 beziehungsweise 207 Megawatt.
Berlin indes kommt mit seinen sechs Anlagen auf gerade einmal 16,6 Megawatt. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur ist die Hauptstadt damit Schlusslicht in der Windkraftstatistik - mit Abstand.
Und daran wird sich alsbald auch nichts ändern. Denn neue Windräder sind in Berlin nicht in der Pipeline. „Wenig Wille und Bereitschaft”, attestierte ein potenzieller Investor, der einige der sechs Windräder errichtet hat, in einem Gespräch mit dem RBB der Stadtverwaltung.
Die nahm sich in der Vergangenheit heraus, keine Flächen für Windkraft im Stadtgebiet auszuweisen. Stattdessen musste bislang jedes Windrad einzeln genehmigt werden - ein langwieriger Prozess.
Eigentlich kann das nicht so bleiben: Am 1. Februar tritt das sogenannte Wind-an-Land-Gesetz in Kraft. Es soll den seit Jahren stockenden Windkraftausbau in Deutschland beschleunigen, damit Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke abgestellt werden können.
Im Gesetz werden die Bundesländer angewiesen, einen gewissen Prozentsatz ihrer Landesfläche für Windkraft auszuweisen, das Flächenland Niedersachsen beispielsweise 2,2 Prozent bis 2032. Hamburg, Bremen und eben auch Berlin bekommen einen Stadtstaaten-Bonus: Für sie gilt ein 0,5-Prozent-Ziel.
Laut amtlicher Zahlen übererfüllt Bremen das Ziel bereits mit 0,8 Prozent der Fläche. In Hamburg sind es erst 0,2 Prozent. Und in Berlin? Null Prozent, weil bislang eben jede Anlage einzeln genehmigt wurde.
Sollte die Hauptstadt das 0,5-Prozent-Ziel erfüllen, entspräche das in etwa der Fläche des Flughafens Tegel. Vertreter der Naturschutzorganisation BUND sprachen sich bereits dafür aus, 20 bis 40 Windräder in Berlin zu bauen. Das wären dann immer noch nur halb so viel, wie im halb so großen Bremen. Aber immerhin.