Neubeginn auf der Reeperbahn  Tätowierer aus Jever macht jetzt Hamburg bunter

| | 16.01.2023 14:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Marco Apfler wagt einen Neubeginn in Hamburg und eröffnet dort ein Tattoo-Studio. Eine RTL2-Doku zeigt ihn derzeit dabei, wie er vor einem guten halben Jahr seine ersten Tattoos auf der Reeperbahn stach. Foto: privat
Marco Apfler wagt einen Neubeginn in Hamburg und eröffnet dort ein Tattoo-Studio. Eine RTL2-Doku zeigt ihn derzeit dabei, wie er vor einem guten halben Jahr seine ersten Tattoos auf der Reeperbahn stach. Foto: privat
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Marco Apfler ist derzeit in der RTL2-Doku „Reeperbahn privat“ zu sehen. Während der Dreharbeiten war er noch Tattoo-Künstler in Jever. Mittlerweile ist er mit seinem Studio umgezogen.

Hamburg/Jever - Marco Apfler aus Jever hat es geschafft: Anfang Januar hat der Tätowierer sein Tattoo-Studio „Tief unter deine Haut“ in Hamburg eröffnet. In den zurückliegenden Jahren war das in Jever beheimatet. Parallel dazu ist er gerade in der RTL2-Dokumentation „Reeperbahn privat! Das tägliche Leben auf dem Kiez“ donnerstags ab 20.15 Uhr zu sehen. Die dritte Folge der sechsten Staffel wird am 19. Januar ausgestrahlt. „Die Folgen vier bis sechs sind noch in Arbeit, die werden etwas später gesendet“, weiß Apfler. Die Fernsehserie hat es sich zur Aufgabe gemacht, bekannte wie auch weniger bekannte Akteure des Hamburger Nachtlebens im Kultviertel St. Pauli bei ihrem Alltag zu begleiten.

Was und warum

Darum geht es: Marco Apfler sticht heraus. Rund 90 Prozent seines Körpers sind von Tinte bedeckt. Das beschert ihm Auftritte vor TV-Kameras.

Vor allem interessant für: Fans der Körperkunst, Großstadtpflanzen und Leser, die das Außergewöhnliche interessiert

Deshalb berichten wir: Mut haben und anders sein – Marco Apfler lebt seine Vorliebe für Körperkunst voll aus. Woran mancher sich stört, wurde für ihn zum Sprungbrett.

Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de

Seit 2017 werden für das TV-Format Tänzerinnen und Prostituierte, Türsteher oder Drag Queens in ihrer privaten wie auch beruflichen Umgebung gezeigt. Oder eben volltätowierte Künstler wie Marco Apfler. Der hatte sein Tattoo-Studio und Lebensmittelpunkt noch im Herbst in Jever, wollte aber gern den Neuanfang auf der Amüsiermeile wagen. Die Kameras zeigen ihn und seine Familie bei ihrem ersten gemeinsamen Besuch auf dem Kiez sowie bei einer Wohnungsbesichtigung. Darüber hinaus ist natürlich auch zu sehen, wie Apfler tätowiert. Bei dem Ausflug mit einem Kumpel ins Hamburger Nachtleben wurde er durch Zufall entdeckt. Die Männer, beide annähernd körperbedeckend tätowiert, fielen auf. Er begann im Mai 2022, in der Szenekneipe „Susis Show Bar“ vor Fernsehkameras kleine Kunstwerke in Tinte auf Kiezbesucher zu zaubern. Obwohl diese Folgen der Doku erst jetzt ausgestrahlt werden, wurde der 46-Jährige mit den roten Augen auch dank des Internets schon zu diesem Zeitpunkt immer bekannter.

Auch die roten Augen sind tätowiert

Schon bei einem ersten Treffen mit der Redaktion im September 2022 wurde deutlich: Der Mann ist auf dem Absprung. Es fehlte nur noch die passende Perspektive. Damals hatte ihm das Pendeln zugesetzt: Familie und Alltag in Friesland auf der einen Seite hielten ihn unter der Woche in Schach. Die Drehs und Engagements für beispielsweise die Kultkieztouren der Grand Dame der Reeperbahn, Olivia Jones, füllten die Wochenenden. Die Familie war fest entschlossen, ihren Lebensmittelpunkt ganz an die Alster zu verlegen. Anfang Oktober war es so weit: Gerade noch rechtzeitig vor der Geburt des jüngsten Mitglieds der Familie. Baby Tayler erblickte nur Tage später das Licht der Welt. Anneliese Janßen brachte zudem ihren Sohn Lasse mit in die Beziehung.

Den Weg nach Hamburg ist Marco Apfler zusammen mit seiner Familie gegangen. Anneliese Janßen (links) mit ihrem ältesten Sohn Lasse (rechts) und dem drei Monate alten Sohn Tayler im neuen Tattoo-Studio „Tief unter deine Haut“. Foto: privat
Den Weg nach Hamburg ist Marco Apfler zusammen mit seiner Familie gegangen. Anneliese Janßen (links) mit ihrem ältesten Sohn Lasse (rechts) und dem drei Monate alten Sohn Tayler im neuen Tattoo-Studio „Tief unter deine Haut“. Foto: privat

Sie alle fühlen sich wohl in Hamburg, versichert Apfler. Der stattliche Mann mit den unzähligen Tattoos fühlt sich angenommen und angekommen inmitten der schillernden Persönlichkeiten und der vielen nackten Haut des Nachtlebens von St. Pauli. Herausstechen tut er auch dort: Apflers Haut wird nicht nur durch eine auffällig große Anzahl Bilder in Tinte geschmückt – rund 90 Prozent seines Körpers sind mittlerweile bedeckt, schätzt er selbst. Er hat zudem ein sogenanntes Eyeball-Tattoo: Der weiße Teil seines Augapfels ist mit Rot eingefärbt.

Seit seinem 13. Lebensjahr tätowiert Marco Apfler sich und andere, seit 20 Jahren hauptberuflich. Nach und nach wurde er zudem selbst zu einem Kunstwerk. Das gefällt nicht jedem, wie er weiß. „Jeder soll leben, wie er will“, meint der Tattoo-Künstler dazu allerdings nur. Eine Einstellung, mit der er in seiner neuen Wahlheimat nicht allein ist: Hier tummeln sich viele außergewöhnliche Typen. Und doch sei es wie eine Familie, unterstreicht Apfler. Eine Familie und ihre Besucher, die der Künstler künftig nicht nur durch seine Optik, sondern auch mit Nadel und Tinte bunter macht. Wenn er überhaupt zum Tätowieren kommt: Umzug, Windeln wechseln, die Vorbereitungen fürs eigene Studio: „Ist gerade viel zu tun und auch alles sehr stressig“, kommentiert er knapp. „Ich hab viel um die Ohren.“ Mit seiner nun beginnenden TV-Präsenz dürfte sich daran vorerst auch nichts ändern.

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